Oscar-Nacht ist schillernste Modenschau der Welt: Das perfekte Outfit zählt
zuletzt aktualisiert: 21.02.2005 - 08:59München (rpo). Als eine "reine Modenschau" hatte Oscar-Moderator Chris Rock die Verleihung des Filmpreises bezeichnet und sorgte damit bereits im Vorfeld der 77. Oscar-Nacht für Furore. Zwar mag diese Aussage recht provokant sein, doch sie enthält auch die Wahrheit. Schließlich gilt der roten Teppich vor dem Kodak-Theater als wichtigester Laufsteg der Welt.
An kaum einem anderen Ort wird so viel Wert auf das perfekte Outfit gelegt. Millionen Menschen verfolgen die glanzvolle Gala und fest steht: Ohne Oscar wieder nach Hause zu fahren, ist bei weitem nicht so schlimm wie eine echter Modefehlgriff. Die US-Kritiker sind gnadenlos. Der Fernsehsender ABC, der die Gala überträgt, verspricht in diesem Jahr sogar: "Wir liefern zu jeder Modesünde den fiesesten Kommentar." Eine Umfrage im Auftrag von ABC hatte ergeben, dass die Mehrheit der Zuschauer nur einschaltet, um die Kleider der Stars unter die Lupe zu nehmen.
Auch ein kurzer Blick auf die offizielle Oscar-Homepage spricht für sich: Der Link "Style" ist prominenter platziert als etwa die Informationen zur diesjährigen Zeremonie und bietet eine umfangreiche Dokumentation zum Thema: "Wer trug was?"
Kein Wunder also, dass sich die internationalen Top-Designer darum reißen, einen Hollywoodstar in der Oscar-Nacht einzukleiden. Auch die Juweliere hängen ihnen bereitwillig die edelsten Steine um den Hals. Viele Firmen haben längst Büros in Los Angeles eingerichtet, die sich um die Stars kümmern. Kurz vor dem Oscar-Abend sind die Chefdesigner oft für ein letztes "Fitting" persönlich vor Ort. Bezahlen müssen die Hollywoodgrößen ihre edlen Roben natürlich nicht.
Was die Damen am Oscar-Abend tatsächlich tragen, entscheiden sie oft erst in der letzten Minute. Sie - oder ihre Stylisten - bestellen meist mehrere Modelle. Kim Basinger machte es 1997 besonders spannend: Im letzten Moment wählte sie ein anderes Modell von Escada aus, und das deutsche Modehaus musste das neue Kleid über Nacht nähen. Die Mühe zahlte sich dann aber doppelt aus: Basinger bekam in ihrem hellgrünen Abendkleid den Oscar für "L.A. Confidential" - und Escada die perfekte PR.
Das Hollywood-Geschäft habe die Schauspielerinnen "auch sehr verwöhnt", sagte der italienische Modeschöpfer Giorgio Armani einst dem "Spiegel". Er würde sich für eine Film-Diva nicht verbiegen, stellte der Meister der schlichten Eleganz klar. "Sie entscheiden sich für meinen Stil oder einen anderen." Julia Roberts entschied sich im vergangenen Jahr für Armani und strahlte in einem bronzefarbenen Satinkleid des Top-Designers in die Kameras.
"Ein Oscar-Kleid muss in Erinnerung bleiben", erklärte Escada-Chef Wolfgang Ley einmal der "Elle". Bestes Beispiel ist Charlize Theron: Sie gewann im letzten Jahr nicht nur den Oscar als beste Hauptdarstellerin, sondern machte auch in ihrem hellen, glitzernden Gucci-Kleid mit endlosem Rückenausschnitt eine perfekte Figur. Auch Julia Roberts' schwarze Valentino-Robe mit weißem Träger, in der sie 2001 überglücklich ihren Oscar entgegennahm, sorgte allgemein für Entzücken. Das hellblaue Seidenkleid, das Grace Kelly 1955 bei der Oscar-Verleihung trug, wird bis heute als eines der Schönsten gefeiert.
In Erinnerung bleiben aber leider eben auch die Modesünden. Als Sängerin Björk 2001 in einem schrägen Tüllkleidchen mit Schwanenkopf erschien, stöhnten die Modeexperten entsetzt auf. Gywneth Paltrow sorgte bei der Oscar-Gala vor drei Jahren mit einem durchsichtigen Kleid des britischen Designers Alexander McQueen und finster geschminkten Augen für Aufregung. "Gwyneth, trag' bitte wieder BH", flehte eine US-Zeitung.
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