Interview mit Otto Waalkes: Fortsetzung der Zipfelmützen-Zote
VON DAS INTERVIEW FÜHRTE DÖRTE LANGWALD - zuletzt aktualisiert: 25.10.2006 - 11:11München (RPO). Mit der Märchenpersiflage „7 Zwerge – Männer allein im Wald“ landete Otto den Komödienhit des Jahres 2004. Knapp sieben Millionen Deutsche lachten über die zotige Story um sieben Pantoffelhelden mit akuter Frauenphobie. Nun geht die kultige Herrenparade in die zweite Runde: Für „7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug“ schlüpft Otto erneut in die Rolle des putzigen Männleins Bubi. Wir trafen den Comedian zum Zipfel-, äh, Gipfelgespräch über Märchenmanie, Comedy-Konkurrenz und musikalische Flirt-Tricks.
Otto, sind Sie jetzt endgültig zum Märchenonkel mutiert?
Märchen haben mich schon immer verfolgt, seit dieser Geschichte mit den Bienen und den Blumen. Ich habe bereits vor 30 Jahren Märchen als Transportmittel für meine Parodien und Scherze benutzt. Das ist eine wunderbare Erzählform. Als ich irgendwann ein paar alte Defa-Märchenfilme aus dem Osten im Fernsehen sah, dachte ich mir: Diese Erzählform mit ihrem naiven Charme muss man unbedingt wiederbeleben. Und es hat funktioniert.
Knapp sieben Millionen Zuschauer sahen Teil 1 der Zwergenparade. Haben Sie mit diesem Erfolg gerechnet?
Nein. Die Idee, einen Märchenfilm mit sieben Comedians zu drehen, war ja etwas völlig Neuartiges. Wir hätten niemals damit gerechnet, dass wir damit so eine breites Publikum ansprechen. Aber auf einmal knallte das los. Die Frage nach einer Fortsetzung wurde schon gestellt, kaum dass der erste Teil angelaufen war.
Müssen Mütter nun ihre Töchter vor den 7 Zwergen wegsperren?
Quatsch. Aber das war schon Wahnsinn, was uns bei der Promotion-Tour zu unserem ersten Film widerfahren ist. Überall wurden wir wie Superstars empfangen. Die Fans kreischten, als wären wir Tokio Hotel. Und die Mädels riefen „Otto, ich will ein Kind von dir“. Ich rief zurück „Aber ich könnte der Vater deiner Mutter sein“. Und sie antworteten „Das ist mir egal“! (lacht)
Als klassische Regel für Fortsetzungen gilt: Im 2. Teil wird alles noch schneller, höher, actionreicher. Trifft das auf Ihren Film auch zu?
Nein, das brauchen wir aber auch nicht. Die schlanke Erzählweise von Märchen lässt so viele Freiräume, dass man genug Platz hat, um seine Fantasie spielen zu lassen und sich mit seinen Ideen auszutoben.
Was unterscheidet die Fortsetzung vom ersten Teil?
Beim ersten Teil haben wir uns viel enger an das vorgegebene Märchen gehalten und die Motive lediglich variiert. Bei der Fortsetzung hingegen haben wir die Handlung länger offen gelassen, um den Comedians die Möglichkeit zu geben, diese Spielräume nach ihren eigenen Ideen zu gestalten. Auf diese Weise konnten wir auf die unterschiedlichen Talente der Darsteller besser eingehen. Jeder durfte nach seiner Fasson Vorschläge einreichen, die wir dann im Drehbuch umgesetzt haben.
Gab es Wünsche, die Sie abschlagen mussten?
Als ich Olli Dittrich fragte, welche Figur er spielen wollte, kam er mit Pinocchio. Ich fand das nicht ganz Grimm-getreu, trotzdem haben wir das Drehbuch entsprechend umgeschrieben. Olli hat das mit einer wunderbaren Pinocchio-Darstellung belohnt. „Ich war gerade beim Holz-Nasen-Ohrenarzt…“ oder „Brett Pitt“ Das kann dabei herauskommen, wenn man Komiker gleich in die Bucharbeit einbezieht.
Sie spielen erneut den kleinen Zwerg Bubi. Haben Sie sich die Rolle selbst auf den Leib geschrieben?
Klar, der Film hat schließlich starke ottobiografische Züge. Ich habe mich als dieser kleine Kerl gesehen, der nicht zu Wort kommt und ständig unterdrückt wird. Dabei könnte er doch ein Held sein, wenn man ihn nur lassen würde. Eine äußerst tragische Figur.
Standen nach dem Erfolg des ersten Teils die Comedians bei Ihnen Schlange?
