| 09.15 Uhr

Die Geschichte der Trapps als kitschiger Heimatfilm

Was die österreichische Alpenlandschaft, Sonnenschein und adrett in Dirndl gekleidete Mädchen doch alles bewirken können. Ein früher Tod der Mutter, ein finanzieller Ruin und die drohende Machtübernahme der Nazis werden da fast zur Nebensache - zumal kristallklare Kinderstimmen das Geschehen begleiten. Die Geschichte der österreichischen Adelsfamilie von Trapp ist in den vergangenen Jahrzehnten gleich mehrfach verfilmt worden. Regisseur Ben Verbong versucht sich nun erneut daran. In "Die Trapp Familie - Ein Leben für die Musik" fühlt man sich in die heile Welt der Heimatfilme versetzt - allen Schicksalsschlägen zum Trotz. Von Britta Schmeis

Verbong erzählt diese Geschichte in langen Rückblenden: Die 15-jährige Kirsty von Trapp (Lauren Canny) sitzt in einem Provinzbahnhof im verschneiten Montana. Sie ist vor den Weihnachtsvorbereitungen der neuen Familie ihres Vaters geflüchtet. Ihre Großtante Agathe (Rosemary Harris) kommt hinterher und beginnt, dem Mädchen ihre eigene Geschichte zu erzählen, von dem Gefühl, verlassen zu sein und nicht mehr gebraucht zu werden. Agathe ist die älteste Tochter jener Trapp-Familie, die singend vor den Nazis in die USA flüchtete und von dort die Welt eroberte.

Schon wenig später drückt Verbong in der ersten Rückblende kräftig auf die Tränendrüse. Ausgerechnet zur Weihnachtszeit muss Agathes Mutter ins Krankenhaus - zum Sterben, wie die damals achtjährige Agathe (Eliza Bennett) ahnt. Nicht einmal den von ihr liebevoll eingepackten Schutzengel kann die Mutter noch auspacken. Agathe schwört, nie wieder zu singen und übernimmt fortan die Mutterrolle in der großen Trapp-Familie.

Verbong greift für seine Verfilmung auf die Autobiografie von Agathe von Trapp zurück und bedient sich in den Rückblenden arg bemüht der Parallelen des Vater-Tochter-Konflikts. Alles andere - Patchworkfamilie, Vertreibung, Verlustängste - erstickt in der Alpenidylle. Von Modernisierung keine Spur, stattdessen strahlende Glückseligkeit.

"Die Trapp-Familie", Österreich, Deutschland, USA, 2015. Regie: Ben Verbong. Buch: Tim Sullivan, Christoph Silber. Mit: Eliza Bennett, Yvonne Catterfeld. Laufzeit: 95 Minuten

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Die Geschichte der Trapps als kitschiger Heimatfilm


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.