70. Geburtstag: Donald Sutherland ist Hollywoods Bösewicht
zuletzt aktualisiert: 17.07.2005 - 06:15Frankfurt/Main (rpo). Sein Gesicht kennt jeder, der sich für Filme interessiert. Die Augen durchdringend, das Lächeln bisweilen gefrierend: Donald Sutherland. Obwohl seine große Zeit in den Kino-Produktionen der siebziger Jahre liegt, wirkt er doch auch bei aktuelleren Filmen wie "Unterwegs nach Cold Mountain" mit. Am Sonntag feiert der Kanadier seinen 70. Geburtstag.
Sutherland gehört zu jenen Stars, die es nie zum Kassenmagneten oder zum Sympathieträger gebracht haben, aber auf die nicht gerne verzichtet wird. Denn der Mime gehört zu den profiliertesten Darstellern des internationalen Films. In seiner großen Zeit glänzte er 1970 erst als chaotischer Chirurg in Robert Altmans genialer Militärsatire "Mash", dann verkörperte er ein Jahr später eindrucksvoll an der Seite von Jane Fonda einen wortkargen Privatdetektiv auf der Spur eines perversen Mörders. Jane Fonda bekam für ihre Darstellung einer Prostituierten damals den Oscar. Sutherland, der auf den Plakaten in gleicher Größe stand, ging hingegen leer aus. Das sollte sich auch künftig und bis heute nicht ändern. Sutherland, als Charakterdarsteller von Rang allseits anerkannt, hat nie eine große Auszeichnung wie den Oscar oder den Golden Globe zuerkannt bekommen.
Vielleicht liegt das auch an den vielen Bösewichten, die er im Laufe seiner Karriere spielte. Für diesen Rollentyp brachte er schon vom Äußeren beste Voraussetzungen mit, wirkte er doch stets etwas düster, arrogant und kalt. Besonders eindrucksvoll spielte der privat ganz anders geartete Kanadier diese Kino-Eigenschaften 1981 in der Verfilmung von Ken Follets Thriller "Die Nadel" aus. Sutherland spielte einen deutschen Agenten im England des Zweiten Weltkriegs, der über Leichen geht für seinen Auftrag. Und in Bernardo Bertoluccis Epos "1900" verkörperte er höchst glaubwürdig einen sadistischen Gutsverwalter als Art Prototyp des italienischen Faschismus.
Die berühmte Liebesszene mit Julie Christie
Auch die beiden wohl besten Rollen in der Leinwandkarriere Sutherlands haben mit Italien zu tun: 1973 agierte er zusammen mit Julie Christie als am privaten Kummer gebrochener Restaurator in dem immer noch sehenswerten Klassiker "Wenn die Gondeln Trauer tragen". Es ist eine düstere, abgründige und auch gruselige Geschichte vor der Kulisse Venedigs, die Sutherland auf der Höhe seines Könnens zeigt. Die große Liebesszene des Films mit Julie Christie ist von einer Virtuosität und Raffinesse, die nie übertroffen wurde.
Drei Jahre später war Sutherland "Fellinis Casanova". In der eigenwilligen Interpretation des großen italienischen Kinokünstlers zeigte er den Verführer als tragikomische Figur, die Federico Fellini selbst als "Marionette, die die Welt mit steinernen Augen betrachtet" beschrieb. Der Film war kommerziell ein Reinfall, künstlerisch aber ein Triumph, der zum Gutteil Sutherlands Darstellung zu verdanken war. All das ist lange her. Im Alter ist aus dem brillanten Bösewicht und Verführer ein imposanter Bärtiger geworden, der auch in Nebenrollen sofort Präsenz entfaltet und selbst schwächeren Filmen Bedeutung verleiht.
Donald Sutherland ist nicht nur ein in Toronto und London gut ausgebildeter Bühnenschauspieler, er hat auch in jungen Jahren ein Ingenieur-Diplom erworben. Nach zwei gescheiterten Ehen lebt er seit vielen Jahren mit der franko-kanadischen Kollegin Francine Racette zusammen, das Paar hat drei Söhne. Aus der zweiten Ehe stammen die Zwillinge Rachel und Kiefer, der selbst eine erfolgreiche Filmkarriere einschlug. In der kanadischen Heimat besitzt der Schauspieler eine Farm, eine Wohnung in Paris garantiert den Genuss jener Küche, die der bekennende Feinschmecker schätzt. Nach Hollywood zieht es Donald Sutherland nur, wenn Dreharbeiten anstehen. Und das wird auch künftig noch zur Freude des Publikums der Fall sein.
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