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Interview: Dominik Graf und sein Bild der DDR

zuletzt aktualisiert: 24.02.2006 - 08:00

Dresden (rpo). Der Mauerfall ist zwar bereits einige Jahre her, doch die DDR ist als Thema vor allem in deutschen Kinofilmen noch immer aktuell. Regisseur Dominik Graf drehte mit "Der rote Kakadu" eine Geschichte über die Zeit kurz vor dem Mauerbau. Im Interview spricht er über die beiden unterschiedlichen deutschen Republiken, die Liebe und unausgelebte Möglichkeiten.

Herr Graf, Sie haben mit ihrem jüngsten Film" Der Rote Kakadu" eine Geschichte aufgegriffen, die in der früheren DDR spielt. Ist die DDR im Kino fast 16 Jahre nach der Wiedervereinigung überhaupt noch aktuell? 
Dominik Graf: Ich glaube, dass das Thema in seiner Ganzheit, in seiner Auslotung und in seiner Tiefe noch extrem gefragt ist. Es geht um das Ausloten und um die Möglichkeiten eines anderen Deutschlands, das vielleicht mal irgendwie möglich war, bevor die Politiker das alles wieder in Grund und Boden gerichtet haben. Die DDR wird uns im Kino oder in der Literatur noch eine ganze Weile beschäftigen.

Wo liegt denn das größere Interesse an diesem früheren Staat, im Osten oder im Westen Deutschlands?
Es ist nicht das Interesse an einem Staat oder an einem Staatssystem, das die DDR am Ende ja war. Es geht vielmehr um das Interesse an einer ursprünglichen Idee, ein anderes Deutschland aufzubauen, als in der alten Bundesrepublik.

Weiß die heutige junge Generation in Ostdeutschland eigentlich genug über die DDR und das damals geführte Leben vor 1990 oder gibt es heute nur noch Klischeevorstellungen?
Ja, natürlich gibt es noch Klischeevorstellungen. Die DDR wurde nach 1990 im Fernsehen mit Stasidramen und irgendwelchen Kofferträgern aufgearbeitet, die durchs Bild huschten. Staatssicherheit hieß das bedrohende Wort. Und dann kamen die Filme "Sonnenallee" und "Good Bye Lenin" in die Kinos und die DDR wurde plötzlich so eine Art fröhlicher Kabarettstadl. Irgendwie hat die DDR ja auch selbst dazu beigetragen. Jetzt sind wir 15 Jahre weiter.

Wie sind Sie gerade darauf gekommen, den "Roten Kakadu" zu produzieren? 
Ich fand das Buch von Autor Michael Klier gut. Es ist ein unhistorischer Stoff, er ist so wunderbar impressionistisch und erzählt eine Zeit anstatt sie so dramatisch im Detail abzuhaken.

Es gibt neben der "Sonnenallee" und "Good Bye Lenin" noch die "NVA". Alles Filme, die die DDR beleuchten. Wo würden Sie da Ihren Film einordnen?
Ich weiß nicht, ob er sich in diese Reihe einordnen lässt. Sicherlich hat "Good By Lenin" die Straße für das Thema DDR im Kino bereitet. Es ist ein Erinnerungsthema und davon profitiert der Kakadu schon.

In Ihrem Film erzählen Sie eine unerfüllte und tragisch endende Liebesgeschichte in der Dresdner Kakadu-Bar, die es ja wirklich gegeben hat, kurz vor dem Mauerbau im Jahre 1961. Eignen sich Liebesgeschichten für das Thema DDR?
Beim Kakadu ist es so, dass es halt eine unausgelebte Liebesgeschichte ist. Sie steht auch für die unausgelebten Möglichkeiten, die die DDR gehabt hätte, wenn sie einen anderen Weg gegangen wäre. Es geht um das Ideal einer Frau, aber eben auch um das Ideal einer Chance, die man mit diesem Land DDR gehabt hätte.

Sie stammen aus München und haben sich an einen Stoff herangewagt, der die DDR beschreibt. Ist das ehrlich? 
Warum sollte es nicht ehrlich sein. Mein Film ist ganz deutlich und sichtbar der Film eines Westdeutschen, der versucht, sich die DDR so authentisch wie möglich vorzustellen. Das schließt auch die Chancen mit ein, die man sich als Westdeutscher in diesem Land vorgestellt hat.

Quelle: ap

 
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