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panorama green Hornet Waltz SONY
  Foto: Sony Pictures
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Comicverfilmung "The Green Hornet": Christoph Waltz darf wieder böse sein

VON PHILIPP HOLSTEIN - zuletzt aktualisiert: 12.01.2011 - 08:32

Düsseldorf (RP). Der Vorrat an amerikanischen Superhelden ist schier unerschöpflich. Mit der am Donnerstag anlaufenden Actionkomödie "The Green Hornet", auf Deutsch "Die grüne Hornisse", kommt nun eine Figur aus einer Radioserie aus den 30er Jahren zu Leinwandehren. Dabei spielt der Österreicher die erste Rolle nach dem Oscar-Gewinn. Sein sardonischer Gangster ist der Lichtblick in dieser um Lustigkeit bemühten Comic-Verfilmung. Der 54-Jährige ist nun ein Markenzeichen.

Filme, in denen die Hauptfigur als Ausdruck größter Bestätigung das Wort "Bingo" wählt, sind selten gelungen, und "The Green Hornet" ist ein Bingo-Film. Es wird viel dummes Zeug geredet in dieser Comic-Verfilmung, Actionszenen wurden ohne Sinn in die Handlung montiert, und lustig ist das alles auch nicht – obwohl Komödie draufsteht.

Regisseur Michel Gondry, eigentlich ein Hochbegabter, sagte jüngst, er wolle, dass man seiner Produktion die hohen Kosten ansieht. Nun hat er für 90 Millionen Dollar einen Film in 3D gedreht, der vor Kraft nicht laufen kann, weil ständig irgendwas explodieren muss. Wenn zwei sich prügeln etwa, und das tun sie in "The Green Hornet" oft, dann machen sie das nicht auf freiem Feld.

Sie müssen einander auf Ming-Vasen werfen, dabei filigrane Möbel zu Klump hauen und Flachbild-Fernseher aus der Wand reißen. Das führt zu kuriosen Verrenkungen und vor allem zu allzu ausgedehnten Kloppereien. Warum der Film zumindest in Teilen dann doch sehenswert ist? Weil Christoph Waltz mitspielt, nur deshalb, er ist der Held und die Rettung, dabei hat er nur eine Nebenrolle.

Das Böse unterhaltsam

Der 54-jährige Österreicher ist hier in seinem ersten Engagement nach dem Oscar zu erleben, den bekam er für die Meisterleistung in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds". Dort anverwandelte er sich den Nazi-Oberst Hans Landa, er übertrat die Schwelle zwischen Leinwand und Kinosaal, zwischen Spiel und Sein. Das Sardonische jenes Auftritts trägt Waltz auch in diese Produktion.

Wieder ist er ein Schurke, von anderem Kaliber indes, eine überzeichnete Figur namens Benjamin Chudnofsky. Der schwingt sich zum Herrn der Unterwelt von Los Angeles auf. Waltz spricht Deutsch, das mal ins Wienerische, mal ins Russische wegbricht. Das Wort "Respekt" hört sich aus seinem speichelvollen Mund an wie "Rispecht". Das ist seine Erfindung, und ganz sicher werden ihn demnächst viele kopieren: Zu unterhaltsam ist das Böse in seiner Auslegung.

"Meine Kanone hat zwei Läufe"

Chudnofsky ist einer, der sich zunächst unterschätzen lässt. Ein scheinbarer Schussel, der wartet, bis sein Gegenüber sich sicher wähnt, und dann zuschlägt. Waltz steigert diese Masche ins Absurde, in seiner ersten Szene schon. Da sitzt er vor einem Nachwuchs-Kriminellen in Gucci, er lässt sich von ihm minutenlang vorführen, er solle doch abdanken, er sei zu alt und langweilig, sagt der Neureiche.

Irgendwann entgegnet Waltz mit weiser Niedertracht: "Sie sagten, ich sei langweilig? Meine Kanone hat zwei Läufe. Das finde ich nicht langweilig." Und dann schießt er halt, es knallt schön und qualmt, ist ja ein Actionfilm. Und als er den körperwarmen, aber menschenleeren Raum mit irrem Waltzschen Grinsen verlässt, hat er "Terminator" zitiert, "Rambo" und "Inglourious Basterds" und in dem engen Rahmen, den man ihm setzte, Eigenes geschaffen, ohne Brimborium eine Karikatur gezeichnet. Waltz ist ein Markenzeichen.

Don Quijote und Sancho Pansa

Man fragt sich, was das für ein Film geworden wäre, hätte man Waltz mehr Platz eingeräumt. Stattdessen darf der 28-jährige Seth Rogen in der Hauptrolle den Erben eines Medienimperiums geben, der nachts als "Green Hornet" maskiert – als grüne Hornisse also – das Böse bekämpft. Dieser Britt Reid ist ein Hohlpfosten, der es nur deshalb zu Ansehen bringt, weil er einen genialen Tüftler an seiner Seite hat, seinen Kumpel Kato (Jay Chou).

Die Grundsituation taugt durchaus für vergnügliches Kino, man denke an Don Quijote und Sancho Pansa, außerdem spielt Cameron Diaz mit, als Reids Sekretärin. Aber Reid entwickelt sich nicht, er bleibt so doof, wie er ist, und dass Spezialeffekte und technische Gimmicks nur Laune machen, wenn man sie zielführend einsetzt, weiß man seit dem ersten James Bond.

Man hatte mit mehr gerechnet, als vor einigen Monaten bekannt wurde, dass der 47-jährige Franzose Michel Gondry die legendäre Geschichte, die in den 30er Jahren zunächst als Hörspiel und später als Comicreihe erfolgreich war, für die Leinwand umsetzen würde. Gondry ist ein Bastler und Spintisierer, er hat die poetische "Anleitung zum Träumen" mit Charlotte Gainsbourg gedreht, er kann verzaubern.

Zu spät eingestiegen

Und er hat "Abgedreht" gemacht, den hochkomischen Film, in dem zwei Freunde aus Versehen alle Bänder in ihrer Videothek löschen und die Filme sodann selbst neu drehen, um die Katastrophe geheim zu halten; "Ghostbusters" etwa. Da genügten Gondry Sätze wie dieser, um die Zuschauer auf seine Seite zu ziehen: "Ich bin Bill Murray, du bist alle anderen." Das Wort "Bingo" jedenfalls kommt im Frühwerk Gondrys nicht vor.

Vielleicht missglückte "Green Hornet", weil Gondry spät in seine erste Großproduktion eingestiegen ist. Die Entwicklung war in weiten Teilen abgeschlossen, die Darsteller hatten ihre Verträge unterschrieben. Man will Gondry das zugutehalten. Immerhin hat er sich bei der Besetzung des Bösen mit Waltz durchgesetzt. Ursprünglich sollte Nicolas Cage die Rolle spielen.


 
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