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Christoph Waltz
  Foto: AP, AP
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Golden Globe für "Inglourious Basterds": Christoph Waltz – der Oscar-Kandidat

VON PHILIPP HOLSTEIN - zuletzt aktualisiert: 19.01.2010 - 10:18

Düsseldorf (RP). Der Österreicher Christoph Waltz ist in Beverly Hills als bester Nebendarsteller ausgezeichnet worden. Der 53-Jährige beeindruckt in "Inglourious Basterds" von Quentin Tarantino. Auch andere Hollywood-Regisseure haben den Österreicher inzwischen verpflichtet. Mit seinem Golden Globe ist Waltz auch ein heißer Kandidat für den Oscar.

Wie nachdrücklich sich Christoph Waltz mit dieser Rolle in die erste Riege der internationalen Schauspieler gearbeitet hat, bewiesen die Reaktionen auf die Golden Globes. War doch zu erwarten, sagten viele über den Mann, der sich in der Kategorie "Bester Nebendarsteller" gegen die prominenten Kollegen Woody Harrelson und Matt Damon durchgesetzt hatte: Wer, wenn nicht er? Der 53-Jährige Österreicher wurde für seine Darstellung des SS-Offiziers Hans Landa in Quentin Tarantinos Weltkriegs-Farce "Inglourious Basterds" geehrt, und wer den Film gesehen hat, dürfte überzeugt sein, dass Waltz' Name auch in zwei Wochen fällt; dann werden die Nominierungen für die Oscars bekannt gegeben. Mit Waltz rechnet jeder.

Eigentlich schon zurückgezogen

Dabei hatte er sich schon zurückgezogen in die innere Emigration, ein blitzgescheiter und ungeheuer begabter, aber mit den Jahren zur Resignation neigender Kulturkritiker, der seine scharfen Invektiven gegen Fernsehen und deutschen Film in Wiener Schmäh verpackt. In wenigen Rolle seiner verschlungenen Biografie durfte der Sohn eines Bühnen- und Kostümbildner-Paares sein Potential abrufen. Höchstens am Anfang im Theater, bei Regisseuren wie August Everding und Jürgen Flimm. Oder zwischendurch einmal, in "Die Roy-Black-Story" von 1996 etwa und in "Tanz mit dem Teufel", wo er 2001 den Oetker-Entführer Dieter Zlof spielte. Große Momente im Fernsehen.

Tarantino erkannte das Genie

Doch dann, endlich, kam Tarantino, der Regisseur mit dem Blick für das Abwegige und die Abwesenden. Er erkannte das Genie des am Lee-Strasberg-Institut und am Reinhardt-Seminar ausgebildeten Darstellers. Waltz führt Tarantinos Juden-Jäger Hans Landa als charmanten und weltgewandten Dandy in Uniform ein, durch den einen oder anderen Bruch sieht man es schon dunkel drohen. Er bewegt ihn bis an eine imaginäre Klippe, und dann lässt er ihn in den Abgrund fallen, und man sieht ihn stürzen und gruselt sich und fühlt etwas Kaltes in der Herzgegend. Bald feuern die Maschinenpistolen. "Täter ist Tun, Opfer ist Sein", sagt Waltz, "und das Sein kann man nicht spielen, das Tun aber schon."

Bubenhaftigkeit ist nur ein Hinterhalt

Waltz, Vater von vier Kindern, lebt mit der Kostümbildnerin Judith Holste in London. Er spricht in Tarantinos Film vier Sprachen. Er tanzt oben auf dem Turm zu Babel, bis alles einstürzt. Die Bubenhaftigkeit des schiefen Gesichts ist nur ein Hinterhalt. Sprache ist nicht mehr Kommunikation, sondern Performance. Man mag kaum glauben, dass er nur sechs Wochen Zeit zur Vorbereitung dieser Aufgabe hatte. Er verdankt seiner Gesangsausbildung viel, denn der maliziöse Dialog, den er über 20 Minuten zu Beginn von "Inglourious Basterds" führt, mit dem er die Produktion an sich reißt, ist der prägnante Auftritt eines Musikers – der Teufel reitet auf einer zarten Melodie heran.

Ersatz für Nicolas Cage

Es gehört zur Ironie dieser Geschichte, dass Waltz Ende der 70er Jahre gesagt bekam, als Österreicher in Hollywood werde er für den Rest seines Lebens in Filmen durch den Hintergrund rennen und "Heil Hitler" rufen. Just einer solchen Rolle hat er nun weitere Angebote zu verdanken – in Hollywood beschäftigt er inzwischen einen Agenten. Eben drehte er "The Green Cornet" ab. In der Comic-Verfilmung ersetzte Regisseur Michel Gondry mit ihm den abgesprungenen Nicolas Cage. Und in "The Talking Cure" dreht er zurzeit mit Keira Knightley.

Waltz wirkte in Cannes, wo er im Sommer den Darstellerpreis gewann, noch wie ein Gast. Sonntagnacht in Beverly Hills sah er anders aus. "Ich habe intensiv daran gearbeitet, auch im Verlauf der letzten 20 Jahre mit zunehmendem Erfolg nicht deppert zu werden", sagte er in seiner verschobenen Grammatik. Vielleicht hat das kaum jemand verstanden. Aber alle lachten.

Quelle: RP

 
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