Deutscher Wettbewerbsbeitrag beim Fachpublikum angekommen: "Die fetten Jahre sind vorbei" in Cannes umjubelt
zuletzt aktualisiert: 17.05.2004 - 15:06Cannes (rpo). Nach elf Jahren ist wieder ein deutscher Film bei den Filmfestspielen in Cannes im Hauptwettbewerb vertreten. Und "Die fetten Jahre sind vorbei" ist beim Fachpublikum am Montag in Südfrankreich sehr gut angekommen. Rund 200 Angestellte der Palasthotels von Cannes protestierten derweil am Rande der Festspiele für höhere Gehälter.
Die erste Vorführung des frisch fertiggestellten Streifens "Die fetten Jahre sind vorbei" wurde am Montag im Festivalpalast an der Côte d'Azur mit minutenlangem lebhaftem Applaus gefeiert. Anschließend sonnten sich vor allem Hauptdarsteller Daniel Brühl und Regisseur Hans Weingartner im Blitzlicht der Fotografen. Kritiker räumen dem Film unter 19 Kandidaten Chancen auf die Goldene Palme ein.
"Die fetten Jahre sind vorbei" (internationaler Titel: "The Edukators") spielen Brühl, Stipe Erceg und Julia Jentsch drei junge Außenseiter, die reichen Villenbesitzern mit anonymen Einbrüchen Angst einjagen wollen. Als ein Einbruch schief geht, stehen die Freundschaft der jungen Leute und ihre Weltsicht auf der Probe. Brühl betonte vor Journalisten, er selbst habe zwar eine ähnlich kritische Haltung, anders als Jan im Film aber "einfach nicht den Mut".
Der Film wurde im deutschen Original mit englischen und französischen Untertiteln zunächst der Presse vorgeführt. Dabei sorgten die Dialoge immer wieder für Gelächter. Am Abend sollten Brühl und die gesamte Filmcrew für eine Galavorstellung den berühmten roten Teppich des Festivalpalasts hinauf laufen. Am Nachmittag wurde auch das jüngste Werk des Oscar-gekrönten US-Dokumentarfilmers Michael Moore, "Fahrenheit 9/11" mit beißender Kritik gegen US-Präsident George W. Bush, als Wettbewerbsbeitrag in Cannes gezeigt.
Zu den Chancen auf eine Goldene Palme oder einen der anderen Preise beim Hauptwettbewerb wollte sich Weingartner nicht äußern. "Für uns war es schon ein Hauptgewinn, eingeladen zu werden", sagte der aus Österreich stammende Filmemacher auf der Festival-Pressekonferenz. "Jetzt sind wir hier zum Feiern." Cannes sei ein "tolles Festival", schwärmte der 33-Jährige. "Man merkt, dass die Leute hier Filme lieben."
Die Beschäftigten der Palasthotels von Cannes setzten unterdessen ihren Arbeitskampf fort. Angaben der Hoteldirektion und der Gewerkschaften zufolge war vor allem das Carlton betroffen, wo 157 der 300 ständigen Mitarbeiter weiter in Ausstand waren. Die Carlton-Leitung lehnt Verhandlungen während des noch bis Sonntag laufenden Festivals ab. Anders als von der Carlton-Belegschaft erhofft, weitete sich die Protestbewegung kaum auf die drei anderen Palasthotels Gray d'Albion, Noga Hilton und Majestic aus. In den vier Palasthotels und einigen wenigen anderen Nobelherbergen an der französischen Riviera logieren traditionell die großen Festival-Stars.
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