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Jennifer Lopez stellt Film vor: Die Berlinale der Frauen

VON PHILIP HOLSTEIN - zuletzt aktualisiert: 16.02.2007 - 16:11

Berlin (RP). Die Männer sehen in vielen Filmen ziemlich alt aus. Es sind die Frauen, die zahlreiche Produktionen der Festspiele beherrschen. Zum Beispiel Jennifer Lopez, deren Film "Bordertown" gestern Premiere hatte.

Am Tag vor der Vergabe der Bären kann man resümieren: Das ist die Berlinale der starken Frauen. Nehmen wir nur mal Jennifer Lopez. Die kam gestern angerauscht, sah umwerfend aus in ihrem schwarzen Kleid und den ultra-hohen Pumps und hat offenbar all das Schicksenhafte abgelegt, das sie bislang verkörperte. Auf der Straße schrien die Leute, unglaublich war das.

Sowas Majestätisches hatte sie an sich, da wirkte der stets an ihr klebende und ansonsten ja auch nicht unansehnliche Antonio Banderas wie ein Landstreicher - was wohl auch an seinem unmöglichen Graffiti-Sweatshirt lag und den Brisk-Haaren, die glänzten wie das, was in der Bratpfanne bleibt, wenn die Frikadellen fertig sind.

Lopez jedenfalls war eine Wucht. Man könnte gemein sein und sagen: Die muss so einen Auftritt hinlegen, der Film "Bordertown" mit ihr und Banderas in den Hauptrollen ist nämlich derart schlecht, dass sie irgendwie davon ablenken will. Es geht in "Bordertown" um eine US-Journalistin, die an der mexikanischen Grenze recherchiert. Dort sind Hunderte Frauen vermisst, einige wurden tot aufgefunden - vergewaltigt und viehisch zugerichtet. Das Drehbuch ist stark, es gründet auf Tatsachen, und die gewalttätige Anfangssequenz nimmt den Zuschauer derart mit, dass er seufzen muss ob so viel Unmenschlichkeit und auf der Stelle irgendjemanden umarmen will, nur um ein bisschen Wärme in diese Welt zu bringen.

Zu einer Zumutung wird die Produktion erst, als Lopez auftritt. Die 37-Jährige ist komplett unglaubwürdig. Sie stakst mit so einer Beverly-Hills-Haftigkeit durch die Favelas, die Klamotten bis an die Grenze der physikalischen Belastbarkeit um ihre Kurven gespannt. Gestik und Mimik sind stereotyp: Wenn sie nachdenkt, saugt sie die Unterlippe ein, wenn sie bösen Menschen begegnet, kräuselt sie die Stirn, und wenn sie ein Ziel nicht erreicht, dreht sie sich weg und wirft dabei das Haar um den Kopf.

"Bordertown" ist der Tiefpunkt des Wettbewerbs, nach der Premiere wurde nicht bloß gebuht, sondern auch gelacht - das ist bei einem Drama noch schmerzhafter. Aber es geht in diesem Fall nicht um die Qualität des Films. Mit "Bordertown" beweist Jennifer Lopez, dass sie nicht mehr die Latino-Hupfdohle ist, die mit ein bisschen folkloristisch aufgepoptem Chi-Chi Millionen verdient.

Lopez hat den Film co-produziert, sie hat bewusst diesen schwierigen und dem Massenpublikum schwer vermittelbaren Stoff ausgewählt und durchgesetzt. Und sie hat die öffentliche Aufmerksamkeit auf ein Problem gelenkt, das der Aufklärung bedarf: In Orten wie Ciudad Juarez im Norden Mexikos werden tatsächlich jedes Jahr Dutzende junger Frauen verschleppt und ermordet, und Regierung und örtliche Behörden bleiben tatenlos.

Amnesty International schätzt Lopez’ Engagement sehr hoch ein und ehrte sie mit dem "Artists for Amnesty Award". "Bordertown" macht Lopez nicht zur Charakter-Darstellerin. Aber zur Persönlichkeit. In "Bordertown" geht es letztlich darum, wie Frauen für ihr Recht kämpfen, und zwar gegen die Männer. Das ist das Thema einer ganzen Reihe von Filmen auf der Berlinale.

Männer kommen schlecht weg. In Robert de Niros Regiearbeit "Der gute Hirte" etwa ist es Angelina Jolie, die für einen magischen Moment sorgt und damit die Männlichkeit zertrümmert, auf die sich die Kerle um sie herum so viel einbilden. Ihr Ehemann, gespielt von Matt Damon, bekommt während der Hochzeitsfeier den Einberufungsbescheid zugestellt. "Ich muss nach Übersee", sagt er. Er schaut dabei, als sei ihm die größte aller Ehrbezeugungen zuteil geworden. Er schaut pathetisch. Er schaut, wie Männer schauen, die meinen, dass sie mächtig sind. Die Film-Jolie benötigt nur zwei Sätze, um das Kranke daran zu entlarven: "Und was willst du da? Die Welt retten?"

Ganz ähnlich ist die Rolle von Cate Blanchett in "The Good German" angelegt. In ihren Augen spiegelt sich der Irrsinn des Krieges, und das Spiegelbild zeigt irrsinnige Männer. Die Vorbilder für diese Frauenrollen kann man auf der Berlinale ebenfalls sehen. Es sind die "City Girls", die jungen Frauen, die nach dem Ersten Weltkrieg in Stummfilmen auftraten. Eine eigene Reihe beschäftigt sich in Berlin mit diesem Phänomen. Schauspielerinnen wie Louise Brooks, Clara Bow, aber auch Greta Garbo schafften, was unmöglich scheint: Unschuld und Berechnung zu verbinden, sie spielten mit ihrem Sex-Appeal, setzen ihn ein, um Botschaften zu senden und Ziele zu erreichen. Sie machen das auf unterschiedliche Weise, aber allen ist gleich, dass sie die Männer alt aussehen lassen.

Eben so kann man auch die drei 15-jährigen Mädchen aus Kreuzberg charakterisieren, die die in Düsseldorf geborene Regisseurin Bettina Blümner einen Sommer lang für den Dokumentarfilm "Prinzessinnenbad" begleitet hat. Der Film ist zum Publikumsliebling geworden, weil er so authentisch ist, so liebevoll und menschlich. Die drei schlagen sich durchs Leben, ohne Unterstützung von Eltern/ Lehrern/Freunden, helfen sich gegenseitig - am Ende hat man sie lieb, so intensiv ist diese Dokumentation. Und es gibt in ihr einen Satz, der auf den Punkt bringt, was alle genannten Filme ausmacht. Eines der Mädchen wird von einem Mann gebeten, sich zu beschreiben. Es sagt: "Ich bin, wie ich bin."


 
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