55. Berlinale empfängt wieder Gäste aus aller Welt: Die ersten Stars sind da
zuletzt aktualisiert: 10.02.2005 - 16:50Berlin (rpo). Die Berlinale gehört zu den wichtigsten Filmfestivals der Welt. Zum 55. Geburtstag des Medienevents tummeln sich wieder Tausende Filmemacher, Produzenten, Journalisten und Filmfans aus aller Welt in der Hauptstadt. Bei all dem Glamour und Riesen-Staraufgebot erscheint Berlin dieser Tage als weltoffener Kulturschauplatz. Bis zum 20. Februar werden über 340 Filme aus 52 Ländern gezeigt.
Mit einer Gala und der Weltpremiere des historischen Abenteuerepos' "Man to Man" des französischen Regisseurs Régis Wargnier ("Indochine") sollte das Festival am Abend eröffnet werden. Erwartet wurden rund 2500 Gäste, darunter auch die britischen Hauptdarsteller des Wettbewerbsbeitrages, Kristin Scott Thomas ("Der englische Patient") und Joseph Fiennes ("Luther"). Damit läuft nach den Hollywood-Produktionen "Chicago" und "Unterwegs nach Cold Mountain" in den Vorjahren wieder ein nicht in den USA produzierter Streifen zur Eröffnung.
Das Abenteuer- und Wissenschaftsdrama "Man to Man" erzählt von dem schottischen Anthropologen Jamie Dodd (Fiennes), der im Jahr 1870 den Tropenwald in Zentralafrika auf der Suche nach einer seltenen Spezies durchstreift. Zwei Angehörige eines Pygmäenvolks lässt er nach Schottland verschiffen - zu wissenschaftlichen Zwecken. Hauptdarsteller Fiennes verteidigte den Film vor der Eröffnung des Festivals. Wenn das Fachpublikum oder die Kinobesucher rassistische Teile sehen sollten, würde ihn das sehr traurig stimmen.
Scott Thomas unterstrich, dass es für eine Frau nach wie vor viel schwieriger sei, Karriere im Filmgeschäft zu machen als für Männer. Sie müssten viel disziplinierter und härter gegen sich selbst sein.
Die US-Prominenz hält sich diesmal auf der Berlinale in Grenzen. Als Stars haben sich unter anderen Will Smith, Catherine Deneuve, Gérard Depardieu, Keanu Reeves, Liam Neeson, Kevin Spacey, Dennis Quaid und Daniel Day-Lewis angesagt.
Berlinale-Direktor Dieter Kosslick verteidigte den geringen Anteil von Hollywood-Filmen im Wettbewerb des diesjährigen Festivals. Viele Filme seien wegen der anstehenden Oscar-Vergabe bereits im Kino gelaufen. Einen Streifen ein halbes Jahr nicht zu zeigen, um ihn bei einem Filmfestival präsentieren zu können, sei wirtschaftlich "Blödsinn".
Die Oscar-Verleihung - die am 27. Februar stattfindet - beeinflusse durchaus das Programm der Berlinale, räumte Kosslick ein. Für die kommenden Jahre äußerte er aber Hoffnung: "Nächstes Jahr ist es schon wieder eine Woche später." Zugleich hob er den hohen Anteil europäischer Produktionen im Wettbewerb hervor.
Ins Rennen um den Goldenen und die Silbernen Bären gehen 22 Filme. Am Mittwoch hatte die Berlinale überraschend noch die ungarisch-deutsch-britische Ko-Produktion "Fateless" als Wettbewerbsbeitrag bekannt gegeben, der als internationale Premiere läuft. Literarische Vorlage des Regiedebüts von Kameramann Lájos Koltai ist der "Roman eines Schicksallosen" von Literatur-Nobelpreisträger Imre Kertész. Der ursprünglich für den 15. Februar vorgesehene Film "Heights" mit Glenn Close wurde aus dem Programm genommen. Somit laufen noch vier Streifen außer Konkurrenz.
Deutschland ist im Wettbewerb mit drei Werken vertreten: "Gespenster" von Christian Petzold, "Sophie Scholl - Die letzten Tage" von Marc Rothemund und "One Day in Europe" von Hannes Stöhr. Die internationale Jury steht in diesem Jahr unter der Leitung des deutschen Regisseurs Roland Emmerich.
Schwerpunkthemen des weltweit größten Publikumsfilmfestivals sind "Fußball, Sex und Politik". Außerdem richtet die Berlinale in diesem Jahr den Blick nach Afrika.
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