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Die Nacht singt ihre Lieder: Deutscher Berlinale-Beitrag zwischen Buh und Bravo

zuletzt aktualisiert: 11.02.2004 - 16:32

Berline (dto). Große Fragezeichen schwebten über den Köpfen vieler Journalisten: Hat Romuald Karmakar sein schwer konsumierbares Kammerspiel über Szenen einer Hass-Liebe ernst gemeint, oder sollte das eine Komödie sein? Auf der Pressekonferenz tobte der Regisseur: „Traurig, dass die Leute sich selbst nicht mehr vertrauen, den Schmerz aus ihrem Leben verbannen. Dieser Film verwendet ernsthaften Humor, auch das muss man zulassen können."

Bedeutungsvolle Worte, die bei manchen Journalisten nicht wirklich für Aufklärung sorgten. Unfreiwillig komisch wirkte der langatmige Film über einen Mann (Frank Giering) und seine Freundin (Anne Ratte-Polle), deren Beziehung von frustriertem Schweigen, endlos wiederholten Floskeln und einem 'doch nicht voneinander loskommen'-Syndrom geprägt ist. „Und täglich grüßt das Murmeltier“ trifft auf „Warten auf Godot“. Satirische Szenen eines absurden Alltags in ein Lehrstück á la Becket verpackt. Viele Leute verließen das Kino – wer bis zum Ende ausharrte, war entweder verwirrt ob der Intention des Regisseurs oder aber gänzlich überzeugt von der vorgeführten Leinwandtristesse.

Ein Journalist bezeichnete den deutschen Wettbewerbsbeitrag als „schrecklich schönen Horrorfilm“. Romuald Karmakar („Der Totmacher“) giftete zurück: „Es handelt sich hier um eine unglückliche Liebesgeschichte. Das muss es doch auch in Deutschland geben dürfen. Drei Jahre habe ich gebraucht, um dieses Projekt realisieren zu können. Die meisten Journalisten sehen sich nur US-Filme an, ihre Wahrnehmung ist davon total beeinflusst." Karmakar verwies auf den kritischen Stand des Landes Deutschland – gerade jetzt sei es wichtig, keine schöngefärbte Falschmalerei auf der Leinwand zu zeigen. „Die Realität ist anders, als wir suggeriert bekommen“, so der Regisseur.

Als erneut ein Journalist auf die zahlreichen Lacher während der Vorstellung hinweist, flippt Romuald Karmakar aus: „Mir ist das hier zu primitiv! Ich will niemandem eine Rückbestätigung geben, ob er lachen darf oder nicht. Der Film ist offen, jeder darf ihn empfinden wie er will. Wofür ich kämpfe ist die Berechtigung von Filmen wie diesen in den deutschen Kinos. Ich verfechte lediglich eine andere Sprache von Film – ob jemand das mag oder nicht, ist nicht meine Sache“.

In Deutschland startet der Film „Die Nacht singt ihre Lieder“, der auf dem Bühnenstück des norwegischen Autors Jon Fosse basiert, am 19. Februar.

Von Dörte Langwald


 
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