Die "Twilight"-Saga geht weiter: "Eclipse" ist brutaler und düsterer
VON PHILIPP HOLSTEIN - zuletzt aktualisiert: 12.07.2010 - 21:42Düsseldorf (RP). Der dritte Teil der Verfilmung von Stephenie Meyers Jugendbuch-Reihe kommt nun auch in Deutschland in die Kinos. "Eclipse – Biss zum Abendrot" bietet mehr Action und Fantasy als seine sensationell erfolgreichen Vorgänger. Die höhere Geschwindigkeit geht indes auf Kosten der Atmosphäre.
Diese Filmreihe hat den Anspruch, ein eigenes Kunstwerk zu sein, das macht sie so besonders. Inhaltlich sind die "Twilight"-Verfilmungen zwar der Jugendbuchserie von Stephenie Meyer verpflichtet, aber ästhetisch neigen sie doch zur Unabhängigkei und überragen die Vorlage.
Es geht um die Liebe zwischen Bella Swan (Kristen Stewart), dem schönen Menschenkind, und Edward Cullen (Robert Pattinson), dem zur Entsagung bereiten Vampir, der Volvo fährt und dessen Haut im Sonnenschein unwiderstehlich glitzert. Sie leben in der regenschweren Stadt Forks im Norden der USA, sie gehen zur Schule, die Wälder sind urwüchsig, und es ist alles nicht so leicht. Zumal da auch noch Jacob Black (Taylor Lautner) ist, Indianersohn und Werwolf, und ehrlich besorgt um Bella.
Info
Das Fanbuch "Die "Twilight"-Saga – zum Beißen schön" erscheint zum Filmstart von "Eclipse – Bis(s) zu Abendrot" im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf zum Preis von 14,95 Euro.
Fotos aus dem Band sehen Sie in unserer Fotostrecke.
Essay über das Zeitgefühl einer verliebten Frau
Der erste Film, "Twilight – Biss zum Morgengrauen", war ein feinfühliger, mit großem Stilbewusstsein inszenierter Film über das Jungsein. Sein Nachfolger "New Moon – Biss zur Mittagsstunde" geriet noch besser; ein Essay über das Zeitgefühl einer verliebten Frau war das, eine atmosphärisch hochverdichtete Studie über das Verweilen. Beide spielten jeweils mehr als 700 Millionen Dollar ein, ein gigantischer Erfolg. Nun kommt also Teil drei bei uns ins Kino, in den USA hat er binnen einer Woche 180 Millionen Dollar in die Kassen gespült.
"Eclipse – Biss zum Abendrot" ist brutaler und düsterer als die Vorgänger. Gleich in der ersten Szene wird ein junger Kerl von unsichtbaren Gegnern aufs übelste verdroschen. Der Biss, der Schrei, das Blut, fürchterlich. Bald wird klar, dass Bellas Erzfeindin, die Vampirin Victoria, hinter der Schandtat steht. Sie rekrutiert ein Heer aus so genannten "Neugeborenen", das sind Vampire in den ersten sieben Monaten nach dem Biss – in dieser Zeit haben sie die meiste Kraft, und mit der sollen sie Bella vernichten. Das ist der Grundbass: Die Liebe muss im Kampf verteidigt werden, es wird zum Äußersten kommen.
Jede "Twilight"-Episode hatte einen anderen Regisseur. Auf Catherine Hardwicke folgte Chris Weitz. Nun bekam der 40-jährige David Slade, ein Experte in Sachen Horror, den Auftrag, Männer ins Kino zu locken. Rund 80 Prozent der "Twilight"-Fans sind nämlich Frauen, und mit seiner robusten Mischung aus Fantasy-Epos und romantischer Komödie erreicht Slade sein Ziel offenbar: 15 Prozent mehr Männer lösten ein Ticket für Teil drei, heißt es aus den USA.
"Ich bin heißer als du"
Mehr Action und auch mal eine Anzüglichkeit, das ist das Rezept. Die Mitglieder von Edwards edler Familie, des stets wie fürs Plattencover-Shooting einer Musikgruppe aufgereihten Vampirclans Cullen, erzählen in Rückblenden die wüsten Geschichten ihres Untotseins. Sie reichen bis in die Zeit des Bürgerkriegs. In den allzu durchchoreografierten Kampfszenen der finalen Schlacht spritzt Schlamm.
Und in der besten Szene streiten Jacob und Edward über der im Schnee schlafenden Bella, wer der bessere Freund für das Mädchen wäre. Der warmblütige Werwolf wähnt sich klimatisch im Vorteil gegenüber dem kalten Vampir: "Ich bin heißer als du." Es ist der Wettstreit zwischen Geist und Körper. Und tatsächlich überlebt Bella die Kälte nur, weil Jacob sich an sie schmiegt. Das Sympathiependel schwingt in Jacobs Richtung, bei Bella und beim Zuschauer.
Es sind rasante zwei Stunden, in denen jedoch ein großer Teil der Atmosphäre verloren geht, die Teil eins und zwei zu außerordentlichen Filmen gemacht hat. Die Wirklichkeit, der Bezug zum jugendlichen Alltag ist Regisseur Slade nicht so wichtig, er setzt voll auf die Sphäre des Fantastischen. Er inszeniert die Natur nicht mehr als Spiegel der aufgewühlten Seelen, sondern geht prosaisch zu Werke.
Während Teil eins und zwei so inszeniert waren, dass sie auch als das Gegenteil von dem geschaut werden konnten, was sie vorgaben zu sein, spart sich Slade jede Überhöhung. Das gibt seinem Film etwas Plumpes. Außerdem agieren die Darsteller neben Kristen Stewart wie Chargen. Die 20-Jährige ist in ihrer Rolle gereift, sie überstrahlt diesen Film.
Am Ende geht es darum, ob man entsagt und wenn ja, wie lange. Bella hat zwei Alternativen. "Erst heiraten", fordert Edward. "Mit mir ist es so einfach wie atmen", verspricht Jacob. Sie muss sich entscheiden.
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