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Lebenswerk: Der erste Oscar für Robert Altman

zuletzt aktualisiert: 01.03.2006 - 08:25

Los Angeles (rpo). Er gilt als der "amerikanische Fellini", legt bei seinen Filmen stets mehr Wert auf künstlerische Kreativität als auf potenzielle Einspielergebnisse, war siebenmal für den Oscar nominiert, hat die begehrte Auszeichnung jedoch nie erhalten. Nun wird dem 81-jährigen Regisseur Robert Altman diese Ehre doch noch zuteil: 2006 bekommt er den Oscar für sein Lebenswerk verliehen.

Kritiker lieben seine Filme, das Publikum bewundert sie, und selbst höchstbezahlte Stars drängen sich um die Mitwirkung bei einem neuen Werk des Meisters auch für ein Statistenhonorar. Bereits siebenmal war Robert Altman für den Oscar nominiert, fünfmal als Regisseur ("Gosford Park", "M.A.S.H.", "Nashville", "Short Cuts", "The Player"), zweimal in der Kategorie "Bester Film" ("Gosford Park", "Nashville"). Doch der inzwischen 81-Jährige ging jedesmal leer aus.

Wenn in Hollywood ein Regisseur als "amerikanischer Fellini" klassifiziert wird, blinken bei den dortigen Produzenten alle Warnzeichen auf. Und mit diesem Ruf wird man für den Oscar nominiert, bekommt ihn aber nicht. Robert Altman weiß nur zu gut, wie karriereschädigend solche Lobesworte in der kalifornischen Illusionsfabrik sein können. Denn dort zählt die künstlerische Kreativität eines Robert Altman viel weniger als die Einspielergebnisse seiner Filme.

Kann nach fünf erfolglosen Oscar-Nominierungen nun endlich eine der begehrten Figuren entgegennehmen: Regisseur Robert Altman. Foto: AP, AP

1969 wurde Altman mit einem Schlag weltberühmt, als sein Geniestreich "M.A.S.H." weltweit Furore machte. Mit dieser schwarzen Komödie über ein amerikanisches Feldlazarett im Korea-Krieg offenbarte sich der langjährige Regisseur von Industriefilmen und TV-Serien zur allgemeinen Überraschung als Filmautor mit unverwechselbarer Handschrift. Danach besaß Altman in der Doppelrolle als Produzent und Regisseur einige Jahre ungewöhnliche Freiheiten, die er zu einer Reihe außergewöhnlicher Filme nutzte: die eigenwillige Chandler-Verfilmung "Der Tod kennt keine Wiederkehr", das 24-Personen-Melodram "Nashville" (für fünf Oscars nominiert) oder die bitterböse Satire "Buffalo Bill und die Indianer".

Erste Oscar-Nominierung vor 36 Jahren

Diese Reihe von Meisterwerken war keine Serie kommerzieller Erfolge. Als in Hollywood niemand mehr Geld für Altman riskieren wollte, musste der erkennen: "Die Filme, die ich machen möchte, sind Filme, an denen die Studios kein Interesse haben." Doch anders als viele andere seiner Kollegen unterwarf sich Altman nicht diesen Interessen, sondern ging für einige Jahre nach Europa ins Exil, wo er verschiedene Arbeiten fürs Theater, das Fernsehen und auch zwei Kinofilme machen konnte. 1990 kehrte er in die USA zurück, wo er auf Anhieb und völlig unverhofft einen großen Publikumserfolg landete.

"The Player" war der Titel des Films, eine mit Zynismus und Ironie gespickte Entlarvung des Hollywood-Betriebs. Nur acht Millionen Dollar hatte das Werk gekostet, spielte aber das Vielfache ein und gewann in Cannes die Goldene Palme. Altman war wieder im Geschäft. 1993, inzwischen 68-jährig, ließ er den virtuosen Dreistundenfilm "Short Cuts" folgen, ein komplexes, wiederum figurenreiches Panorama des Stadtmolochs Los Angeles. Für viele ist das Altmans beste Arbeit für die Leinwand.

Sein neuestes Werk heißt "A Prairie Home Companion", ist abermals eine Ensemble-Komödie und feierte auf der Berlinale Weltpremiere. Das Geschehen kreist um eine legendäre Radioshow, die nach 30 Jahren eingestellt wird. Der Film ist wieder mit zahlreichen Stars besetzt, darunter Tommy Lee Jones, Meryl Streep, Woody Harrelson und Kevin Kline. Bei der diesjährigen Oscar-Verleihung wird er jedoch keine Rolle spielen, denn er kommt erst im Juni in die amerikanischen Kinos.

Dennoch wird Robert Altman am 5. März im Kodak Theatre auf dem Podium stehen. Der Regisseur erhält den Ehrenoscar für sein Lebenswerk. 36 Jahre nach seiner ersten Nominierung ("M.A.S.H.", 1970) hat die Academy den Kinozauberer also doch noch berücksichtigt. Zur Begründung erklärte die Jury, Altman habe im Laufe seiner Karriere "die Kunstform immer wieder neu erfunden und Regisseure wie Zuschauer gleichermaßen inspiriert".


 
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