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"Burn after Reading": Clooney in der Welt der Deppen

VON PETER BEDDIES - zuletzt aktualisiert: 28.08.2008 - 11:16

Venedig (RP). Die Coen-Brueder haben am Mittwoch mit ihrem neuen Film "Burn after Reading" das 65. Filmfestival von Venedig eröffnet: Eine köstliche, skurrile und selbstironische Filmsatire mit den Großen aus Hollywood - neben Clooney noch Brad Pitt und John Malkovich.

Schon viele komische Typen habe er gespielt, sagte Brad Pitt in Venedig beim Festival-Auftakt. Aber - Hand aufs Herz - so einen Idioten definitiv noch nie! Damit dürfte er zwar recht haben, allerdings muss man auch sagen, dass die Coen-Brüder in ihrem neuen Film „Burn after Reading“ nicht gar so unfair mit Brad Pitt waren.

Denn es ist allgemein gewöhnungsbedürftig, diesem Trainer namens Chad Feldheimer in einem Fitness-Studio zuzusehen, wie er Leidenswillige quält, dabei ständig Musik hört und dazu irgendwelche Tanzschritte macht, die man aber leider nicht nachvollziehen kann, weil Chad Kopfhörer trägt.

Typisch Coen-Brueder („No Country for Old Men“, „Fargo“), herrlich skurril. Wenn man verdaut hat, dass man wirklich dem Lebensgefährten von Angelina Jolie zuschaut und den Blick etwasschweifen lässt, muss der Zuschauer bald feststellen, dass Pitt nicht sonderlich auffällt - weil die Coens etwas getan haben, womit man bei den Oscarpreisträgern rechnen muss: Sie haben uns mächtig überrascht.

Ansammlung von Volldeppen

So findet man in ihrem jüngsten Film die größte Ansammlung von Volldeppen. Oder wie es der zweite Hauptdarsteller George Clooney in Venedig trefflich auf den Punkt brachte: „Alles Idioten hier!“ Damit meinte er natürlich in erster Linie die Schauspieler der Satire „Burn after Reading“, also: „Nach Lesen vernichten“.

Ob nun John Malkovich, der als gefeuerter CIA-Agent seine Memoiren schreibt, oder seine Gattin Tilda Swinton, die eine CD mit diesem brisanten Material verliert, oder Frances McDormand, die das Material gemeinsam mit Brad Pitt findet und nun versucht, John Malkovich zu erpressen. Oder oder oder. Egal, wen man nimmt, alle zeichnen sich durch größtmögliche Inkompetenz aus. Sehr lustig anzusehen. Und ab dem 2. Oktober darf sich auch der deutsche Kinozuschauer davon überzeugen.

George Clooney hatte am Mittwoch aber noch einen weiteren Grund, von Idioten zu sprechen und dabei die zahlreich anwesenden Medienvertreter mit einzuschließen. Denn was bekam der Hollywoodstar, der nun wirklich nicht schnell seine guten Manieren verliert, als erste Frage gestellt? Ob er nicht langsam daran denke, zu heiraten. „Jawohl, gleich hier und heute und am liebsten Brad - ach so: und den Zwillingen geht es übrigens gut!“

Man darf gespannt sein

Diese Frage war zwar an Brad Pitt gerichtet, der aber zog es vor, seinen hellen Sommerhut noch tiefer in die Stirn zu ziehen, seinem Kumpel George zuzuprosten und ihm die galligen Scherze zu überlassen. Am Ende der Pressekonferenz überraschte Brad Pitt noch mit einem Geständnis: „Im nächsten Jahr werden noch zwei Kinder bekommen.“ Ob das nun als Scherz gemeint war oder nicht, ließ Brad Pitt offen, tippte mit dem Zeigefinger an seinen Hut und verschwand samt Gefolge.

Nach der gestrigen Eröffnung ist der Tross weiter gezogen nach Toronto. Auf dem dortigen Festival erlebt der Film seine Premiere auf dem amerikanischen Kontinent. Man darf gespannt sein, ob die Amerikaner bereit sind, so über sich und ihre eigene Unfähigkeit zu lachen. Das Publikum in Venedig jedenfalls war hingerissen von der flotten Inszenierung, den exzellenten Schauspielerleistungen und dem bösen Humor, der den gesamten Film tränkt - im Grunde wie frühere Coens-Werke das Blut.

Hollywood macht sich rar

Das Internationale Filmfestival von Toronto, so neueste Branchengerüchte, wird früher oder später dem ehrwürdigen Festival in der Lagunenstadt den Rang ablaufen. Schon in diesem Jahr ist deutlich zu merken, dass sich Hollywood rar macht hier in Venedig. Und das kanadische Festival hat, so sieht es zu Beginn jedenfalls aus, in diesem Jahr das bessere Programm.

Möglicherweise aber kümmert sich Venedig künftig wieder mehr um das engagierte Kino, das Arthouse-Cinema. Heute Abend schlägt die Stunde für Christian Petzold. Sein neuer Film „Jerichow“ über einen Soldaten, den es nach seinem Einsatz in Afghanistan in die Prignitz in Brandenburg verschlägt, feiert Premiere in Venedig. Petzold hat Bilder wie aus einem Western versprochen. Vielleicht ist das schon die erste Überraschung des 65. Filmfestivals von Venedig.


 
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