Kino-Filme im Netz: Filmpiraten sind weiter auf Kurs
zuletzt aktualisiert: 13.07.2005 - 11:01Berlin (rpo). Zwei Drittel aller Kinofilme sind im Internet verfügbar. Ein Drittel davon kann sogar bereits vor dem offiziellen Filmstart heruntergeladen werden. Ein weiteres Drittel steht ab dem Startwochenende zur Verfügung, der Rest in den folgenden Wochen. Das hat eine Studie des Unternehmens P4M und der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen ergeben.
Der "Available-for-Download (AfD)"-Studie stehen Filme mit mehr als 500.000 Zuschauern am Eröffnungswochenende meist erst nach Kinostart online zur Verfügung. Filme mit weniger als 100.000 Besuchern am ersten Wochenende können dagegen meist deutlich vor Kinostart bereits im Internet heruntergeladen werden.
Filme mit mehr als 100 Startkopien sind fast immer im Internet zu finden. Die Qualität der Downloads wird als "gut" eingestuft. Das Bildmaterial stammt zu 41 Prozent aus Pressevorführungen oder Jury-Versionen. Bei etwa der Hälfte der Filme wird als Bildmaterial eine DVD aus einem anderen Land verwendet. Der deutsche Ton wurde in zwei Drittel der Fälle per Mikrofon live im Kino aufgenommen. Für die Studie wurden alle Kinofilme mit Start in deutschen Kinos zwischen Oktober 2004 und März 2005 erfasst.
Der Geschäftsführer des Verbandes der Filmverleiher (VdF), Johannes Klingsporn, sagte, das Fraunhofer Institut für Integrierte Publikations- und Informationssysteme forsche an einem Verfahren zur Rückverfolgung der Quelle bei gefundenen Raubkopien. Dabei soll ein so genanntes digitales Wasserzeichen auf die Filme gelegt werden.
Unterdessen kam die Diskussion auf, ob sich die Filmwirtschaft angesichts der Ergebnisse der Studie Pressevorführungen noch leisten könne. Der Sprecher des Deutschen Journalistenverbandes (DJV), Hendrik Zörner, betonte: "Journalisten sind keine Raubritter." Die Zahl von 41 Prozent halte er für "abenteuerlich".
Der stellvertretende Vorstand des Hauptverbands Deutscher Filmtheater (HDF), Andreas Kramer, betonte, eine Abschaffung von Pressevorführungen wäre "ein falsches Signal". Film brauche "Öffentlichkeit und Kritiken". Mit Blick auf mögliche verschärfte Sicherheitsvorkehrungen sagte er: "Wir wollen aus dem Kino keinen Hochsicherheitstrakt machen." Er plädierte dafür, dass Journalisten untereinander auf sich achten sollten.
Bei United International Pictures (UIP) hieß es, der Verleih lege Wert auf höchste Sicherheitsvorkehrungen. So müssten bei Pressevorführungen Taschen und Handys abgegeben werden. Während des Films werde zum Teil mit Nachtsichtgeräten kontrolliert.
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