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Ersten Filme des dänischen Regisseurs wieder im Kino: Dreimal Europa, dreimal von Trier

zuletzt aktualisiert: 10.05.2005 - 11:53

Köln (rpo). Mit seinem jüngsten Film "Manderlay", dem zweiten Teil seiner "Amerika"-Trilogie, ist Lars von Trier bei den am Mittwoch beginnenden Filmfestspielen in Cannes vertreten. Während das Werk des dänischen Regisseurs in Frankreich im Wettbewerb gezeigt wird, können Cineasten in Deutschland ab Donnerstag die ersten drei Streifen des 49-Jährigen, seine "Europa"-Trilogie, im Kino sehen.

Nach dem Eklat, den Lars von Trier mit seinen Nazi-Äußerungen ausgelöst hat, wurde er von der Festivalleitung zur unerwünschten Person erklärt.  Foto: RPO
Nach dem Eklat, den Lars von Trier mit seinen Nazi-Äußerungen ausgelöst hat, wurde er von der Festivalleitung zur unerwünschten Person erklärt. Foto: RPO

Am Donnerstag startet hierzulande "Epidemic" in den Kinos, der zweite Film des 49-Jährigen. Das düstere Drama aus dem Jahr 1987 entstand als zweiter Beitrag der "Europa"-Trilogie und war bisher nicht auf deutschen Leinwänden zu sehen. Der kleine Filmverleih Real Fiction macht nun mit "Epidemic", "The Element of Crime" (1984) und "Europa" (1991) erstmals die frühe Trilogie des Ausnahmeregisseurs als Ganzes für Cineasten zugänglich. Der Erstling "Element of Crime" ist bereits seit 10. März im Kino-Einsatz, "Europa" kommt als Wiederaufführung am 21. Juli heraus.

Mit seinen visionären und höchst erfindungsreichen Arbeiten hat das Regie-"Wunderkind" wie kaum ein zweiter Regisseur das Kino der vergangenen zwanzig Jahre erneuert, auch wenn er wegen seiner märtyrerhaften Frauenfiguren auch viel Schelte einstecken musste. Mit der Filmemachergruppe "Dogma 95" schrieb von Trier Filmgeschichte, verhalf dem dänischen Filmschaffen zu Weltgeltung und beeinflusste eine Generation von Kollegen.

Mit dem surrealen Krimi-Alptraum "Element of Crime" und dem bildgewaltigen Endzeit-Drama "Europa" teilt "Epidemic" die düstere Atmosphäre, hochartifizielle Bildarrangements und das Motiv der Hypnose. Mit allen drei Filmen will von Trier die Traumata Europas in der Zukunft beleuchten. Als gemeinsamen Punkt der Trilogie gibt er an: "Ein Idealist begibt sich in eine gefährliche Umgebung und ist am Ende auch korrupt."

Filmhorror wurde Realität

So auch der in Schwarz-Weiß gedrehte "Epidemic", eine kunstvolle "Film-im-Film"-Variante. Durch eine Computerpanne wird das Drehbuch zum Film "The Whore and the Cop", an dem Lars von Trier und sein Autor Niels Vorsel anderthalb Jahre geschrieben haben, gelöscht. Ihnen bleiben nur fünf Tage, um das Skript abzuschließen.

Statt den Stoff zu rekonstruieren, konzipiert das Duo den neuen Horrorfilm "Epidemic" über eine tödlichen Seuche in Deutschland. Dessen Held, der Arzt Dr. Mesmer (ebenfalls von Lars von Trier gespielt), will den Notleidenden helfen. Erst als das Drehbuch fertig ist und eine junge Frau unter Hypnose für den skeptischen Produzenten den Filmhorror glaubhaft beschreiben soll, entdecken von Trier und Vorsel, dass die Filmseuche in die Realität gewechselt ist.

Während Cineasten die clevere Verzahnung von Fiktion und Realität und etliche Filmzitate goutieren werden, stellen manche überlangen Einstellungen die Geduld der Zuschauer auf die Probe. Wie in den anderen Filmen der "Europa"-Trilogie variiert der experimentierfreudige Autorenfilmer hier wieder seine These von der Seelenverwandtschaft zwischen Kino und Hypnose. Auch wenn die spröde Low-Budget-Produktion nicht zu von Triers Meisterwerken zählt, so lässt sie doch sein großes Talent erkennen und nimmt wichtige Gestaltungsmittel späterer Werke vorweg.

Quelle: afp

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