Erstmals Szenen gezeigt: "Das Parfum"-Verfilmung riecht nach Erfolg
zuletzt aktualisiert: 30.11.2005 - 14:12Essen (rpo). Wenn ein Star-Regisseur wie Tom Tykwer einen der größten deutschen Bestseller verfilmt und das ganze auch noch von Star-Produzent Bernd Eichinger finanziert wird, kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Nun wurden bei einer Preisverleihung die ersten, verheißungsvollen Filmszenen aus "Das Parfum" gezeigt.
Produzent Bernd Eichinger und Regisseur Tom Tykwer haben erstmals Einblick in die Verfilmung des Romans "Das Parfum" gegeben, der gegenwärtig in der Schlussbearbeitung ist. Bei der Verleihung der Jahresfilmprogramm-Prämien für Kinobetreiber durch die Filmstiftung Nordrhein-Westfalen zeigten sie am Dienstagabend in Essen erstmals kurze Szenen aus dem Film nach dem Erfolgsroman von Patrick Süskind. Eichinger bezeichnete Tykwer als "gnadenlos begabt und arbeitswütig". Der Regisseur erhielt den Strate-Preis der Filmstiftung.
Der gebürtige Wuppertaler Tom Tykwer ist nach Sönke Wortmann der zweite Preisträger der mit 20.000 Euro dotierten Auszeichnung, die an den 2004 verstorbenen Kinobetreiber Herbert Strate erinnert. Eichinger beschrieb Tykwer in seiner Laudatio mit einer vieldeutigen Metapher. Der Regisseur sei manchmal auch ein Monster und eine Schmusekatze, sagte der Produzent. Man könne nie wissen, "mit welchen Krallen er schlägt".
Für "Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders" wurden laut Eichinger Filmmaterial für fast 30 Stunden gedreht. Vorbereitung und Dreharbeiten dauerten drei Jahre. Das Budget beträgt 50 Millionen Euro, aufwendig war unter anderem die Beschäftigung eines ganzen Heers von Statisten. Erzählt wird die Geschichte des Außenseiters Grenouille, gespielt von dem Briten Ben Whishaw, der im 18. Jahrhundert ein besonderes Parfum kreieren will, um trotz seiner Hässlichkeit Liebe und Macht zu gewinnen. Um die Essenzen zu gewinnen, tötet Grenouille 25 schöne Mädchen und destilliert ihre Körpergerüche. Das Parfum wird ein Erfolg. Der Filmausschnitt zeigte Grausamkeit und Gefühlskälte der damaligen Gesellschaft.
Peter Lohmeyer singt
Schauspieler Peter Lohmeyer demonstrierte am Dienstagabend auch seine Qualitäten als Sänger. Mit der Band "Hotel Rex" gab der Pfarrerssohn aus dem Ruhrgebiet vier Songs zum Besten. Heike Makatsch, die von einer Kostümprobe für ihren neuen Film "Schwesterherz" kam, verriet nichts über den Inhalt und begnügte sich damit, rote Rosen an die ausgezeichneten Filmkino-Betreiber zu überreichen, die sich insgesamt über 449.500 Euro freuen konnten.
Der Geschäftsführer der Filmstiftung NRW, Michael Schmid-Ospach, sprach in der Essener "Lichtburg" auch die Sorgen der Branche an: "Es war ein verrücktes Kinojahr 2005. Die Amerikaner haben mit ihren Streifen versagt, und die Franzosen und Briten sind deutlich weniger in die Kinos gegangen."
Auch die deutschen Kinos kämpfen ums Überleben. Nahezu alle Häuser klagen über ausbleibende Besucher. Im ersten Halbjahr 2005 kamen 17 Prozent weniger Zuschauer, und im dritten Quartal ging der Besuch gegenüber dem Vorjahr sogar um 25 Prozent zurück. Im nächsten Jahr soll alles anders werden. Schauspieler, Produzenten und Kinobetreiber setzen dabei auch auf den deutschen Film als Kinomagneten und auf die kleinen Programm-Kinos "mit Wohlfühl-Atmosphäre".
Der Schauspieler Heino Ferch, gerade erst in dem Sat1-Zweiteiler "Die Luftbrücke" zu sehen, erzählte in Essen von seinem neuesten Film "Ghetto", der 1941 im jüdischen Ghetto der litauischen Stadt Vilnius spielt. Der Streifen, der Mitte März nächsten Jahres in die Kinos kommt, handelt von Gauklern und Musikern, die im wahrsten Sinn des Wortes um ihr Leben spielen. Ferch spielt darin einen Nazi-Offizier mit Sinn für Kunst, der sich zum Herrn über Leben und Tod der Juden aufspielt. Der Film basiert auf dem weltweit erfolgreichen Theaterstück von Jeshua Sobol.
Auch Götz George präsentierte Szenen aus seinem neuesten Film "Maria an Callas", der im April 2006 in den Kinos startet. Der Schauspieler erinnerte lieber an die Premieren der Karl-May-Filme in der Essener "Lichtburg". Auf die Frage von Moderator Schmid-Ospach, ob er mal beim Anschauen eines Films geweint habe, antwortete George lachend: "Klar hab ich geweint. Über meine eigenen Filme, die waren so fürchterlich." Claudia Michelsen, die in "Maria an Callas" Georges Partnerin spielt, bekannte, sie habe über den Märchenfilm "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" Tränen vergossen.
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