Harte Konkurrenz für "Good Bye, Lenin"-Star Brühl in Cannes: Filmfestspiele in Cannes präsentieren sich neu
zuletzt aktualisiert: 07.05.2004 - 16:05Paris (rpo). Die Welt des Films ist ab Mittwoch im französischen Cannes versammelt. Und nach vielen Jahren besteht auch mal wieder die Chance, dass ein deutscher Film eine Goldene Palme erhält. Allerdings ist die Konkurrenz für "Good Bye, Lenin"-Star Daniel Brühl und das übrige Team der deutsch-österreichischen Produktion "Die fetten Jahre sind vorbei" groß.
Nach den viel kritisierten Festspielen 2003 bemühen sich die Veranstalter, in der reichen Stadt an der Côte d'Azur ab Mittwoch mit Neuerungen und neuen Namen zu punkten. Den Zorn der Deutschen haben sie wohl besänftigt, nun müssen sie französische Schauspieler und Techniker beruhigen, die Proteste gegen die Reform ihrer Arbeitslosenkasse planen.
Mit der Nominierung von "Die fetten Jahre sind vorbei" vom erst 33-jährigen Regisseur Hans Weingartner geht für das deutsche Kino eine wahrhafte Dürrezeit zu Ende. 1993 hatte der an der südfranzösischen Riviera wohlbekannte Wim Wenders den letzten deutschen Beitrag im Hauptwettbewerb des wichtigsten Filmfestivals der Welt untergebracht, 1997 trat Wenders in Cannes noch einmal mit dem auf Englisch gedrehten "The End of Violence" (Das Ende der Gewalt) unter US-Fahne an. Seitdem hatten Filmemacher wie die Goldene-Palme-Gewinner Wenders und Volker Schlöndorff ebenso wie Kulturstaatsministerin Christa Weiss die Veranstalter bearbeitet, damit diese ihre offensichtliche Abneigung gegen das jüngere deutsche Kino ablegen.
Ob Weingartner, Brühl und dessen Mitdarsteller Julia Jentsch und Stipe Erceg über die "große Rückkehr des deutschen Films" hinaus noch mehr bewegen können, ist offen. Der Wettbewerb ist gespickt mit großen Namen, denen der aus Österreich stammende Weingartner bereits ehrfürchtig Referenz zollte: Es sei etwas ganz Besonderes, neben bedeutenden Regisseuren wie Wong Kar-wai, Walter Salles, den Brüdern Joel und Ethan Coen oder Emir Kusturica in einem Programm zu laufen.
Für Spannung ist nicht zuletzt gesorgt, weil der schwer auszurechnende US-Kultregisseur Quentin Tarantino nicht nur - außer Konkurrenz - "Kill Bill 2" zeigt, sondern auch Chef der Haupt-Jury ist. Die Coen-Brüder bringen für ihr Remake "Ladykillers" erstmals Oscar-Preisträger Tom Hanks mit an die Côte d'Azur. Mit "Shrek 2" und dem japanischen Manga-Streifen "Innocence" laufen gleich zwei Zeichentrickfilme im Hauptbewerb. Auch der US-Dokumentarfilmer und Oscar-Preisträger Michael Moore hofft auf Lorbeeren und ein Podium für seinen neuen Streifen "Fahrenheit 9/11". Der Film geht mit US-Präsident George W. Bush so hart ins Gericht, dass der konservative Disney-Konzern ihn nicht in den Vereinigten Staaten vertreiben will.
Der zweimalige Cannes-Sieger Kusturica ist mit "Das Leben ist ein Wunder" im Rennen. Dieser Streifen spiegelt nach Einschätzung des künstlerischen Festival-Leiters Thierry Frémeaux für sich genommen den Cannes-Jahrgang 2004 wider. Insider wittern bereits eine dritte Goldene Palme für Kusturica. Als heißer Anwärter gilt aber auch Wongs "2046". Dort spielt noch einmal das Paar aus "In the mood for love", Maggie Cheung und Tony Leung.
Das 57. Internationale Festival von Cannes läuft bis zum Sonntag, dem 23. Mai. Am letzten Tag sollen aber nur der Sieger-Film, dessen Schauspieler und der Regisseur mit einer Gala geehrt werden. Verliehen wird die Goldene Palme bereits am Vorabend, womit die Veranstalter mehr Dynamik in die ganze Sache bringen wollen.
Für Sorgenfalten sorgt in Cannes allerdings noch der Zorn der freien Schauspieler und Bühnentechniker, die um ihre Arbeitslosenkasse kämpfen. Nach wochenlanger Drohkulisse zeichnet sich nun allerdings eine gütliche Lösung ab: "Wir widersetzen uns der Vorführungen in Cannes nicht", sagte der Generalsekretär der Künstler- und Musikergewerkschaft SNAM, Marc Slyper, der Nachrichtenagentur AFP. Die Betroffenen wollen das Festival aber als Bühne nutzen und planen dazu unter anderem eine Pressekonferenz - möglichst im "geheiligten" Festivalpalast - und eine Protestkundgebung vor einem der berühmten Prachthotels an der Standpromenade Croisette.
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