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Stirb Langsam 4: Bruce Willis als Action-Opa: Kein bisschen zimperlich

VON PETER STEINHART - zuletzt aktualisiert: 27.06.2007 - 11:40

Düsseldorf (RP). Zehn Jahre nach dem letzten "Stirb Langsam"-Film geht Bruce Willis als Polizist McClane in "Stirb Langsam 4.0" wieder auf Schurkenjagd. Mit viel Charme und Witz, mit jeder Menge Action und rabiaten Stunts.

Dass der Polizist McClane, der Held aller "Die Hard"-Filme, so viel gepriesen wurde wie kein anderer Action-Held der 1990er Jahre, liegt an Bruce Willis - und seiner besonderen Kunst, ihn mit einer unverwechselbaren Mischung aus realistisch auftrumpfender Härte und unerschütterlicher Ironie zu spielen. Kein haarsträubender Höhepunkt ohne ein kühles Augenzwinkern: "Ich glaube, ein Zirkus ist in der Stadt", kommentiert er die anschwellende Schar von Killern, die in "Stirb Langsam 4.0" seinem jungen Schützling nach dem Leben trachten.

Über zehn Jahre nach dem letzten "Stirb Langsam" wagte sich Bruce Willis an eine neue Folge seiner erfolgreichsten Filmserie mit dem Rezept, einen altmodisch handfest reagierenden Polizisten aus dem letzten Jahrhundert gegen modernste Computer-Schurkereien antreten zu lassen.

Das hat viel Charme, denn die Grundidee der Story wurde auch auf die Produktionsweise übertragen: Der Film ist ein wahrer Kreuzzug gegen die Mode, Action-Höhepunkte nur noch mit Computertricks zu simulieren.

Je mehr die Schurken mit wenigen Laptop-Clicks erst Washington D.C. und dann ganz Amerika ins Chaos stürzen, desto mehr macht ihnen McClane mit rabiaten Stunts das Leben schwer.

Hier lernen ganz reale Autos das Fliegen, und die Unglaublichkeit, dass man mit einem schweren Fahrzeug einen Hubschrauber abschießen kann, wird ganz ausführlich und ohne hastig verwirbelte Computerbilder zelebriert.

Natürlich braucht dieser alternde, altmodische Polizist einen Führer durch die moderne Computerwelt, und Justin Long spielt dieses junge Hacker-Genie, das die schurkischen Pläne der Gegner schneller durchschaut als alle Spezialisten von FBI und CIA, mit soviel Charme, dass man einen so einprägsamen Partner wie Samuel L. Johnson aus "Stirb Langsam 3" kaum vermisst.

Timothy Olyphant bleibt freilich als Chef der Bösen eine farblose Figur und weckt Sehnsucht nach Alan Rickman und Jeremy Irons mit ihren diabolisch funkelnden Schurkenrollen im ersten und im dritten der "Stirb langsam"-Filme.

Das bleiben die besten in der Filmserie. Sie wurden inszeniert von John McTiernan, einem Regisseur, der jüngst kommerzielle Misserfolge zu verantworten hatte. So wollte Bruce Willis sich wohl absichern durch die Wahl des jüngeren Werbe- und Horrorfilm-Regisseurs Len Wiseman ("Underworld") - eines mäßigen Talents, wie sich erneut zeigt.

Aufregend aufgebaute Szenen wie Bruce Willis’ Kampf mit der Hongkonger Action-Prinzessin Maggie Q wurden zusammengeschnitten zu einer hastigen Sequenz, als müssten Computertricks kaschiert werden.

Und beim Stromausfall, der sich über ganze Stadtlandschaften ausbreitet, werden die Effekte durch eine ungeschickte Inszenierung vollends verschenkt. Trotzdem schafft es der Film, über zwei Stunden lang mit geschickt gesteigerten Spektakeln aufzuwarten zu einer Achterbahn-Fahrt, bei der die Rollen von Jägern und Gejagten ständig wechseln.

Nur manchmal wird des Guten zuviel getan wie bei der Jagd eines Kampfjets auf einen Lastzug - da sehen Laster und gestelzte Autobahn so echt aus, dass das futuristische Flugzeug-Modell umso künstlicher wirkt. Das widerspricht dem Prinzip des Films, Misstrauen gegen Bilder aus dem Computer zu predigen.

Da unterbrechen die Cyber-Terroristen die nationalen Fernsehprogramme, um Schrecken zu verbreiten mit der Vorführung, wie das Capitol in Washington in die Luft fliegt. Aber das war nur ein Trick, entdeckt Bruce Willis’ junger Partner sofort, und alle können sich überzeugen, dass das Heiligtum amerikanischer Demokratie unversehrt blieb. Schließlich soll "Stirb Langsam" Terrorismus-Ängste nicht wecken, sondern bannen.

Und damit diesmal dieser Kirmes-Spaß auch für die Jugend freigegeben wird, schwitzt und blutet Bruce Willis zwar wie gewohnt - hat aber seine Flüche zu weniger anstößigen Formulierungen abgeschwächt. Das führte zwar in den USA, aber nicht in Deutschland zum Erfolg: Die FSK hat den Film nur "ab 16" freigegeben.


 
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