Filmfestspiele in Venedig: "Buh"-Rufe für "Birth" mit Nicole Kidman
VON DÖRTE LANGWALD - zuletzt aktualisiert: 09.09.2004 - 14:44Venedig (rpo). Die Debatte um die Badezimmerszene - das Tagesthema am Lido. In Jonathan Glazers Mystery-Drama „Birth“ steigt Nicole Kidman mit einem Zehn-Jährigen in die Wanne – wenig später kommt es zum Kuss. Ein Akt, der schon im Vorfeld für Proteste sorgte, und bei der Filmpremiere in Venedig gnadenlos ausgebuht wurde.
Fast wäre es zum Skandal gekommen – doch Presseprofi Nicole Kidman nahm allen Kritikern beim Festival in Venedig schnell den Wind aus den Segeln: "Die Geschichte von 'Birth' handelt von einer trauernden Frau, nicht über Sex mit einem Minderjährigen", verteidigte die Oscar-Preisträgerin das umstrittene Werk ihres australischen Landsmannes Jonathan Glazer („Sexy Beast“). In dem übersinnlichen Psychostreifen spielt Kidman die Witwe Anna, die zehn Jahre nach dem Tod ihres Mannes einen kleinen Jungen trifft, der behauptet, die Reinkarnation ihres verstorbenen Gattens zu sein. Tatsächlich verfügt der seltsame Knabe (grandios gespielt von dem elfährigen Kanadier Cameron Bright) über intimstes Wissen aus Annas Leben – und obwohl diese zunächst an der aberwitzigen Story zweifelt, glaubt sie dem beharrlichen Buben schließlich. So kommt es beim gemeinsamen Baden zu ersten zärtlichen Annäherungen zwischen Anna und dem Kleinen.
Bereits bei der ersten Pressevorführung am vergangenen Dienstag hagelte es "Buh"-Rufe seitens der internationalen Journalisten – mit Recht. Zu abgehoben ist die Story, zu viele Fragen bleiben ob der bizarren Wiedergeburts-Behauptung offen. Was überzeugt ist jedoch das Schauspiel des Mini-Reinkarnierten: Der kleine Cameron schafft das Meisterwerk, den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen - ganz im Gegensatz zu Nicole Kidman, die mit somnambuler Dauerflüsterei allzu übereifrig dramatisiert.
Die Hollywood-Diva zeigte sich von der beeindruckenden Leistung ihres Co-Stars ebenfalls begeistert: "Dank Camerons Talent war es mir möglich, wirklich zu glauben, dass er ein erwachsener Mann ist." Darüber hinaus verriet die 37-Jährige, dass sie am Set stets einen iPod parat hatte, um sich für emotional schwierige Szenen vorzubereiten: "Musik ist für mich extrem wichtig – wenn ich drehe, verwende ich bestimmte Musik, um mich damit für meine Rollen in Stimmung zu bringen." Welche Songs an Fräulein Kidmans Ohren dringen, wollte sie jedoch nicht enthüllen: "Ich möchte nicht zu viel über meine Arbeit verraten – das entmystifiziert zu sehr", hauchte Kidman mädchenhaft errötend.
Musik hin oder her – das Premierenpublikum wollte der erfolgsverwöhnten Aktrice diesmal ihre Rolle nicht abnehmen und überschüttete am Mittwochabend Kidman und Regisseur Jonathan Glazer mit Protestrufen. An der Misere halfen dann auch Lauren Bacalls Lobeshymnen nichts mehr. Die Leinwandlegende, die in "Birth" Kidmans resolute Mutter spielt, bezeichnete Jonathan Glazer als "einen der besten Regisseure, mit dem ich je zusammen gearbeitet habe – er wird mal ein ganz Großer". Auf die Frage, als welche Persönlichkeit Madame Bacall auf die Erde zurückkehren würde, sagte die 79-Jährige: "Eigentlich will ich gar nicht wiedergeboren werden. Aber wenn ich müsste, dann als Fred Astaire." Frau Kidman schwieg bei dieser Frage – klar, sie will ja auch ein Mysterium bleiben.
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