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US-Bürgerkriegsdrama eröffnet Filmfestspiele: "Cold Mountain": Kein glamouröser Auftakt für 54. Berlinale

VON DÖRTE LANGWALD - zuletzt aktualisiert: 06.02.2004 - 08:37
Berlin (rpo). Regisseur Anthony Minghella ("Der talentierte Mr. Ripley") erschien ohne seine Hauptdarsteller Nicole Kidmann und Jude Law an der Spree. Da die großen Stars verhindert waren, rührte Minghella die Werbetrommel für sein romantisches Südstaatenepos eifrig im Alleingang.

"Sie sind untröstlich, heute nicht hier sein zu können. Jude steckt mitten in Dreharbeiten, Nicole musste wegen familiärer Probleme nach Australien reisen, und auch Renée Zellweger dreht gerade "Bridget Jones 2"", entschuldigte Minghella seine Schauspieler.

Schade, trotz des hochkarätig besetzten Eröffnungsfilms also kein glamouröser Auftakt für die 54. Berlinale. "Cold Mountain"-Produzent Harvey Weinstein scherzhaft zu den sichtlich enttäuschten Journalisten: "Wenn ich es schon nicht schaffe, die drei hierher zu bekommen, dann haben sie wirklich keine Zeit".

Trost für alle Promi-Fans: In den kommenden zehn Tagen werden neben der hochschwangeren Cate Blanchet auch Jack Nicholson, Juliette Binoche, Tim Roth sowie viele weitere Hollywood-Akteure rund um den Potsdamer Platz erwartet. Den erlesenen Juroren, angeführt von Frances MacDormand ("Fargo") ist die anwesende Star-Power eh egal. Für sie stehen einzig die vorgestellten Filme im Vordergrund, 23 an der Zahl. Auch zwei deutsche Wettbewerbsbeiträge gehen ins Rennen um den Goldenen Bären: "Gegen die Wand" von Fatih Akin ("Solino") und die Komödie "Die Nacht singt ihre Lieder" von Romuald Karmakar ("Der Totmacher").

Frauendrama "Monster" zählt zu Favoriten

Ebenfalls in der Bären-Konkurrenz: "Before Sunset" mit Ethan Hawkes und der Sci-Fi-Thriller "The Final Cut" mit Robin Williams. Zu den großen Favoriten zählt das Frauendrama "Monster", für das Hauptdarstellerin Charlize Theron (kommt am Wochenende nach Berlin) vor wenigen Wochen bereits einen Golden Globe erhielt.

Am 15.2. wird sich dann bei der offiziellen Preisvergabe zeigen, wie sich der Auftaktfilm "Cold Mountain" gegen seine starken Mitstreiter beweisen konnte. Der aufwendig inszenierte Historienstreifen um Liebe und Leid im North Carolina der 1860er Jahre wurde von der Kritik nicht nur mit Lob bedacht. Die Story: Pastorentochter Ada (Kidman) verliebt sich kurz vor Ausbruch des Bürgerkrieges in Handwerker Inman (Law).

Beinahe ohne Worte, doch mit wissend-liebevollen Blicken kommen sich die Kultivierte und der Geselle näher. Als Inman ebenso wie alle Männer aus Cold Mountain zwangsrekrutiert wird, schwört Ada, auf ihn zu warten. Kurz darauf stirbt jedoch ihr Vater, und die unerfahrene Südstaatenschönheit steuert mittellos auf den Ruin zu. Raubein Ruby (herrlich derb und kauzig: Zellweger), eine bärbeißige Einzelkämpferin, greift Ada unter die zarten Arme.

Gemeinsam kämpfen sich die ungleichen Frauen durch die entbehrungsreichen Jahre der Kriegswirren. Obwohl ihre Briefe an Inman unbeantwortet bleiben, gibt Ada nie die Hoffnung auf seine Rückkehr auf. Dass ihr Geliebter währenddessen an der Front die brutale Realität des Soldatenlebens erleidet, kann Ada nur erahnen. Was sie nicht weiß: Inman desertiert nach drei Jahren und macht sich auf die lange Reise zurück nach Cold Mountain - angetrieben von der Sehnsucht nach Ada und den prächtigen Bergen seiner Heimat.

Ein einfühlsames Händchen für tragische Romanzen

Bereits mit "Der englische Patient" hatte Anthony Minghella einst bewiesen, dass er für tragische Romanzen ein einfühlsames Händchen hat. Allerdings beteuerte der Brite in der Pressekonferenz: "Ich suche mir nicht absichtlich problembeladene Beziehungen als Stoff für meine Filme aus. Im Falle von "Cold Mountain" habe ich mich einfach in die Romanvorlage verliebt, besonders die wunderbare Freundschaft zwischen Ada und Ruby faszinierte mich. Zudem wollte ich die Geschichte dieses grauenhaften Krieges erzählen. Auch 150 Jahre später sind die Wunden noch nicht ganz verheilt".

Etwas übel nahm man dem Regisseur in den USA, dass der Film nicht an Originalschauplätzen, sondern in Rumänien gedreht wurde. Dazu Miramax-Boss Harvey Weinstein: "Aus Budgetgründen war es bereits schwierig genug, dieses Projekt zu realisieren. Das unberührte Cold Mountain des 19. Jahrhunderts existiert nicht mehr. In Transsylvanien fanden wir jedoch eine sehr reizvolle Naturkulisse, die uns 30 Millionen Dollar ersparte. Dass der Film deshalb angegriffen wird, ist unfair".

Kritiker bemängelten zudem, dass die Besetzung mit Nicole Kidman keine glückliche Wahl gewesen sei. Zu wenig nehme man ihr die zunächst unschuldige Southern Belle ab, zu gestylt wirke sie später in den Armutsjahren des Krieges. Ein US-Journalist lästerte: "Egal, wie sehr der Krieg auch tobte, Frau Kidman schien dennoch stets einen geheimen Gap-Shop um die Ecke gefunden zu haben".

Waren die teils wenig wohlwollenden Stimmen gar mit ein Grund, weshalb die Hauptdarsteller nicht zum Pressetermin in Berlin erschienen waren? Man weiß es nicht. Es könnte auch sein, dass sich die Stars mental bereits auf einen wichtigen Termin am 9.2. in LA vorbereiten. Dann findet nämlich das traditionelle Oscar-Dinner statt - ultimative Werbebühne für die prestigeträchtige Verleihung am 29.2.

Von Dörte Langwald

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Anthony Minghella musste seinen Film "Cold Mountain" ohne seine Stars vorstellen. Foto: RPO

 
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