Regisseurin von Trotta sei zu wenig unterstützt worden: Dicke Luft am Lido: Filmer kritisieren schlechte Vermarktung
zuletzt aktualisiert: 03.09.2003 - 13:44Venedig/Düsseldorf (rpo). Als einziger deutscher Film ist Margarethe von Trottas 'Rosenstraße' zum Wettbewerb der Biennale eingeladen worden. Diese große Ehre wurde in Deutschland allerdings kaum zu Kenntnis genommen. Nun wird Kritik laut, dass kein Repräsentant aus Politik oder Kultur nach Venedig gereist ist, um von Trotta zu unterstützen.
Venedig ist zur Zeit nicht der Ort, um Zwiste auszutragen. Seit einer Woche steht der Filmbranche in der Lagunenstadt der Sinn nach erlesenen Kinogeschichten aus aller Welt. In dem am Samstag endenden Branchenereignis hält Margarethe von Trotta mit dem Nazi-Drama "Rosenstraße" die deutsche Kino-Ehre hoch. Doch obwohl es die Produktion in diesem Jahr ins offizielle Rennen des Festivals schaffte, liegt am Lido auch Unzufriedenheit in der Luft. "Keine führenden Repräsentanten aus Politik oder Kultur reisten an, um von Trotta zu unterstützen", kritisierte der Leiter der Filmstiftung NRW, Michael Schmid-Ospach. Das sei "bedauerlich und unverständlich". Er leitet eine der größten europäischen Filmstiftungen.
"Die Teilnahme an einem Wettbewerb wird in anderen Ländern als Staatsereignis gefeiert", hob der Geschäftsführer der Kölner Produktionsfirma "Pandora", Reinhard Brundig, im Gespräch mit dpa hervor. Das stifte ein Gefühl "kultureller Zusammengehörigkeit". Der Produzent von "Bella Martha", "Nomaden der Lüfte" und des aktuellen Überraschungserfolges "Whale Rider": "Die deutschen Produzenten jedenfalls können es sich nicht leisten, auf führenden Festivals wie in Venedig zu fehlen." Dort würden wichtige Kontakte geknüpft und die Weichen für internationale Koproduktionen gestellt.
"Deutsche Filme werden halbherzig vermarktet"
Branchenvertreter wie Schmid-Ospach kritisieren zunehmend auch die "halbherzige Vermarktung" der heimischen Werke weltweit. Im Kreuzfeuer der Kritik steht dabei die Vertretung der deutschen Filmbranche im Ausland - die Export-Union mit Sitz in München. "Unser Problem ist nicht die Teilnahme an Filmfestivals", sagte Schmid- Ospach. Der deutsche Film scheitere im Ausland auch nicht auf Grund schlechter Stoffe oder seiner mangelnden Umsetzung. "Es wird schlichtweg zu wenig dafür getan, unsere Filme auch in die Lichtspielhäuser rund um den Globus zu bringen." Franzosen und Engländer machten vor, wie erfolgreich ihre Filme international sein können. Schmid-Ospach: "Wir haben ein ähnliches Potenzial."
Deshalb stehen die Zeichen auf Veränderung. Nach Angaben des Branchenkenners wird der Gesellschafterkreis der Export-Union zum Ende des Jahres ausgeweitet. Die Filmstiftung NRW und der FilmFernsehFonds Bayern werden sich künftig federführend um die Vermarktung des Filmgutes auch außerhalb der heimischen Grenzen kümmern. "Deutsche Filme sind wettbewerbsfähig", ist "Berlinale"- Leiter Dieter Kosslick überzeugt. Durch die Umstrukturierung der Export-Union unter dem künftigen Namen "German Films" werde das "weltweit wichtigste Marketinginstrument des deutschen Films entscheidend gestärkt".
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