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Panorama  My Name is Khan
  Foto: Arsenal Filmverleih, ddp
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Drama "My Name is Khan": Forrest Gump aus Indien

VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 08.06.2010 - 21:08

(RP). In dem Drama "My Name Is Khan" spielt Indiens Superstar Shah Rukh Khan einen Autisten, der durch die USA irrt, um dem Präsidenten persönlich eine Toleranzbotschaft zu überbringen. Der Film erinnert an "Forrest Gump", nur ist die indische Version märchenhafter – und kennt keine Ironie.

Es hat schon einmal so einen klugen Narren gegeben in der Filmgeschichte, so einen naiven Wanderer durch die Zeiten und die Staaten der USA. 1994 hieß er Forrest – Forrest Gump. Der Mann hatte einen IQ von unter 80, dafür aber manches unentdeckte Talent, etwa zum Ping-Pong-Spielen oder Dauerrennen. Und dazu besaß er diese frappierende Geradlinigkeit, diese unschuldige Direktheit argloser Menschen. Doch weil unsere Zeit nicht arglos ist, musste er erst eine Odyssee durch seine Heimat durchlaufen, ehe er endgültig zur Liebe seines Lebens fand.

Der neue Forrest heißt Rizvan – Rizvan Khan und ist indischer Einwanderer. Auch er ist anders. Rizvan hat zwar keinen niedrigen IQ, doch leidet er am Asperger-Syndrom, einer leichten Form von Autismus, die ihn im Umgang etwas wunderlich erscheinen lässt. Dafür nimmt er umgekehrt seine Mitmenschen aufmerksam und vor allem vorurteilslos wahr. Und auch Rizvan macht sich für die Frau, die er liebt, auf eine lange Reise durch die USA. Er will den Präsidenten treffen, um ihm zu sagen, dass er zwar Khan heißt, Muslim ist, aber kein Terrorist.

Die Botschaft ist so naiv wie der Held, der sie im Namen aller friedliebenden Migranten überbringen will. Doch genau wie bei Forrest Gump liegt gerade in dieser Naivität die Kraft der Geschichte. Denn nichts ist irritierender als ein Mensch, der einfach selbstlos an einer Idee festhält.

Rizvan wird zum Retter

Diesmal allerdings wird die Geschichte von einem indischen Filmemacher erzählt, von Bollywood-Regisseur Karan Johar, der schon früher indische Filme in den USA angesiedelt hat. Nun ist "My Name Is Khan" kein typischer Bollywood-Streifen, in dem ständig gesungen und getanzt würde. Aber er ist doch sehr viel märchenhafter angelegt, als es westliche Zuschauer gewöhnt sind. Das zeigt sich etwa in der Liebesgeschichte. Verliebte sich Forrest Gump noch in eine Frau, die vom Vater missbraucht wurde und Drogenprobleme hat, ist Rizvans Angebetete so erfolgreich wie schön und makellos. Mandira ist eine charmante alleinerziehende Mutter, arbeitet in einem Schönheitssalon und hat die charakterliche Stärke, die Liebe des seltsamen Mannes, der ihr so kindlich direkt seine Zuneigung zeigt, zu erwidern.

Zum Wendepunkt in diesem Märchen kommt es, als die gesellschaftlichen Verhältnisse eindringen in das private Glück – nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001. Die hinduistische Mandira, die den muslimischen Rizvan inzwischen geheiratet hat, muss erst erleben, wie die Kunden in ihrem neuen Salon ausbleiben, weil Khan auf dem Schild steht. Dann wird gar ihr Kind von jugendlichen Rassisten totgeprügelt. So idyllisch und ungebrochen Karan Johar zunächst die erfolgreiche Einwanderergeschichte ausmalt, so drastisch ist der Absturz. Denn nach dem Tod ihres Sohnes stößt Mandira ihren Mann mit dem muslimischen Namen von sich und höhnt, er solle doch dem Präsidenten sagen, dass er kein Terrorist sei. Wie alles, nimmt Rizvan auch diese Worte wörtlich und macht sich auf den Weg – immer Obama nach.

In der Originalfassung beginnt nun eigentlich ein ganz neuer Film, denn Rizvan durchlebt unterwegs diverse Abenteuer. Für den westlichen Markt wurde das Werk massiv gekürzt. Trotzdem folgt die Handlung keiner klassischen Wendepunkt-Dramaturgie, sondern reiht seine Episoden. Rizvan macht Wandlungen durch wie in der hinduistischen Mythologie, doch mit jeder Geschichte wird dieselbe Botschaft inkarniert: der Aufruf zu Toleranz.

Ironie kennt Bollywood nicht

So findet sich Rizvan mitten in einem Unwetter von Hurrikan-Katrina-Ausmaß wieder und wird in den Fluten zum Retter der farbigen Armen. Indiens Superstar Shah Rukh Khan spielt diesen Helden mit einer ganz eigenen Mischung aus Schalk und Unschuld. Zwar gelingt es ihm keineswegs, einen Autisten auch nur annähernd realistisch darzustellen, doch darum geht es auch nicht. Es reicht, dass dieser Schauspieler auf natürliche Weise schön ist und lieb lächelt und aus reiner Menschlichkeit das Richtige tut.

Die Ironie, mit der Forrest Gump einst von einem historischen Ereignis zum nächsten gespült wurde, ist dem Bollywood-Film völlig fremd. Er meint es ernst mit seinen Helden. Und so ist die Erzählung von dem Mann, der auszog, Toleranz zu leben, eher eine Fabel. Nur muss der Zuschauer die Moral von der Geschicht' nicht mal mehr aus dem Tierreich übertragen, sie liegt völlig offen zu Tage. Vielleicht ist dies das Irritierendste an diesem Film: Er hat schlicht und unverhohlen eine moralische Botschaft.

Quelle: RP

 
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