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"Erlösung"
Die Rückkehr der finsteren Kommissare

"Erlösung" mit Fares Fares: Die Rückkehr der finsteren Kommissare
Fares Fares als Assad (l.) und Nikolaj Lie Kaas als Carl Mørck in einer Szene aus dem Film "Erlösung". FOTO: Henrik Ohsten
Düsseldorf. "Erlösung" ist die dritte Verfilmung eines Thrillers von Jussi Adler-Olsen. Große Freude macht wieder einmal das Ermittlerduo. Von Martin Schwickert

Dänemark ist ein tapferes, kleines Filmland, das seine eigenen Erzählformen entwickelt und gegen Europudding und Hollywood-Mainstream verteidigt hat. Die "Dogma"-Bewegung und ihr provokanter, auf die emotionale Essenz zielender Minimalismus dauerte nur ein paar Jahre, aber sie verschaffte dem dänischen Kino Selbstbewusstsein und internationale Aufmerksamkeit. Seitdem überzeugen die Filme aus dem nördlichen Nachbarland immer wieder durch ihren nonkonformistischen Blick und eine narrative Dringlichkeit, wie man sie im europäischen Kino selten findet. Das Spektrum reicht von getriebenen Dramen wie Susanne Biers Oscar-Gewinner "In einer besseren Welt" über unorthodoxe Kostümfilme wie Nikolaj Arcels "Die Königin und der Leibarzt" bis zu düsteren Verfilmungen der Jussi-Adler-Olsen Romane, die sich selbstbewusst in Konkurrenz zur schwedischen "Millennium"-Trilogie stellen.

Mit "Erlösung" kommt nun nach "Erbarmen" und "Schändung" der dritte Teil des dänischen Franchise-Unternehmens ins Kino und beweist erneut, dass man sich an klug geschriebenen, unkonventionellen Charakteren nicht sattsehen kann. Der von Nikolaj Lie Kaas gespielte Ermittler Carl Mørck ist vielleicht der finsterste aller Film-Noir-Kommissare. Zutiefst depressiv, subordinationsresistent und kommunikationsunfähig haben ihn die letzten beiden Fälle nur noch tiefer in die eigenen seelischen Abgründe stürzen lassen. Nach einer Auszeit kehrt er zurück in die Sonderabteilung Q, wo gerade eine alte Flaschenpost auf dem Tisch liegt: ein mit Blut geschriebener Hilferuf eines Jungen, der vor Jahren spurlos verschwunden ist, ohne dass die Eltern eine Vermisstenanzeige gestellt hatten.

Ein ähnliches Muster zeigt sich nun in einem neuen Entführungsfall, der in Jütland gemeldet wird. Die Eltern sind genau wie damals Mitglieder der freikirchlichen Gemeinde "Die Schüler des Herrn", behaupten, die Kinder seien bei der Tante in Schweden, und wollen sich dem rüden Kommissar nicht öffnen. Carls muslimischer Partner Assad (Fares Fares) ist es, der über religiöse Vorurteile hinweg den Weg zur Zusammenarbeit ebnet. Im Vergleich zu den ersten beiden Folgen hat der Fall von "Erlösung" weniger Tiefe und Spannungspotenzial, was vor allem daran liegt, dass Regisseur Hans Petter Moland dem Publikum einen zu großen Wissensvorsprung einräumt.

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Die Beziehungsdynamik der beiden unterschiedlichen Ermittler hingegen funktioniert wieder ausgezeichnet. Der verbitterte Griesgram und der sanftmütige Kollege bilden ein Idealpaar, auch weil sich die Figuren immer wieder gegen mögliche Stereotypisierungen aufbäumen. Die Diskurse des nihilistischen Atheisten Carl und des moderaten Muslim Assad über Sinn, Zweck und Notwendigkeit eines Glaubens, der über die Grausamkeit des Diesseits hinaus verweist, geben dem Krimiplot ganz unprätentiös eine lebensphilosophische Fundierung.

Wie seine Vorgänger findet auch Hans Petter Moland für das Finale mit einem Bootshaus im Wattenmeer eine sehr interessante Showdown-Kulisse, deren dramatische Möglichkeiten denn auch gründlich und effektvoll ausgelotet werden. "Erlösung" bietet solides nordisches Krimihandwerk mit einem nach wie vor interessanten, inkohärenten Ermittlerduo, dem man auch in Zukunft gerne bei der Arbeit zusehen wird.

Erlösung, Dänemark, BRD, Schweden, Norwegen 2016 - Regie: Hans Petter Moland, mit Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares, Pål Sverre Hagen, 112 Min.

Quelle: RP
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