Premiere des Kinofilms über die letzten Tage des Nazi-Regimes: "Der Untergang": Betroffenheit bei der Premiere
zuletzt aktualisiert: 13.09.2004 - 12:36München (rpo). Nachdem die letzten Szenen über die Leinwand gelaufen waren, herrschte Betroffenheit unter den Zuschauern. Für seine eindringliche Schilderung der Vorgänge in den letzten Tagen des Nazi Regimes, erntete "Der Untergang" auf der Premiere am Donnerstag in München aber dennoch viel Applaus. Insbesondere Hitler-Darsteller Bruno Ganz wurde mit stehenden Ovationen gefeiert.
Der Film von Produzent Bernd Eichinger beschreibt aus der Perspektive von Hitlers Privatsekretärin Traudl Junge die letzten zwölf Tage im Führerbunker unter der Berliner Reichskanzlei, wo sich Adolf Hitler und einige seiner Generäle und engsten Vertrauten verschanzt haben. Draußen tobt der Häuserkampf, Menschen aus der Zivilbevölkerung sterben bei Bombenangriffen und im Kugelhagel. Drinnen befehligt Hitler nicht mehr existierende Armeen und fordert weiter bedingungslosen Glauben an den "Endsieg".
Als das Ende des Dritten Reiches absehbar ist, inszeniert der Diktator seinen Abgang: Nach der Heirat mit Eva Braun nimmt er sich gemeinsam mit ihr das Leben. Die Leichen werden im Hof verbrannt, denn Hitler will dem Feind nicht einmal tot in die Hände fallen. Auch zahlreiche seiner Getreuen begehen Selbstmord.
"Die letzten Tage zeigen wie in einer Nussschale noch einmal die Mechanismen des zwölfjährigen Nazi-Regimes", sagte Eichinger über die dichte Darstellung. Der Produzent und Drehbuchautor beschäftigt sich nach eigenen Worten schon seit Jahrzehnten mit dem Thema Nationalsozialismus. "Ich hätte aber nie einen Film gemacht, wenn mir nicht das Buch von Joachim Fest den Schlüssel geliefert hätte."
Das gleichnamige Buch des Geschichts-Professors sowie die Erinnerungen der Sekretärin Junge lieferten das Ausgangsmaterial. Gemeinsam mit Regisseur Oliver Hirschbiegel, der für packende psychologische Erzählungen wie "Das Experimt" bekannt ist, verwirklichte Eichinger für rund 13,5 Millionen Euro das Projekt.
Die Liste der Darsteller liest sich wie ein "Who-is-who" der deutschen Schauspielbranche: Alexandra Maria Lara verkörpert überzeugend die junge, gutgläubige Traudl Junge, Corinna Harfouch glänzt als gefühlskalte Ideologin Magda Goebbels. Juliane Köhler als Hitler-Geliebte Eva Braun, Heino Ferch als Albert Speer, Ulrich Matthes als Joseph Goebbels und Ulrich Noethen als Heinrich Himmler komplettieren das Star-Aufgebot.
Regisseur spricht von "historischer Aufgabe"
"Es ist wichtig, dass wir uns in Deutschland nach über 60 Jahren zu Wort melden", sagte Regisseur Hirschbiegel zu der "historischen Aufgabe". Die Zeit für einen Nazi-Film aus deutscher Perspektive sei reif. "Wir nähern uns der Geschichte von innen." Der Film zeigt Hitler und die anderen Nazi-Größen auch als Privatmenschen - was bei Kritikern nicht unumstritten ist. Der Diktator tritt im Film sowohl als tobender Tyrann auf als auch als fürsorglicher Chef im Umgang mit seinen Sekretärinnen und als zärtlicher Partner von Eva Braun. Darsteller Bruno Ganz sieht Hitler im Film erschreckend ähnlich und imitiert gekonnt dessen Sprachduktus und Mimik.
Die Zuschauer sollten die Protagonisten des Regimes kennen lernen, die auch nett und charmant sein konnten, sagte Produzent Eichinger zu der ungewöhnlichen Herangehensweise. "Das waren Menschen und keine Roboter, keine schizophrenen Verrückten, aber Menschen mit unglaublichem Zerstörungswahnsinn." Die Botschaft sei: "Es liegt in der Natur des Menschen, dass wir sowohl Bestien sein können als auch Gutes tun können."
Bei den Dreharbeiten in Sankt Petersburg und München habe es "sehr viel zum Nachdenken" gegeben, erzählte Ganz, der als Nächstes am liebsten eine Komödie spielen möchte. "Das war kein Dreh, wo man immer lacht", bestätigte Corinna Harfouch. Für die Schauspieler sei es beispielsweise irritierend gewesen, wenn als Kulisse ein Heerlager entstanden sei. Als belastend beschrieben es mehrere Darsteller, sich in die Nazi-Figuren hineinversetzen zu müssen. Mit dem Ergebnis ist das Team laut Juliane Köhler zufrieden: "Ich finde den Film sehr stark, sehr mutig." Alexandra Maria Lara sagte: "Wir sind alle sehr stolz."
Besonders gespannt war Produzent Eichinger, wie das Werk beim Publikum ankommt. Bei der Premiere herrschte nach dem zweieinhalbstündigen Film einen Augenblick Stille, dann setzte der verdiente Applaus ein. "Das ist schauspielerisch dargestellte Geschichte", lobte eine Zuschauerin. "Bruno Ganz kommt unheimlich intensiv rüber", sagte ein anderer Gast. "Der ganze Film geht einem nach." Am 16. September kommt "Der Untergang" in die deutschen Kinos.
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