"The Social Network": David Fincher hat Leben von Facebook-Gründer verfilmt
zuletzt aktualisiert: 02.10.2010 - 10:34Berlin (RPO). Kann ein junger Mann mit 500 Millionen Freunden ein Ekel sein? Die Antwort fällt am Ende von "The Social Network" über den Aufstieg von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ambivalent aus. Regisseur David Fincher ("Fight Club") erzählt vordergründig die Entstehungsgeschichte einer Internetseite, die ihren Erfinder zum jüngsten Milliardär aller Zeiten werden ließ.
Dahinter versteckt sich ein zwischenmenschliches Drama um Freundschaft und Verrat, Loyalität und Visionen. Die Filmemacher haben dabei Mut bewiesen: Drehbuchautor Aaron Sorkin ("The West Wing") hat Zuckerberg nie getroffen, dennoch tragen alle Figuren die Namen ihrer realen Vorbilder.
Herausgekommen ist ein Thriller, der um ein Paradox kreist: Wie gelang es einem Typen, den nicht einmal seine Freundin ausstehen konnte, die größte Freundebörse der Geschichte zu erfinden?
Der Aufstieg des 19-jährigen Zuckerberg (Jesse Eisenberg) beginnt mit einer Abfuhr durch seine genervte Freundin. Der arrogante Student der Eliteuniversität Harvard kippt daraufhin ein paar Biere, schreibt ätzende Blog-Einträge über die BH-Größe seiner Ex und bastelt binnen weniger Stunden eine Internetseite, auf der Kommilitoninnen nach ihrer Attraktivität bewertet werden können. Unter dem Ansturm der Nutzer bricht in dieser Herbstnacht des Jahres 2003 der Harvard-Server zusammen.
Die Aktion bringt den begabten Programmierer auf die Idee für die Seite Thefacebook, auf der sich Studenten über ihr Leben mit Freunden austauschen können. Auf Rat seines Mentors, des Napster-Mitbegründers Sean Parker (Justin Timberlake), verkürzt Zuckerberg den Namen seines Produkts und hebt es auf die globale Ebene. Heute schätzt das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" das Vermögen des 26-Jährigen auf 6,9 Milliarden US-Dollar (5,1 Milliarden Euro). Im Juli knackte Facebook die Marke von einer halben Milliarde Mitglieder.
Die dunkle Seite des Erfolgs verfolgt Fincher in einem Nebenstrang. Facebooks erster Geldgeber Eduardo Saverin (Andrew Garfield) hatte Zuckerberg verklagt, nachdem er von seinem ehemals besten Freund und Parker aus dem Unternehmen gedrängt worden war.
Statt einer Klage gegen seine nicht gerade schmeichelhafte Darstellung reagierte Zuckerberg kurz vor dem Filmstart mit einer Charmeoffensive und spendete 100 Millionen Dollar für das Schulsystem im Bezirk Newark in New Jersey. Finchers Drama bezeichnete das Computer-Wunderkind als Fiktion. Eine Einschätzung, der der Regisseur durchaus zustimmt. Er versteht die Entstehungsgeschichte von Facebook als Sinnbild für die Begeisterungsfähigkeit der Jugend, die von monetären Interessen korrumpiert wird und als Parabel auf die vergangenen sieben Jahre, in denen das Privatleben zunehmend ins Web verlagert wurde.
"The Social Network" wirft einen interessanten Blick auf das Verhältnis von Erfolg und Anstand: Wäre Zuckerberg seinen weniger visionären Freund Eduardo nicht losgeworden, wäre Facebook mit Sicherheit nicht der globale Erfolg von heute. Doch darf der klügste Mann im Zimmer alle anderen wie Idioten behandeln?
Dennoch bleibt ein fader Nachgeschmack, wenn die Lebensgeschichte eines 26-Jährigen ohne dessen Zustimmung in Unterhaltung verwandelt wird. Diese Entwicklung hat Facebook aber selbst befördert, seitdem private Informationen seiner Nutzer für jedermann einsehbar sind und Teenager mit einem falschen Mausklick versehentlich Zehntausende Fremde zu ihrer Geburtstagsfeier einladen. Privatsphäre sei nicht länger die soziale Norm unserer Zeit, hatte Zuckerberg Anfang des Jahres gesagt.
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