Iranischer Regisseur im Gefängnis: Jurymitglied von Cannes im Hungerstreik
zuletzt aktualisiert: 19.05.2010 - 12:49Teheran (RPO). Der iranische Regisseur Dschafar Panahi, der derzeit in der Jury der Filmfestspiele in Cannes sitzen sollte, ist im Gefängnis in Teheran in Hungerstreik getreten. "Ich schwöre bei meinem Glauben, dem Kino, dass ich meinen Hungerstreik nicht aufgebe", zitierte die oppositionelle iranische Website Rahesabs den Filmemacher am Dienstagabend.
Sein letzter Wille sei es, dass sein Leichnam seiner Familie übergeben werde. Der 49-jährige Regisseur habe seiner Frau in einem kurzen Anruf aus der Haftanstalt Ewin mitgeteilt, dass er seit Sonntag nichts mehr esse und trinke, solange seine Forderungen nicht erfüllt würden. Nach 77 Tagen in Haft verlange er Zugang zu einem Anwalt und "bedingungslose Freiheit", bis sein Fall vor Gericht verhandelt werde.
Panahi ist einer der Juroren, die beim laufenden Festival an der französischen Riviera über den besten Film entscheiden sollen. Aus Protest gegen das Ausreiseverbot aus dem Iran ließen seine Kollegen in Cannes einen Stuhl für ihn frei. Das iranische Kulturministerium wirft dem Regisseur vor, einen Film über die Proteste nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr vorbereitet zu haben. Panahi hatte für seinen Streifen "Der weiße Ballon" 1995 in Cannes die Goldene Kamera für das beste Erstlingswerk erhalten.
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