Farce "Whisky mit Wodka" von Andreas Dresen: Der Charme des Henry Hübchen
VON PETER STEINHART - zuletzt aktualisiert: 03.09.2009 - 12:09(RP). Filme über das Filmemachen erfordern besondere Kunstfertigkeit, wenn sie sich auf Dreharbeiten konzentrieren. Dann arbeiten stets zwei Filmteams am Drehort: das eine, das die Aufnahmearbeiten für einen Film-im-Film darstellt, und das andere, das diese Darstellung aufnimmt.
Die Komödie "Whisky mit Wodka" läuft ab dem 3. September in deutschen Kinos.
Darsteller: Henry Hübchen, Corinna Harfouch, Sylvester Groth
Regie: Andreas Dresen
Laufzeit: 104 Minuten
Altersfreigabe: ab 12
Sie müssen sorgfältig voneinander abgegrenzt bleiben, damit die behauptete Trennung zwischen Realität und Kulissenzauber in jedem Detail stimmig wirkt. Erst dann können die Verwirrungen zwischen Rollenspiel und Realitätsverlust, zwischen Schein und Wirklichkeit funktionieren, die zu diesem Genre gehören.
Amüsant wie Sommer vorm Balkon
Wolfgang Kohlhaase, der Drehbuchautor, und Andreas Dresen, der Regisseur, vertrauen einander seit ihrer viel bewunderten Zusammenarbeit für "Sommer vorm Balkon" (2006) so sehr, dass sie den Schwierigkeitsgrad für "Whisky mit Wodka" noch eine Latte höher legten: Weil ein alternder Star wegen seiner Trinkfreudigkeit die Dreharbeiten gefährdet, werden alle seine Szenen mit einem anderen, zuverlässigen Schauspieler ein zweites Mal gedreht.
Mit dieser brutalen Doppelbesetzung wurde der Hauptdarsteller einer DDR-Produktion in den 1950er Jahren diszipliniert, und Wolfgang Kohlhaase hat diese Anekdote zu einer Tragikomödie ausgesponnen, die in ihrem Schwung und ihrem melancholischen Charme dem "Sommer vorm Balkon" nicht nachsteht. Andreas Dresen bringt durch seine bedächtige, jeden hektischen Klamauk vermeidende Inszenierung Kohlhaases pointensicher zugespitzte Szenen zum Funkeln.
Henry Hübchen verkörpert den alternden Star mit so viel zerknittertem Charme, dass er auch in der Erkenntnis seiner Austauschbarkeit, in der Angst vor dem Alter und vor der Lebensleere außerhalb seiner Rollen-Klischees nicht larmoyant wirkt. Dass er und seine Partnerin Corinna Harfouch, die ja in der DDR groß wurden, zwei ausdrücklich westdeutsche Stars spielen und gegenüber einem jüngeren Kollegen fremdeln, weil er "aus dem Osten" stammt (jedoch von dem aus Westdeutschland stammende Markus Hering gespielt wird), bleibt einer der wenigen Insider-Jokes. Er erinnert an Helmut Dietls Farce "Rossini, oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief" – jenen Film, dessen Unterhaltungswert sich nur Kennern der Münchner Filmszene richtig erschloss.
"Whisky mit Wodka" dagegen erzählt so leichtfüßig vom Filmemachen, dass er an Truffauts "Amerikanische Nacht" erinnert. Doch anders als Truffaut zeigen Kohlhaase und Dresen keinen Regisseur, der seine Kunst so radikal wie ein lebensgefährliches Abenteuer betreibt. Hier geht ein braver, jederzeit zu Kompromissen bereiter Handwerker seiner Arbeit nach, und die vielerlei erotischen Verwicklungen, die sich um ihn herum entfalten, werden nie dramatisch genug, um den Fortgang der Arbeit zu gefährden.
Es fehlt der Biss von jenem verzweifelten Kampf der "Solo Sunny", die Kohlhaase und Konrad Wolf 1980 zu einer unvergesslichen Figur machten.
Bewertung: 4 von 5 Sternen
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