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Filmfestspiele 2017
Netflix-Streit überschattet Cannes-Eröffnung

Cannes 2017: Netflix-Streit überschattet die Festival-Eröffnung
Die Jury-Mitglieder der Filmfestspiele bei der Eröffnung. FOTO: dpa, DJ hjb
Cannes. Das Festival begann mit großem Staraufgebot. Michael Haneke und Sofia Coppola präsentierten ihre neue Werke. Doch der Konflikt zwischen Kino- und Streaming-Industrie hat inzwischen auch die Gala erreicht. 

Die Filmfestspiele in Cannes haben am Mittwochabend begonnen, und zum Auftakt war ein großartig besetzter Film zu erleben: Charlotte Gainsbourg, Marion Cotillard und "Bond"-Bösewicht Mathieu Amalric spielen in der Produktion "Les Fantômes d'Ismaël" (Ismaels Geister) mit. Die Fotografen waren bei der Premiere denn auch sehr erfreut über eine derartig hohe Stardosis.

Die Kritiker indes eher nicht. Sie bewerteten das verschachtelte Liebesdrama von Arnaud Desplechin über einen Regisseur, der einen Spionagethriller dreht und plötzlich seiner vor mehr als 20 Jahren verschwundenen Frau wieder begegnet, in der Mehrzahl als arg zäh.

Glanz auf dem roten Teppich zur Cannes-Eröffnung FOTO: afp

Macht aber nichts, einen Preis wird "Fantômes" ohnehin nicht bekommen, er läuft außer Konkurrenz. Es warten andere Höhepunkte auf die neunköpfige Jury um den spanischen Regisseur Pedro Almodóvar. Gegen Ende des bis zum 28. Mai dauernden Festivals etwa das neue Werk des deutschen Regisseurs Fatih Akin: Er schickt den mit Ulrich Tukur und Diane Krüger besetzten Film "Aus dem Nichts" ins Rennen.

"Wir werden jeden Film für sich betrachten", kündigte der 67-jährige Oscarpreisträger Almodovar ("Sprich mit ihr") an. Auch Schauspielerin Jessica Chastain, die neben Will Smith und Maren Ade ("Toni Erdmann") zur Jury gehört, versicherte, sie wolle sich jedem Beitrag aufgeschlossen und mit offenem Herzen nähern. Ein Konflikt aber scheint dem Festspielen schon jetzt bevorzustehen: Im Wettbewerb laufen zwei Filme, die vom Streamingdienst Netflix produziert wurden und wahrscheinlich nicht wie andere Beiträge in Kinos zahlreicher Länder, sondern vor allem bei Netflix selbst zu sehen sein werden.

Das wurde im Vorfeld bereits heftig kritisiert. "Ich sage nicht, dass ich nicht offen für neue Technologien bin", sagte dann auch Juryvorsitzender Almodóvar in einem leidenschaftlichen Appell für das Kino. "Die neuen Plattformen sollten aber nicht den Platz von existierenden Plattformen wie Kinos übernehmen." Die Streamingdienste müssten sich vielmehr den bestehenden Regeln anpassen. Er persönlich fände es nicht gut, wenn ein Film in Cannes die Goldene Palme gewänne und dann nicht auf der großen Kinoleinwand zu sehen sei.

Wer auch immer siegen wird, filmisch ist bereits jetzt vom vielversprechendsten Jahrgang seit langem die Rede. Der Österreicher Michael Haneke stellt seine neue Arbeit "Happy End" vor und hat die Chance, der erste Regisseur zu werden, der zum dritten Mal den höchsten Preis des Festivals gewinnt. Mit Spannung erwartet wird auch Sofia Coppolas Neuinterpretation des Südstaaten- und Bürgerkriegsromans "The Beguiled", den Don Siegel 1971 schon einmal mit Clint Eastwood verfilmt hat.

(mro/dpa)
 
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