Regisseur starb vor 23 Jahren: Fassbinder: Das "geniale Monster" wäre 60
zuletzt aktualisiert: 31.05.2005 - 07:05Berlin (rpo). Seine Filme wurden gehasst und verflucht, geliebt und missverstanden. Er selbst war so arbeitswütig, dass manche ihn ein "geniales Monster" riefen. Rainer Werner Fassbinder hat den deutschen Film nach dem zweiten Weltkrieg so stark geprägt wie wenig andere. Doch seine Kokainsucht wurde ihm zum Verhängnis. Am Dienstag wäre er 60 Jahre alt geworden.
"Ein Zyniker, der Filme drehte", sagte man über ihn, Filme, die "zu groß für dieses Land" seien. Fast manisch war er: Von 1965 bis zu seinem Tod 1982 machte er mehr als 40 Kino- und Fernsehfilme. Mit Kokain putschte er sich zu Höchstleistungen auf, bis ihm dies zum tödlichen Verhängnis wurde. Der in Bad Wörishofen geborene Fassbinder begann seine Karriere in München als Mitarbeiter des Büchner-Theaters und des Action Theaters. Als Regisseur debütierte er mit einer Inszenierung von "Leonce und Lena", als Theaterautor mit dem Stück "Katzelmacher" (1968). Die Themen für seine Stücke fand Fassbinder im Alltag der Kleinbürger. Vom Theater wechselte er jedoch rasch zum Film.
Der erste Streifen des Ärztesohns, "Liebe ist kälter als der Tod" (1969), wurde von der Presse noch als "rüde Talentprobe" abgetan. Sein zweiter Film, das Gastarbeiter-Melodram "Katzelmacher" (1969), bekam bereits den Fernsehpreis der Akademie der Darstellenden Künste. Große Beachtung erfuhren auch die gesellschaftskritische Familienserie "Acht Stunden sind kein Tag" mit Hanna Schygulla und der Spielfilm "Angst essen Seele auf" (1974), der von der Liebe zwischen einer älteren deutschen Putzfrau und einem Marokkaner handelt.
Heftig umstritten war Fassbinders Film "Satansbraten" (1976), in dem er mit den Moralvorstellungen der bürgerlichen Gesellschaft abrechnete. Als ein Höhepunkt im Schaffen des "Bürgerschrecks" gilt die Verfilmung des Alfred-Döblin-Romans "Berlin Alexanderplatz", die 1980 in 13 Folgen gezeigt wurde.
Am 10. Juni 1982 wurde der umstrittene wie auch gefeierte Regisseur tot in seiner Münchner Wohnung gefunden - vermutlich eine Überdosis aus Kokain und Schlaftabletten. Er wurde nur 37 Jahre alt. Doch auch 23 Jahre nach seinem Tod ist die Erinnerung an den eigensinnigen Workaholic hellwach.
"Rainer war einer von denen, der wusste, was er wollte", sagt Schauspieler Rolf Zacher, der in "Berlin Alexanderplatz" mitspielte. "Der hat reingehauen wie ein Wahnsinniger und war dabei so präzise." Dennoch ist sich Zacher mit Blick auf den frühen Tod Fassbinders sicher: "Der wollte das so. Ich habe ihn noch gewarnt, ich habe gesagt, Rainer du musst aufhören mit dem Zeug. Aber er wollte es."
Der Intendant des Hamburger Schauspielhauses, Tom Stromberg, verriet der "Welt am Sonntag", er habe ein Foto von Fassbinder im Büro hängen. Schauspieler Armin Müller-Stahl, der in Fassbinders "Lola" mitspielte, lobte den "ungebändigten Geist, der den Kopf immer am Puls der Zeit hatte".
Um den Nachlass Fassbinders und die Erinnerung an sein Werk kümmert sich die Rainer Werner Fassbinder Foundation (RWFF) in Berlin. 1986 gründete Fassbinders Mutter Lieselotte Eder, die in rund 25 Filmen ihres Sohnes eine kleine Rolle spielte, die Stiftung. Sechs Jahre später wurde die frühere Lebensgefährtin Fassbinders, Juliane Lorenz, Präsidentin der RWFF.
Größte Veranstaltung der Stiftung anlässlich des 60. Geburtstages des Ausnahme-Regisseurs ist eine Retrospektive mit begleitender Ausstellung im Centre Pompidou in Paris. Aktuelle Projekte der RWFF sind zudem die Restaurierung von "Berlin Alexanderplatz" sowie die Publikation unbekannter Kinderzeichnungen Fassbinders.
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