Oscar für besten Film und Regie: Clint Eastwood feiert Triumph
zuletzt aktualisiert: 28.02.2005 - 10:08Los Angeles (rpo). Clint Eastwood konnte mit seinem Box-Drama "Million Dollar Baby" bei der 77. Oscar-Verleihung abräumen. Der 74-Jährige feierte in Los Angeles den größten Triumph seiner Karriere. Er bekam den Oscar nicht nur in der wertvollsten Kategorie "bester Film 2004", sondern auch für seine Leistung als Regisseur. Die deutschen Filme gingen leer aus.
Tragische Figur der Zeremonie in der Nacht zum Montag wurde der Regisseur Martin Scorsese. Seine Kino-Biografie "Aviator" des Fliegers und Lebemanns Howard Hughes war eigentlich favorisiert gewesen. Doch auch im fünften Anlauf konnte sich Scorsese nicht unter die Preisträger einreihen. Eastwood hingegen wiederholte und steigerte sogar noch seinen Erfolg von 1992, als er mit "Erbarmungslos" siegte. Die Auszeichnung für seine Inszenierung von "Million Dollar Baby" macht Eastwood nebenbei zum ältesten Regisseur, der je einen Oscar gewann. Er bedankte sich bei seiner im Publikum anwesenden 96-jährigen Mutter für "ihre Gene" und kündigte an: "Ich habe noch eine ganze Menge vor". Scorsese hingegen kann sich einstweilen nur damit trösten, dass auch so legendäre Filmemacher wie Alfred Hitchcock und Robert Altman fünf Mal nominiert waren, aber immer den Kürzeren zogen.
Gleichfalls enttäuscht wurden die deutschen Hoffnungen: Weder das Nazi-Drama "Der Untergang" in der Kategorie "Fremdsprachiger Film" noch der vielgelobte Dokumentarstreifen "Die Geschichte vom weinenden Kamel" konnten sich gegen starke Konkurrenz durchsetzen. Neben Eastwood war seine Hauptdarstellerin Hilary Swank die andere große Gewinnerin der Oscar-Nacht. Denn Swank bekam abermals den Preis der besten Hauptdarstellerin, den sie schon vor fünf Jahren für "Boys Don't Cry" gewonnen hatte. Bei den männlichen Hauptdarstellern setzte sich der favorisierte Jamie Foxx durch, der in der Musiker-Biografie "Ray" den verstorbenen Ray Charles faszinierend ähnlich spielte und sang.
Spanien siegte bei "Fremdsprachigem Film"
Mit Morgan Freeman für seine Nebenrolle in "Million Dollar Baby" errang ein zweiter Schwarzer neben Foxx einen Oscar bei der erstmals von Chris Rock moderierten Preisvergabe der US-Filmakademie mit ihren rund 5.800 stimmberechtigten Mitgliedern. Mit insgesamt fünf Goldstatuetten war "Aviator" zwar quantitativ erfolgreicher als "Million Dollar Baby", der auf vier Auszeichnungen kam. Doch die Preise in den technischen Kategorien Kamera, Schnitt, Kostüme und Ausstattung zählen weniger als die allesamt besonders prestigeträchtigen Oscars für "Million Dollar Baby", der am 24. März in die deutschen Kinos kommt.
Immerhin konnte sich die australische Schauspielerin Cate Blanchett den Oscar für ihre "Aviator"-Nebenrolle als hinreißend dargestellte junge Katherine Hepburn gegen sehr beachtenswerte Konkurrentinnen wie Laura Linney und Virginia Madsen sichern. Der Preis für "Die Unglaublichen" als bester Animationsfilm war allgemein erwartet worden, zumal diese Produktion kommerziell außerordentlich erfolgreich war. Keine besondere Überraschung war auch, dass der Oscar für den besten fremdsprachigen Film an die spanische Tragödie "Das Meer in mir" ging. Alejandro Amenabars ergreifendes Meisterwerk um einen lebensmüden Querschnittsgelähmten kommt am 10. März in die deutschen Kinos.
Trotz der Dominanz der beiden Favoriten bei der diesjährigen Preisvergabe ließen die Mitglieder der US-Filmakademie auch den Kritikerliebling "Sideway" nicht leer ausgehen: Die kalifornische Weintrinker-Komödie bekam den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch, den sich Regisseur Alexander Payne und sein Ko-Autor Jim Taylor teilten. Etwas überraschend ist der Oscar für das beste Originaldrehbuch von "Vergiss mein nicht!", der gleich an drei Autoren ging und eine ebenso originelle wie verschachtelte Geschichte honorierte. Bereits seit längerer Zeit bekannt war der Oscar, den Regie-Veteran Sidney Lumet für sein Lebenswerk zugesprochen wurde.
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