| 07.24 Uhr

Kinostart von "Valerian"
Krieg der Sterne auf Französisch

Film-Review | Valerian
Düsseldorf. Luc Besson verfilmt einen Comic-Klassiker. Das Epos "Valerian" ist trotz kleiner Makel ein enthusiastisches Science-Fiction-Abenteuer. Von Martin Schwickert

Als Regisseur und Produzent gehört Luc Besson zu den wenigen europäischen Filmemachern, die es immer und immer wieder mit Hollywood aufnehmen wollen. Bevorzugt wildert er in Genres und Marktsegmenten, in denen sich die amerikanische Filmindustrie als Platzhirsch behauptet. Dutzende von Action-Filmen hat Besson auf den Weg gebracht, und tatsächlich konnte er mit einschlägigen Franchises wie "Taken" oder "Transporter" auch an den US-Kinokassen punkten.

Und nun begibt er sich mit "Valerian - Stadt der tausend Planeten" auf das hart umkämpfte Parkett der Comic-Verfilmungen. Als Vorlage dient Besson die futuristische Comic-Serie "Válerian et Laureline" (auf Deutsch: "Valerian und Veronique") von Jean-Claude Mézières und Pierre Christin. Schon George Lucas soll das Werk als Inspiration für "Star Wars" gedient haben, und so darf es nicht verwundern, dass auch in Bessons Film eine "Vereinte Intergalaktische Föderation" im Zentrum des Interesses steht.

Krieg im Paradies

In einer hübschen Eingangssequenz wird der Brückenschlag zum Jahr 1975 gewagt, wo amerikanische und sowjetische Astro- und Kosmonauten sich erstmals im Weltall die Hände reichten, über die Jahrzehnte hinweg, in denen immer mehr Nationen aus verschiedenen Galaxien an die Raumstation andocken, bis hin ins 28. Jahrhundert, wo aus dem multikulturellen Projekt der synthetische Planet "Alpha" entstanden ist. Aber nach dem Vorspann katapultiert sich der Film erst einmal in eine ganz andere Welt.

Auf dem paradiesischen Planeten Mül lebt eine Spezies in Harmonie mit sich und der Natur, bis ein Krieg ausbricht und sich nur einige Wenige in ein Fluchtraumschiff retten können. Hier greift Besson schon tief in den digitalen Tuschekasten und zeigt, dass neben der Comic-Vorlage auch die überbordenden Fantasy-Welten von "Avatar" als Anreiz dienten.

Kinostarts der Woche FOTO: dpa

Die Szene entpuppt sich als Traum des intergalaktischen Geheimagenten Valerian (Dane DeHaan), der mit seiner Kollegin Laureline (Cara Delevingne) durchs Weltall schippert. Das Paar bekommt den Auftrag, einen sogenannten Transmutator, den letzten Lebenden seiner Art vom zerstörten Planeten Mül, aus den Fängen einer Schieberbande zu befreien. Den ersten Einsatz auf einem virtuellen Großbasar kann man sich am besten als eine James-Bond-Eröffnung im LSD-Format vorstellen.

Die Action ist hier eingebettet in ein wildes Fantasy-Setting mit engen Gassen voller skurriler Alien-Wesen. Eine digitale Ausstattungsorgie verbunden mit einer rasanten Verfolgungsjagd, in der die 3D-Technik dynamisch zum Einsatz gebracht wird.

Und das ist erst der Anfang. Bei der Einfahrt ins Metropolis des Planeten Alpha steigert sich der visuelle Rausch noch einmal. Deutlich erkennt man hier auch, dass Besson an seinen eigenen Kultfilm "Das fünfte Element" anknüpft, der ebenfalls durch die Comics von Mézières und Christin inspiriert wurde. 20 Jahre später sind die Möglichkeiten digitaler Bildproduktion unermesslich, und Besson greift in die Vollen - wie ein Kind in der Spielzeugabteilung eines Großkaufhauses. Der kreativen und kinetischen Energie dieses Filmes kann man sich nicht entziehen.

Spannung kommt selten auf

Dennoch kann der Rausch der Bilder nicht über die offensichtlichen Schwächen des Drehbuches hinwegtäuschen, das keinen wirklichen Spannungsbogen entwickelt. Auch die amourösen Unstimmigkeiten in der heroischen Paarbeziehung verdampfen emotional im Ungefähren. Cara Delevingne macht als starke Agentin eine gute Figur, was auch den Vorlieben des Regisseurs entspricht, der seit "Nikita" (1990) die Anziehungskraft seiner Frauencharaktere immer in deren Überlegenheit suchte.

Dagegen nimmt man Dane DeHaan als Titelheld den verwegenen Alleskönner nicht ab. Es ist zu bezweifeln, dass Besson mit diesem unabhängig finanzierten 200-Millionen-Dollar-Projekt gegen die Genre-Konkurrenz aus Hollywood ankommt. Dennoch muss man nicht nur die betriebswirtschaftliche Chuzpe, sondern vor allem auch den kreativen Enthusiasmus bewundern, mit dem sich "Valerian" bei aller Unvollkommenheit von den kühl durchkalkulierten US-Blockbustern deutlich abhebt.

Valerian - Stadt der tausend Planeten, Frankreich 2017 - Regie: Luc Besson, mit Dane DeHaan, Cara Delevingne, Ethan Hawke, 137 Min.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Film "Valerian" - Krieg der Sterne auf Französisch im Kino


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.