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62. Filmfestspiele von Venedig: Clooney begeistert mit schwarz-weiß-Film

VON DÖRTE LANGWALD - zuletzt aktualisiert: 01.09.2005 - 19:04

Venedig (rpo). Mit dem Hubschrauber ließ sich Hollywood-Beau George Clooney von seiner Villa am Comer See nach Venedig einfliegen. Auf dem Festival stellte er seine zweite Regiearbeit "Good Night. And Good Luck" vor. Die Kritiker zeigten sich begeistert. Schon jetzt gilt Clooney als heißer Anwärter auf den Goldenen Löwen.

"Buongiorno" grüßte Frauenschwarm George Clooney fröhlich in die Runde. Für den Schauspieler war die Präsentation seines Festivalbeitrages ein Heimspiel, bewohnt er doch seit einigen Jahren ein Anwesen am Comer See. 2003 hatte Clooney zusammen mit Catherin Zeta-Jones die Komödie "Ein unmöglicher Härtefall" in Venedig vorgestellt. Jetzt kam er erneut in die Lagunenstadt, um sein zweites Regiewerk nach "Confessions of a Dangerous Mind" vorzustellen.

"Good Night. And Good Luck" handelt von dem US-Nachrichtenpionier Edward R. Murrow (David Strathairn), der sich in den 50er Jahren mit kritischen TV-Beiträgen gegen die Kommunistenjagd von Joseph McCarthy engagierte. Ein Film von aktueller Brisanz, wurde doch erst kürzlich in den USA die Journalistin Judith Miller verhaftet, als sie sich weigerte, einen Informanten preiszugeben. Clooney wies politische Ambitionen jedoch weit von sich: "Ich empfinde es zwar als einen Akt der Kriminalität, wenn eine Journalistin eingesperrt wird, weil sie ihren Informanten schützen will. Aber mit meinem Film will ich mich nicht gegen die momentanen Zustände in den USA aussprechen. Der Film ist kein Protest, sondern ist eine Erinnerung an ein vergangenes Ereignis", sagte er.

Nachdem der Eröffnungsfilm des Filmfests, das asiatische Martial-Arts-Spektakel "Seven Swords" von der internationalen Kritik sehr zwiespältig aufgenommen wurde, zeigten sich die Pressevertreter bei Clooneys Werk einhellig begeistert. Der Film, komplett in schwarz-weiß gedreht, verzichtet gänzlich auf effektheischende Dramatisierungen. Das ruhige Erzähltempo und die zahlreichen Archivbilder von McCarthy und seinen hetzerischen Kommunisten-Verhören vermitteln vielmehr ein dokumentarisches Flair. Exzellent sind auch die Darsteller, vor allem David Strathairn (spielte einst Tom Cruise’s Bruder in "Die Firma"), der in der Rolle des Nachrichtenmanns Murrow mit kühler Eleganz brilliert.

George Clooney übernahm in seinem eigenen Film die Rolle des Redaktionsleiters. Auch in seinem Regiedebüt "Confessions of a Dangerous Mind" hatte der 44-Jährige sich selbst inszeniert – wenn auch ihm es ihm keinen großen Spaß bereite, bei sich selbst Regie zu führen, wie Clooney erklärte: "Als Schauspieler kann ich schlecht zu mir selber sagen 'Hey,mir gefällt deine Inszenierung'. Seine Fähigkeiten als Regisseur spielte der Star herunter. Bereits bei seinem Erstlingswerk habe er einfach nur bei anderen Regisseuren geklaut. "Nach 'Confessions of a Dangerous Mind' habe ich Briefe an Mike Nichols und Sidney Lumet geschrieben. Ich musste mich bei ihnen entschuldigen, dass ich so viele Einstellungen von ihnen geklaut hatte", so Clooney. Für "Good Night. And Good Luck" habe er sich hingegen an verschiedenen Dokumentarfilmern orientiert. Was die Führung seines Schauspiel-Ensembles (u.a. Robert Downey Jr., Patricia Clarkson und Jeff Daniels) betrifft, habe er sich entspannt zurücklehnen können, sagte er. "Wenn man die richtigen Leute besetzt, braucht man als Regisseur nichts mehr viel zu machen."

Archivaufnahmen von Joseph McCarthy

Joseph McCarthy ist die einzige reale Person im Film, die nicht von einem Schauspieler porträtiert wird, sondern anhand von Archivaufnahmen selbst zu Wort kommt. Clooney dazu: "Mir fiel einfach niemand ein, der diesen Mann besser hätte spielen können, als McCarthy selbst. Außerdem wollte ich ihn für sich selbst sprechen lassen. In letzter Zeit melden sich Leute zu Wort, die behaupten, McCarthy habe mit seiner Kommunistenverfolgung Recht gehabt. Wenn ich ihn von einem Schauspieler hätte darstellen lassen, hätte man mir möglicherweise vorgeworfen, dass ich parteiisch bin", erklärte er.

Dem politischen Tenor seines Films zum Trotz - Clooney will künftig auch wieder Unterhaltungsfilme drehen. "Es macht großen Spaß, an einem Film beteiligt zu sein, der politische Debatten entfacht. Aber ich bin kein cineastischer Snob – ich mag ebenso witzige Filme wie 'Oceans’ Eleven'", sagte er. Apropos: "Oceans’ Eleven"-Regisseur und Clooney-Kumpel Steven Soderbergh wird in den kommenden Tagen ebenfalls sein neuestes Werk auf dem Filmfest vorgestellt. "Bubbles" heißt die Low-Budget-Produktion, die erstmalig in den USA zeitgleich im Kino, auf DVD und im Kabelfernsehen starten soll.


 
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