Oscar-Verleihung 2004: Comeback für Glanz und Glamour bei Oscars
zuletzt aktualisiert: 01.03.2004 - 17:55Frankfurt/Los Angeles (rpo). "And the Oscar goes to ...." - was danach folgte, war keine Überraschung bei der 76. Oscar-Verleihung in Los Angeles. Eine Ausnahme gab es allerdings: Ein erstens anwesender und zweitens gerührter Sean Penn. Außerdem sorgte der Rollstuhl-Stunt des 81-jährigen Blake Edwards für Furore. Vor dem großen Ereignis feierten Glanz und Glamour ein Comeback: Wegen des Irak-Kriegs war das Schaulaufen der Stars im vergangenen Jahr ausgefallen.
Am Sonntagabend wurden vor dem Kodak Theatre wieder Designerroben sowie superteure Schmuck- und Schuhkreationen vorgeführt. Fast alle Frauen trugen die edlen Stoffe hauteng. Charlize Theron schmeichelte ihrer gebräunten Haut mit einem von Tom Ford entworfenen Gucci-Glitzerkleid, Renée Zellweger war in einer weißen Carolina-Herrera-Kreation mit großer weißer Schleife am Rücken verpackt, Nicole Kidman trug ein pastell-grünes Seidenkleid von Chanel, Julia Roberts ein bronzefarbenes von Giorgio Armani. Knallrotes hatte Donatella Versace Catherine Zeta-Jones auf den Leib geschneidert.
Auch die Männer hatten sich aufstylen lassen. Johnny Depp erschien ohne Hut und mit neuer Fransenfrisur. Clint Eastwood hatte seine hellgrauen Haare in Richtung Taubenblau nachdunkeln lassen.
Als Begleiterinnen waren diesmal Mütter angesagt. Der 73-jährige Clint Eastwood brachte seine Mutter Ruth als Glücksbringer mit: Als er 1993 den Regie-Oscar für "Unforgiven" bekam, war sie auch dabei. Für seinen Film "Mystic River" gab es zwei Oscars: Sean Penn und Tim Robbins wurden zu den besten Schauspieler des Jahres gekürt.
Die ebenfalls für "Mystic River" nominierte, hochschwangere Marcia Gay Harden - sie erwartet Zwillinge - ließ sich von ihrer Mutter und zwei Schwestern begleiten. Charlize Theron brachte ihre Mutter Gerta mit und dankte ihr mit Tränen in den Augen und dem Oscar in den Händen für die Opfer, die sie für ihre Karriere gebracht habe. Jude Law verriet ProSieben-Reporterin Anke Engelke auf dem roten Teppich, er habe gerade mit seiner Mutter Champagner getrunken.
Sean Penn über Massenvernichtungswaffen
Sofia Coppola zeigte sich gerührt darüber, dass sie vor den Augen ihres Vaters Francis Ford Coppola, ihrer Mutter, ihres Bruders Roman und ihres Cousins Nicholas Cage den Oscar in Empfang nahm. Hauptdarsteller Bill Murray habe sie zum Schreiben des Drehbuchs inspiriert, sagte die Regisseurin und Autorin von "Lost in Translation".
Sean Penn wird nachgesagt, dem Oscar-Trubel kritisch gegenüber zu stehen. Umso größer war die Überraschung, als er zum ersten Mal erschien und sichtlich gerührt auf die Standing Ovations des Publikums reagierte. Nach Meinung vieler Kollegen hatte er den Oscar längst verdient; er war nominiert für "Dead Man Walking", "Sweet and Lowdown" und "I am Sam". Hinter den Kulissen erklärte er, ihm bereite die Menschenansammlung Probleme.
In seiner Dankesrede konnte sich der erklärte Gegner des Irak-Kriegs - sein Freund Tim Robbins trug nur ein Peace-Zeichen am Revers - einen politischen Seitenhieb nicht verkneifen. Penn sagte, wenn es etwas gebe, was Schauspieler sicher wüssten, sei es - abgesehen von der Tatsache, dass keine Massenvernichtungswaffen in Irak gegeben habe - die Gewissheit, dass es keine besten Schauspieler gebe. Seiner Ehefrau und Kollegin Robin Wright Penn dankte er für eine "nie zu Ende gehende emotionale Inspiration".
Die Aufregung um die Janet-Jackson-Enthüllung beim Football-Superbowl inspirierte die Komiker Billy Crystal und Robin Williams zu optischen Gags. Der 81-jährige Regisseur Blake Edwards sagte bei seiner Dankesrede für den Ehren-Oscar, er könne die Aufregung nicht verstehen. Seine Frau Julie Andrews habe schon 1981 beide Brüste enthüllt. Edwards überraschte das Publikum mit einer rasanten Fahrt im Rollstuhl, mit dem er eine Pappmauer durchbrach und danach zur Verblüffung des Publikums lachend zurückkehrte.
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