Optimismus beim Internationalen Fimkongress: Deutscher Film: Fortschritte auf US-Kinomarkt
zuletzt aktualisiert: 21.06.2004 - 11:02Köln (rpo). Die Platzierung deutscher Filme in amerikanischen Kinos war Thema der ersten Diskussionsrunde des Internationalen Filmkongresses. Dieser wurde am Sonntag in Köln auf dem Medienforum Nordrhein-Westfalen in Köln eröffnet. Schauspieler, Regisseure, Produzenten und andere Filmexperten beschrieben die finanziellen Aussichten beim deutschen Filmexport als "schwierig, aber nicht hoffnungslos".
Auf dem US-Kinomarkt tun sich fremdsprachige Filme generell schwer, deutsche sogar noch etwas schwerer als leichtfüßige Produktionen aus Frankreich oder temperamentvolle aus Italien. Der Marktanteil deutscher Filme in Nordamerika erreichte im Vorjahr magere 0,15 Prozent - das entspricht 2,2 Millionen Zuschauern.
Dennoch bewegt sich etwas, seit Tom Tykwers rasante Krimiromanze "Lola rennt" auch im Land der scheinbar unbegrenzten Hollywood-Blockbuster für Furore sorgte. Seitdem schauen aufgeschlossene Amerikaner genauer hin - und gehen auch öfter ins Kino, wenn ein deutscher Film gespielt wird. Das Exildrama "Nirgendwo in Afrika" spielte nach dem Gewinn des Oscars für den besten fremdsprachigen Film in den USA 6,2 Millionen Dollar ein - und die Ost-West-Komödie "Goodbye, Lenin!" hat in den amerikanischen Kinos auch schon die Vier-Millionen-Dollar-Marke übersprungen.
Dass mit Wolfgang Petersen und Roland Emmerich zwei deutsche Regisseure in Hollywood seit etlichen Jahren erfolgreiche Kinohits realisieren, darauf wies Uwe Karsten Heye, der deutsche Generalkonsul in New York, in einem Grußwort hin. Der deutsche Autorenfilm werde "gerade an der Ostküste von einer immer größeren Gemeinde geschätzt". Durch das Nein des Bundeskanzlers zum Irak-Krieg seien vor allem jüngere Amerikaner neugierig geworden auf das, was kulturell aus Deutschland kommt.
Die größten Unterschiede zwischen amerikanischer und deutscher Filmbranche sah der Schauspieler, Regisseur und Produzent Til Schweiger im Starsystem und in der Budgetdimension. Ein durchschnittlicher deutscher Film koste gerade mal so viel wie ein amerikanischer Independent-Film, der dort nur als 'kleine' Produktion gilt. Die US-Filmindustrie werde von Stars geprägt, die durch eine Zusage entscheiden könnten, ob ein Filmprojekt zustande kommt oder nicht. "Dafür haben es Schauspieler in Deutschland einfacher", betonte Schweiger, der seit 1998 jahrelang in den USA gelebt hat.
Der Schauspieler Hannes Jaenicke, der regelmäßig zwischen Köln und Los Angeles pendelt, meinte, für die Amerikaner sei vor allem der "exotische Touch" wichtig. Es bringe nichts, amerikanische Erzählmuster zu kopieren und sich damit anzubiedern. Eine selbstbewusste Position, die von Michelle Byrd aus New York unterstützt wurde. Die Geschäftsführerin der unabhängigen Organisation "Independent Feature Project" hat festgestellt: "In den amerikanischen Großstädten haben sich einige europäische Produktionsfirmen wie Zentropa aus Kopenhagen oder X-Filme aus Berlin als Markennamen etabliert."
Die amerikanische Publizistin Nichola Ellis empfahl deutschen Filmemachern, sich eine Scheibe vom amerikanischen Marketing-Know-how abzuschneiden und clevere Werbekampagnen zu entwickeln. So habe der Dokumentarfilmer Michael Moore ("Fahrheit 911") jüngst vorgemacht, wie man im Internet effektiv für den eigenen Film trommeln kann.
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