Berlinale 2006: Filmmesse boomt
zuletzt aktualisiert: 09.02.2006 - 14:18Berlin (rpo). Neben dem Filmwettbewerb um den Goldenen Bären spielt auch der European Film Market anlässlich der Berlinale eine wichtige Rolle. Nachdem die Besucher der Filmmesse sich in den Vorjahren über Platzmangel und Gedränge in den Spitzenzeiten beklagt haben, können sie sich dieses Jahr über mehr Platz freuen. Und es haben sich auch mehr Teilnehmer angemeldet.
Die Filmmesse bei den Berliner Filmfestspielen im Martin-Gropius-Bau hat ihre Standfläche im Vergleich zum bisherigen Standort im Daimler-Chrysler-Forum am Potsdamer Platz verdoppelt. Zum Filmmarkt haben sich diesmal 30 Prozent mehr Teilnehmer angemeldet als vor einem Jahr. Rund 260 Firmen aus 42 Ländern sind präsent. Sie zeigen die rekordverdächtige Zahl von 650 Filmen, davon mehr als 400 als Marktpremieren. Ohne zu übertreiben, kann man sagen: Die Berliner Filmmesse boomt.
Zu verdanken hat sie das nicht nur der wachsenden Anziehungskraft der Berlinale, dem nach eigenen Angaben größten Publikumsfilmfestival der Welt, sondern insbesondere gravierenden Verschiebungen auf den internationalen Filmhandelsplätzen. Vor allem profitiert Berlin von der Verlegung des großen American Film Market vom Frühling auf den November, ein Schritt, der zugleich das Aus für die konkurrierende Filmmesse MIFED in Mailand bedeutete.
Die positiven Auswirkungen dieser Veränderung auf den Stellenwert des Berliner Filmmarkts machen sich schon jetzt bemerkbar. "Der European Film Market hat für uns als 'Zwischenstation' zu den Filmfestspielen in Cannes bereits im vergangenen Jahr an Bedeutung gewonnen und hat das Potenzial, sich in den nächsten Jahren als gleichwertige Einrichtung zu etablieren", sagt Dirk Schweitzer, Chef der Abteilung für Programmkäufe und -verkäufe bei der Kölner RTL-Sendergruppe.
Auch Berlinale-Chef Dieter Kosslick sieht sein Festival in filmwirtschaftlicher Hinsicht auf der Erfolgsspur. "Wir haben die Chance, eine der wichtigsten internationalen Filmmessen zu werden", sagte Kosslick kürzlich dem Gesellschaftsmagazin "Park Avenue". Vor all zu viel Euphorie warnt dagegen der Bereichsleiter Zentraler Lizenzeinkauf bei der ProSieben-Sat.1-Gruppe, Rüdiger Boess, dessen Abteilung vier mal so viel Anfragen für Besprechungen auf dem Markt erhalten hat wie im Vorjahr. Er spricht sich dafür aus, das "Geschenk für Berlin" zu nutzen und "schnellstens die Infrastruktur für die Filmmesse zu verbessern".
Von der Rekordbeteiligung am Filmmarkt profitiert zum Teil auch schon das Berliner Koproduktionstreffen, das vom 12. bis 14. Februar im benachbarten Abgeordnetenhaus von Berlin stattfindet. Mehr als 300 Projekte aus 58 Ländern wurden diesmal eingereicht, ein Plus von 25 Prozent. Ausgewählt wurden schließlich 44 Projekte. Auf dieser Fachveranstaltung treffen sich Produzenten, Filmfinanziers, TV-Redakteure, Verleiher und Weltvertriebe, um über die Beteiligung an internationalen Koproduktionen zu verhandeln. Die Budgets der Filmprojekte liegen dabei zwischen einer und zwölf Millionen Euro.
Die beiden ersten Ausgaben des so genannten Berlinale Co-Production Market erwiesen sich als fruchtbar: 21 Filmprojekte sind bereits realisiert, und vier fertige Filme laufen auf der diesjährigen Berlinale. Die Verwertungsrechte dieser Filme können wiederum auf der Filmmesse feilgeboten werden, womit sich der Kreis des lukrativen Filmhandels schließt.
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