"Das Leben der anderen" und Co.: Ernste Filme aus Deutschland gefragt
VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 17.07.2009 - 14:25Köln (RP). Stars sind Hoi Wong völlig egal. Wenn der Filmeinkäufer aus Hong Kong in Deutschland neue Produktionen sichtet, interessiert ihn nur die Handschrift des Regisseurs, deutsche Berühmtheiten kennt in Hong Kong sowieso niemand.
"Aber es gibt Zuschauer, die europäische Filme mögen, weil sie verwickelter sind", sagt Hoi Wong und fängt an zu lachen, "allerdings gibt es manchmal auch Missverständnisse: Wir haben mal ,Caché' von Michael Haneke gezeigt, da haben die Leute sich beschwert, weil sie dachten, der Schluss sei abgeschnitten worden, dabei hat der Film ja nur ein offenes Ende, aber das kennt man bei uns nicht."
Einmal im Jahr kommen Filmeinkäufer aus aller Welt nach Köln, um aktuelle Produktionen anzuschauen – und vielleicht schon einzukaufen, bevor sie auf Festivals laufen. "Wenn ein Film ausgezeichnet wird, steigt der Preis", sagt Alfredo Friedlander aus Argentinien, "darum kann man im Vorfeld günstiger einkaufen, wenn man sich traut." So hat sich das Branchentreffen in Köln etablieren können. Auch schätzen die Einkäufer die persönliche Atmosphäre, bei der sich eher Kontakte knüpfen lassen als bei den hektischen Filmmärkten am Rande der großen Festivals in Cannes, Berlin oder Venedig. So haben die "German Screenings" vor acht Jahren mit nur 16 Teilnehmern begonnen, in diesem Jahr folgten 80 Einkäufer aus aller Welt der Einladung von German Films, der deutschen Organisation zur Bewerbung des deutschen Films im Ausland, und der Filmstiftung NRW. Und die Förderinstitute verwöhnen ihre Gäste. Nach stundenlangem Filmsichten gibt es dann schon mal eine Einladung zum Abendessen in das Grandhotel Schloss Bensberg.
Fragt man die Einkäufer, was bisher in ihren Ländern gut gelaufen sei, erhält man überraschend einhellige Antworten. Immer wieder ist von "Good bye, Lenin!", "Der Untergang", "Das Leben der Anderen" die Rede. "Der deutsche Film steht für politisch-historische, eher ernste Filme", sagt Miguel Perez aus Spanien. Komödien ließen sich nur schwer in andere Kulturen übertragen, und – fügt der Spanier verschmitzt hinzu – in seinem Land glaubten die Menschen ohnehin, dass die Deutschen keinen Humor hätten. Auch der Argentinier Friedländer ist hauptsächlich an Dramen interessiert. ",Vier Minuten', ,Die Fälscher' – solche Werke sind bei uns erfolgreich", sagt er. Die deutsche Geschichte liefere nun mal gute Filmstoffe, außerdem seien die Schauspieler überzeugend. In Argentinien kommen pro Jahr 300 Filme ins Kino, die Hälfte davon aus den USA. Einen großen Anteil machen auch Werke heimischer Regisseure sowie französische und britische Filme aus. "Doch an Platz vier kommen schon die deutschen Filme", so Friedlander, "wegen ihrer Qualität."
Überraschenderweise verkaufen sich gerade jene Filme gut, denen man die deutsche Herkunft deutlich anmerkt. "Die Leute wollen nationale Eigenarten im Film beobachten", sagt German-Films-Direktor Christian Dorsch. "Da spielt das Genre kaum eine Rolle, nur verwechselbar dürfen die Filme nicht sein." Allerdings gibt es auch Skeptiker unter den Filmeinkäufern. Ein Gast aus Frankreich hört hocherfreut, wie der Kollege aus Hong Kong den französischen Film lobt und meint dann trocken: "In Deutschland gibt es doch gerade keinen großen Regisseur – darauf warten wir seit Fassbinder."
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