Schrill, schräg, schön: "Die Tiefseetaucher": Moby Dick auf Drogen
VON DÖRTE LANGWALD - zuletzt aktualisiert: 16.02.2005 - 17:56Berlin (rpo). Eine Seefahrt, die ist lustig! Bill Murray schippert als alternder Tiefseeforscher auf’s Meer hinaus, um einen gefährlichen Jaguar-Hai zu fangen. Mit an Bord: Owen Wilson, Cate Blanchett und Anjelica Houston. In Berlin feierte das liebenswert bizarre Werk von Kult-Regisseur Wes Anderson ("Die Royal Tennenbaums") Deutschlandpremiere.
Schrill, schräg, schön: „Die Tiefseetaucher“ hat von allem etwas. Halb Komödie, halb Drama, und immer wieder auch eine Art Abenteuerfilm, schuf Regisseur Wes Anderson eine irrwirtzige Hommage an den berühmten Ozeanologen Jacques Coustau. Bill Murray spielt den Meeresforscher und Dokumentarfilmer Steve Zissou, der mit dem Leben hadert. Seine Frau (Anjelica Houston) will ihn verlassen, sein neuester Film ist gefloppt, und eines seiner Crewmitglieder wurde von einem gigantischen Jaguarhai gefressen. In dem verzweifelten Versuch, seinen Seelenfrieden wiederzuerlangen, setzt Zissou aus, um jenen Killer-Hai zu fangen. Zu seinem Team stoßen bald auch der naive Pilot Ned (Owen Wilson) - der behauptet, Zissous unehelicher Sohn zu sein - sowie die schwangere Reporterin Jane (Cate Blanchett).
Was an Andersons Werk vor allem besticht, sind seine überbordende Fantasie und die vielen skurrilen Details, die jedes Bild fast zu einem Happening machen. Kostüme und Kulissen sind ebenso berauschend, wie die Dialoge oftmals berauscht (Zissou hat stets eine Hanf-Zigarette parat). Willkommen in „Wes-World“, wie Anjelica Houston das wundersame Universum des Regisseurs bezeichnete. „Ich habe den Film bereits sechsmal gesehen und finde immer wieder neue Aspekte an ihm – natürlich nur, wenn ich gerade nicht zu sehr damit beschäftigt bin, mich selber auf der Leinwand zu bewundern“, scherzte Houston und erklärte weiter: „Auf den ersten Blick erscheint die Handlung simpel. Aber unterhalb der Oberfläche gibt es so viele Dinge zu entdecken. Ich glaube, ich habe den Film in seiner gesamten Fülle noch immer nicht ganz begriffen“.
Blanchett und Houston machen Dreherfahrungen
Cate Blanchett lobte Andersons persönliche Note, die er seinen Filmen verleiht: „Ich lese so viele Drehbücher, die im Grunde von jedem Regisseur verfilmt werden könnten. Wes hat hingegen seine eigene spezielle Handschrift und einzigartige Ideen“. Die Schauspielerin, die erst letzte Woche in London mit dem Britischen Filmpreis BAFTA ausgezeichnet wurde, hatte während der Dreharbeiten zu „Die Tiefseetaucher“ entdeckt, dass sie schwanger war – ironischerweise, als sie bei der Anprobe einer Schwangerschafts-Bauchprothese ohnmächtig wurde.
Ihre Kollegin Anjelica Houston machte hingegen ganz andere Erfahrungen: „Da wir in Rom gedreht haben, nutzte ich meine Drehpausen für Erkundungstouren durch die Stadt. Dabei lernte ich sehr viel über die Jungfrau Maria. Rom ist voll von Marienstatuen. Weniger angenehme Erfahrungen habe ich hingegen während der Dreharbeiten mit Haar-Extensions und grünen Kontaktlinsen gemacht“, erklärte Houston, die im Film mit blaugesträhnter Wallemähne und hellgrünen Augen wie eine schöne Rachegöttin aussieht.
Probleme mit dem Starrummel bei Presseterminen wie der Berlinale haben sowohl Blanchett als auch Houston nicht. „Ich empfinde das nicht als Zirkus, sondern im Gegenteil. Gerade als Frau wird man viel zu oft über Mode befragt. Bei Festivals hat man hingegen die Gelegenheit, auch mal über tiefschürfendere Aspekte seiner Arbeit zu sprechen. Das finde ich weitaus interessanter“. Anjelica Houston fügte hinzu: „Entweder, man mag uns oder nicht. Wir arbeiten zwar hart daran, dass man uns mag, aber beeinflussen kann man das nicht“.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






