62. Filmfestspiele von Venedig: Eröffnung mit blutiger Säbel-Symphonie
VON DÖRTE LANGWALD - zuletzt aktualisiert: 31.08.2005 - 18:32Venedig (rpo). Rollende Köpfe, spritzendes Blut – das Filmfest in Venedig startet mit einem martialischen Historienepos. "Seven Swords" heisst der Eröffnungsfilm des chinesischen Regisseurs Tsui Hark. Ebenso ungewöhnlich wie der knallharte Kung-Fu-Auftakt des Festivals sind auch die scharfen Sicherheitsvorkehrungen am Lido: Aus Angst vor Anschlägen werden Stars und Journalisten rund um die Uhr von Videokameras bewacht. Zahlreiche Metalldetektoren sorgen zudem überall für lange Warteschlangen.
Es sind Bilder von rauer Gewalt: Klingen und Pfeile schnellen durch die Luft, archaische Waffen bohren sich durch Körper hindurch, das Blut fließt in Nahaufnahme. Tsui Harks Martial-Arts-Spektakel "Seven Swords" ist sicher nicht der typische Eröffnungsfilm für das charmante Filmfest in der Lagunenstadt. Festivaldirektor Marco Müller begründete seine außergewöhnliche Wahl damit, dass er dem asiatischen Kino Tribut zollen wolle. So sei Asiens Filmindustrie derzeit weltweit die einzige, die den Mut habe, in neue cineastische Dimensionen vorzudringen, sagte Müller. Neu ist an dem Werk von Tsui Hark vor allem die atemberaubende Inszenierung der Kampfszenen. Der chinesische Regisseur ("A Chinese Ghost Story") verzichtete auf großartige CGI-Effekte, konzentrierte sich statt dessen auf authentisch wirkende Fights – eine bewusste Besinnung auf die Wurzeln der asiatischen Kampfkunst und damit auch eine Absage an jüngere Asia-Action-Hits wie “Hero“ oder “Tiger and Dragon“.
Kampf der sieben Schwerter
"Seven Swords" erzählt die Geschichte von sieben Schwertkämpfern, die im China des 17. Jahrhunderts um Gerechtigkeit kämpfen. Aus Angst vor Revolten hat die neu etablierte Ching-Dynastie ihren Untertanen verboten, Martial Arts auszuüben. Ein kleines Dorf widersetzt sich diesen Anweisungen und gerät so in die Schusslinie einer Gruppe von sadistischen Söldnern, die im Auftrag der Regierung Widerständler ermorden. Hilfe erhalten die Dorfbewohner von den sieben Schwertkämpfern, deren Waffen schier unmenschliche Kräfte verleihen. In perfekt choreographierten Schwertkämpfen – kreiert von Altmeister Lau Kar-Leung ("The 36th Chamber of Shaolin") – erteilen die Klingenvirtuosen den brutalen Söldnern eine Lektion.
Kung Fu als Psychotherapie
Ein Film, der geprägt ist von knallharten Actionszenen. Doch im Gegensatz zum gewöhnlichen Kung-Fu-Film beschränkt sich "Seven Swords" nicht nur auf eine Aneinanderreihung von furiosen Fights. Vielmehr war Hark daran gelegen, traditionelle Werte wie menschlichen Zusammenhalt, Vertrauen und Ehrgefühl zu vermitteln. So bezeichnete der Regisseur sein Werk als “Psychotherapie für die moderne Zivilisation“. Immer wieder stelle er fest, sagte Hark, dass sich die Menschen heutzutage nach Romantik und Leidenschaft sehnen – als Gegengewicht zu der Technologisierung unserer Welt. Dieses Verlangen habe er mit "Seven Swords" bedienen wollen.
"Hero"-Star Donnie Yen
Ein Manko des virtuos inszenierten Films sind die teilweise sehr stark stilisierten Dialoge, die sich asiatischer Mythen bedienen. Manch westlichem Zuschauer mag sich da der Sinn der bedeutungsschwangeren Worte nicht erschliessen. Positiv hingegen fiel das starke Schauspieler-Ensemble auf, allen voran der internationale Action-Star Donnie Yen ("Hero", "Blade 2"). Der schaffte einst seinen Durchbruch mit Tsui Harks "Once upon a time in China II". Seine finale Kampfszene mit Jet Li gilt bis heute als legendär. Yen freute sich, dass das Interesse an Action aus Asien zugenommen hat. “Früher galten Martial Arts-Filme als reines Kung-Fu-Gemetzel, das man sich samstagnachmittags in kleinen Kinos anschaute. Inzwischen ist es ein anerkanntes Genre geworden, das sogar zu Oscar-Würden gekommen ist“, sagte Yen. Einen Goldenen Löwen wird "Seven Swords" hingegen nicht gewinnen können – der Film läuft außerhalb des Wettbewerbs. In Deutschland wird "Seven Swords" ab Januar 2006 in den Kinos laufen.
Doerte Langwald
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