Award für Nachwuchsfilmer: Erste Film-Schritte bei "First-Steps"
zuletzt aktualisiert: 23.08.2004 - 11:42Berlin (rpo). Frische Ideen und unverbrauchte Regisseure können die Zuschauer beim "First Steps"-Award beobachten. Der Preis wurde 1999 von Bernd Eichinger und Nico Hoffmann initiiert, seitdem erblickten viele hervorragende Produktionen die Leinwand. Am Dienstag wird der Preis in Berlin zum fünften Mal verliehen.
In diesen Jahren hat Andrea Hohnen beinahe jeden deutschen Abschlussfilm gesehen. "Es ist eine Generation an Filmemachern herangewachsen, die zum einen ein großes Interesse daran hat, ein Publikum zu erreichen und zum anderen die Fähigkeit, genau zu erkennen, was in den verschiedenen Segmenten des Marktes machbar ist", bilanziert sie. Und sie muss es wissen. Hohnen ist Programmleiterin des Nachwuchsfilmer-Preises "First Steps", der am Dienstag zum fünften Mal in Berlin verliehen wird.
Eichinger und Hofmann wollten in einer Zeit, als Produzenten, Verleiher und Redakteure sich um die Talente der sechs deutschen Filmhochschulen rissen, eine Plattform für den Nachwuchs schaffen. "First Steps" sollte den Jungfilmern den Einstieg in den Beruf erleichtern.
Das Konzept hat sich bewährt. Viele der in den vergangenen Jahren Nominierten haben inzwischen ihre ersten erfolgreichen Filme auf den Markt gebracht. Zu ihnen gehören Achim von Borries ("Was nützt die Liebe in Gedanken") und Hans Weingartner ("Die fetten Jahre sind vorbei") genauso wie Hendrik Handloegten ("Liegen lernen") und Sylke Enders ("Kroko").
Auch unter den 212 Einreichungen dieses Jahrgangs seien viele Werke auf hohem Niveau, erläutert Hohnen. Während in den vergangenen Jahren die jungen Filmemacher ihren Themen häufig mit ungeheurer Spontanität, mit der Handkamera und ohne ausformuliertes Drehbuch auf den Leib gerückt seien, legten viele der diesjährigen Absolventen auf eine genaue Vorbereitung, sorgfältige Bildkompositionen und ausgefeilte Dialoge wert. In jedem Jahr gebe es in den Filmen ein Bild, das gehäuft auftrete. Vor einigen Jahren war es "unter Wasser", im vergangenen Jahr "auf dem Hochhaus", erzählt Hohner. "Oben auf der Platte - es waren immer Plattenbauten - haben die Akteure geschlafen, getanzt und sich erschlagen", erinnert sie sich. In diesem Jahr lassen die Filmemacher ihre Protagonisten häufig "gegen die Wand" fahren.
Der bei der Berlinale ausgezeichnete Film "Gegen die Wand" könne jedoch nicht Modell gestanden haben. Die Nachwuchsfilmer hatten ihre Werke zur gleichen Zeit produziert, wie Fatih Akin, betont Hohnen. "Offensichtlich ist es ein Bild, das eine Befindlichkeit besonders gut zum Ausdruck bringt." Vielleicht handele es sich um "das Zeichen eines Aufbegehrens, das sich nur noch in einem gegen sich selbst gerichteten Kraftakt Bahn brechen kann", überlegt sie. Da müsse etwas in der Luft liegen, was sie später in den Filmen zu sehen bekomme.
Was aber macht für jemanden, der in den vergangenen fünf Jahren beinahe 1000 Abschlussfilme gesehen hat, einen guten Film aus? Andrea Hohnen muss lange überlegen bevor sie sagt: "Dass jemand etwas erzählen möchte". "Es kommt nicht darauf an, wie er oder sie das macht, es kann fehlerhaft sein, es kann handwerklich unbeholfen sein und dennoch kann ein Film funktionieren". Es gehe um eine individuelle Sprache, eine eigene Handschrift und das Gefühl, dass jemand seinen Zuschauern wirklich etwas erzählen will."
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