| 17.12 Uhr
"Man of Steel" ab heute im Kino
Der neue Superman ist eine Enttäuschung
Das ist der neue Superman-Film "Man of Steel"
Das ist der neue Superman-Film "Man of Steel" FOTO: 2013 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.
Düsseldorf. "Man Of Steel" heißt die neue Lieferung der Superman-Reihe. Der 225 Millionen Dollar teure Film läuft Donnerstag in den deutschen Kinos an. Trotz des gewaltigen Budgets enttäuscht die Produktion: Der Held bleibt blass. Von Philipp Holstein

Jedes Jahr im Sommer schickt Hollywood einen teuren Film in die Kinos, der die Menschen an den schönen Tagen vor die Leinwand locken soll. Meist sind diese Blockbuster voll mit Spezialeffekten und besetzt mit Stars, denn die Filme müssen sich in den Multiplexen bewähren, und zwar über Wochen. In diesem Jahr soll Superman dafür sorgen, dass man frühzeitig die Freibäder verlässt und in die Säle strebt: "Man Of Steel" heißt die 225 Millionen Dollar teure und mehr als zweieinhalb Stunden lange Produktion, auf deren Besetzungsliste die Namen Russell Crowe, Kevin Kostner, Amy Adams und Diane Lane stehen. Klingt gut. Kann man dennoch nur eingeschränkt empfehlen.

Die Figur des Superman war die erste in der Reihe der Comic-Superhelden. Sie wurde in den 30er Jahren erfunden, und seither hat man ihre Geschichte, ihr Aussehen und ihre Mission einige Male modifiziert und an die jeweilige Zeit angepasst. Der berühmteste Kinofilm lief 1978 an, Christopher Reeve spielte die Hauptrolle, Richard Donner führte Regie, und das Wunderbare an dieser Arbeit waren die Flugszenen – wer sie sich noch einmal ansieht, wird ebenso fasziniert sein wie gerührt. Der letzte Superman-Film kam 2006 ins Kino, Bryan Singer drehte ihn, er verbeugte sich im Grunde bloß vor dem berühmten Vorgänger. Zwischen 2001 und 2011 wurde die TV-Serie "Smallville" ausgestrahlt, die die Jugend des Helden erzählt. Man war also ganz gut versorgt mit Superman-Geschichten, und die neuerliche Aufbereitung des Stoffs beweist, dass die Erinnerungs- und Recyclingspannen in der Traumfabrik kürzer werden.

Der Spezialist für Comics auf der Leinwand

Zack Snyder inszenierte die aktuelle Superman-Lieferung, er ist Spezialist für düstere Adaptionen von Comics für die Leinwand – "300" stammt von ihm und "Watchmen". Christopher Nolan produzierte den "Man Of Steel", jener Mann also, der zuletzt die Saga von Batman neu und aufregend erzählte; er schrieb auch am Drehbuch mit. Sein Kniff bei Batman war, dass er das Werden dieses Helden von einem Kindheitserlebnis aus erklärte. Batman fiel als Junge beim Spielen in einen Brunnenschacht, dabei scheuchte er Fledermäuse auf, die ihm einen Schreck fürs Leben einjagten. Als er später mit den Eltern ins Theater ging, kamen ihm die Bilder wieder in den Sinn, die Familie musste den Saal deshalb durch einen Nebeneingang verlassen, und in dem dunklen Gang vor der Tür lauerten Räuber, die Batmans Eltern töteten. Die Schuldgefühle drängten das Kind schließlich in die Rolle des schwarzen Retters.

In "Man Of Steel" vermisst man diese erzählerische Dichte, das psychologische Moment, den Grund für das, was man sich da ansieht. Die Inszenierung wirkt fahrig, bereits die Eröffnung gerät allzu lang: Mehr als 20 Minuten beobachtet man die Kämpfe zwischen Supermans komisch kostümiertem Vater und General Zod auf dem Planeten Krypton. Die Sequenz endet damit, dass Superman als Baby auf die Erde geschossen und Krypton zerstört wird. Der Zuschauer begegnet Superman rund 15 Jahre später wieder, da sind seine Bizepse bereits so dick, dass er die Arme nicht mehr anlegen kann: Er ist ein Außerirdischer im Menschenkostüm.

Fortan springt die Geschichte zwischen Rückblende und Gegenwart, das ist eine unglückliche Konstruktion, weil sie anstrengt und den Lauf der Ereignisse stört. Die besten Szenen berichten von der Kindheit Supermans. Seine Zieh-Eltern werden von Diane Lane und Kevin Kostner gespielt, die machen das sehr gut, sie sind grundehrliche Bewohner des ländlichen Amerika. Hier in Smallville in Kansas entdeckt der Junge seine übernatürlichen Kräfte, er hadert damit, aber obwohl Kostner ihn mahnt, er möge diese Seite seiner Persönlichkeit verbergen, greift er ein, wenn andere Hilfe brauchen.

Liebe rückt in den Hintergrund

Diese Auseinandersetzung mit sich und seinen Fähigkeiten, mit der daraus erwachsenden Verantwortung und der Suche nach Identität und Bestimmung wären ein großartiger Antrieb der Handlung gewesen. Snyder und Nolan entscheiden sich indes anders. Ihnen ist die Herzensbildung des Helden nicht wichtig, sie verpulvern das Potenzial des Hauptdarstellers Henry Cavill, dessen sensibles Wesen nicht zum aufgepumpten Körper passen mag, was seinen Auftritten etwas Verlorenes gibt. Sie interessieren sich nicht für seine Liebe zur Reporterin Lois Lane, deshalb wischen sie fort, was an Supermans Wunsch erinnert, Mensch zu werden. Er wirkt, als sei es für ihn den ganzen Tag lang kurz vor zwölf. Romantik gibt es nicht. Und so baut der Zuschauer keine Beziehung zu einer der Figuren auf: Sie sind ihm egal.

Snyder und Nolan lassen General Zod auf die Erde kommen und mit Superman kämpfen. Drei Viertel des Films dürfen als Zerstörungs-Porno gelten, die Tonspur dröhnt, im Soundtrack von Hans Zimmer schmettern die Chöre, und auf der Leinwand kann man vor zerspringendem Glas kaum etwas erkennen. Güterloks fliegen umher, Superhelden werden in Häuser geschleudert, und die Beobachter rufen "Oh, mein Gott!". Am Ende fühlt man sich wie nach einem Tag im Windkanal.

In "Man Of Steel" wird viel Geld auf möglichst anschauliche Weise verpulvert. Lieber hätte man einen Film gesehen, der seine Figuren und deren Welt ernst nimmt.

Quelle: RP/hüls/das
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