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Filmfestspiele Berlin 2006: "Elementarteilchen" enttäuscht auf Berlinale

zuletzt aktualisiert: 11.02.2006 - 17:12

Berlin (rpo). Der erste deutsche Filmbeitrag auf der Berlinale, die Verfilmung des französischen Erfolgsromans "Elementarteilchen", war mit Spannung erwartet worden. Der Film wartet mit Starbesetzung auf, Moritz Bleibtreu, Christian Ulmen, Franka Potente und Martina Gedeck sind dabei. Doch nach der Pressevorführung herrschte betretenes Schweigen. Der Film enttäuschte auf der ganzen LInie.

Oskar Roehler, der für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnet, konnte nur in wenigen Szenen der vieldiskutierten Vorlage des französischen Schriftstellers Michel Houllebecq gerecht werden.

Der Film scheitert nicht daran, dass die Handlung nach Deutschland verlegt wurde oder die komplexe Romanhandlung auf zwei wesensverschiedene Halbbrüder konzentriert wurde. Vielmehr mangelt es Roehler an jener Kälte der Darstellung von Einsamkeit und Verzweiflung postmoderner Individuen, mit denen der französische Schriftsteller so viel Furore gemacht hat. Selbst das wäre noch zu verschmerzen gewesen, wenn sich der Regisseur zu einer konsequenten Melodramatisierung oder zumindest Erotisierung der an Sexszenen reichen Geschichte entschieden hätte. Denn es war von vornherein klar, dass die zeitgeistkritischen Reflexionen des 1998 erschienenen Romans nicht filmisch umsetzbar sein würden.

Doch was auf der Leinwand zu sehen ist, kann fast nie überzeugen. Weder der emotionale Autismus des Molekularbiologen Michael, der von Christian Ulmen gespielt wird, noch der sexuelle Dauernotstand seines Halbbruders Bruno, den Moritz Bleibtreu verkörpert, lösen beim Betrachter nach anfänglichem Interesse wirkliche Anteilnahme oder doch wenigstens Aggressionen aus. Es geht schlichtweg viel zu oft viel zu bieder auf der Leinwand zu. Und Nina Hoss ist als verantwortungslos egozentrische Hippie-Mutter der Brüder völlig fehlbesetzt. Die im Buch erbarmungslose Abrechnung mit der 68er-Generation gerät im Film allzu läppisch und bleibt deshalb kraftlos.

Eichingers fragwürdiger Anteil

Allerdings gelingt Roehler in der gespenstischen Sterbeszene dieser Rabenmutter der stärkste Moment des Films, in dem auch Bleibtreu zu großer Form aufläuft. Ansonsten wird der deutsche Jungstar nun schon zum wiederholten Male als notorischer Onanierer präsentiert, was hoffentlich kein ständiges Rollenbild von Bleibtreu wird. Franka Potente als Michaels Jugendliebe Annabelle, die den schüchternen Mann spät entjungfert, muss zu oft traurig sein. Und Martina Gedeck als tragisch endende Lehrerin Christiane wirkt im Swingerclub ebenso verloren wie in der Handlung. Uwe Ochsenknecht, Herbert Knaup und Corinna Harfouch haben Kurzauftritte, in denen sie ihre Fähigkeiten jedoch nur aufblitzen lassen können.

Hat der Film in der ersten Stunde trotz einiger Peinlichkeiten wie Brunos missglückte Schulmädchenaffäre durchaus einige witzige oder groteske Stellen, so gerät er in der letzten halben Stunde in akute Atemnot. Da hilft es auch nicht, dass Roehler in diesem Schlussteil voll auf Melodrama setzt. Das allerdings konnte der späte Rainer Werner Fassbinder vor über 20 Jahren schon einmal weit besser. Houellebecqs «Elementarteilchen» sind ein faszinierender Roman und ein ganz schwieriger, gleichwohl reizvoller Filmstoff. Um diesen ähnlich faszinierend auf die Leinwand zu bringen, bedürfte es einer psychologisch und stilistisch viel schlüssigeren Interpretation als der von Oskar Roehler und Produzent Bernd Eichinger.

Dessen Rolle bei diesem im Berlinale-Wettbewerb nun leider gescheiterten deutschen Beitrag war vielleicht ganz und gar nicht positiv, wie eine Äußerung Roehlers über den Anteil Eichingers an der Arbeit verrät: «Er schafft es ganz instinktiv, einen Roman wie 'Elementarteilchen' auf die Film- und Bildsprache herunterzubrechen.» Besonders das letzte Wort reizt zu der Feststellung: Das wäre Houellebecq und dem Kinopublikum in Berlin und ab dem 23. Februar auch der gesamten Republik besser erspart geblieben.

Quelle: afp

 
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