Ja, es gab viele, die Lust gehabt hätten, bei der Fortsetzung mitzumachen. Aber ich hatte meine Crew schon fest im Sinn. Außerdem wollte ich ja nicht „Ali Baba und die 40 Räuber“ drehen, sondern nur „7 Zwerge“. Und dafür waren die richtigen Darsteller schon gefunden. Es gibt aber ein paar Überraschungsgäste.
Im Gegensatz zum ersten Teil haben Sie diesmal in freier Natur gedreht.
Ja, im Harz. Das ist ein richtig schöner deutscher Wald. Es gibt in unserem Land so viele romantische und irrsinnig märchenhafte Gebiete! Das kann man in einer Halle gar nicht nachbauen. Nur leider ist man beim Drehen in der Natur meteorologisch abhängig, das kann schon mal zu Chaos führen.
Wie muss man sich die Dreharbeiten mit einem Haufen Comedians vorstellen?
Wie eine Klassenfahrt! Mirko Nontschew, Martin Schneider, Ralf Schmitz – das sind ja Comedians mit Leib und Seele. Für die gibt es auch nach Drehschluss kein witzefrei. Rund um die Uhr haben sie Spaß gemacht und wild improvisiert.
Gab es beim Drehen keine Eitelkeiten untereinander?
Unser verstorbener Produzent Horst Wendlandt hatte seinerzeit befürchtet, dass es ein Hauen und Stechen um die meisten Lacher geben würde. Aber unsere Talente sind so unterschiedlich, dass wir uns eher ergänzt haben und uns gegenseitig die Bälle zugeworfen haben.
Sie waren 30 Jahre lang solo erfolgreich. Fällt es Ihnen nicht schwer, plötzlich in einem Team mit anderen Comedians zu arbeiten?
Nein, ich finde es schön, mich von den anderen inspirieren zu lassen. Außerdem bedeutet Teamarbeit für mich auch, dass ich weniger Verantwortung tragen muss und mich mal zurückhalten kann. Das erleichtert die Arbeit und hilft dem Gesamtkonzept.
Haben die anderen Comedians zu Ihnen aufgeschaut?
Sicherlich respektieren sie meine Arbeit, sonst hätten sie bei dem Film ja nicht mitgemacht. Insgesamt hat aber jeder seinen ganz persönlichen Teil zum Film beigetragen.
Darf der Blödel-Ikone Otto auch mal etwas peinlich sein?
Ja, wenn die Gags nicht ankommen. Ist doch peinlich, wenn keiner lacht. Ansonsten darf einem Komiker eigentlich nichts peinlich sein. Dem Stern ist es hingegen peinlich, dass erwachsene Männer mit Zipfelmützen herumrennen. „Was soll daran lustig sein“, fragte der Stern nach dem ersten Teil. Als der Film und später auch die DVD sehr erfolgreich waren, schrieb der Stern wieder: „Wir finden das immer noch nicht lustig“. Ist doch eigentlich schade, oder?
Sie stehen seit 30 Jahren auf der Bühne. Hat sich der Humor der Deutschen über die Jahre verändert?
Nein, aber durch die vielen neuen Fernsehsender haben sich die Sehgewohnheiten des Publikums geändert. Früher gab es gewisse Tabus. Die haben sich heute aufgelöst. Es gibt Fäkalhumor und Bad-Taste-Gags á la „American Pie“. Die Grenzen haben sich etwas nach unten verschoben. Das Positive an den Privatsendern ist aber, dass sie experimentierfreudig sind und jungen Talenten ein Forum bieten. Durch die zahlreichen Comedy-Sendungen sind Leute wie Mittermayer oder Bully entdeckt worden.
Was halten Sie von der ProSieben Märchenstunde?
Wir scheinen mit unserem Film eine Art Trend losgetreten zu haben. Allerdings haben die bei ProSieben nicht so viel Zeit wie wir, ihre Geschichten richtig liebevoll zu erzählen. Das sind sicherlich auch schöne Filmchen, aber ich finde, man darf sich ruhig ein bisschen mehr Mühe geben und den Vorlagen mehr vertrauen.
Es ist aber doch eine schmeichelhafte Anerkennung, wenn man kopiert wird.
Natürlich, ich finde das wunderbar. Die Parodie und das Plagiat ist die aufrichtigste Form der Verehrung.
Spornt Sie der Erfolg von Kollegen wie Bully an?
Ich finde, es macht Mut, dass sich das Comedy-Spektrum in Deutschland erweitert hat. Die große Anzahl an Comedy-Shows und Kinokomödien beweist doch, dass die Leute so etwas mögen. Die große Mehrheit setzt Vertrauen in deutsche Qualitätskomik, mehr denn je. Konkurrenzgedanken hege ich dabei überhaupt nicht. Das Entscheidende ist doch, dass deutsche Produktionen so erfolgreich sind.
Wie muss man sich Otto als Privatmann vorstellen – geben Sie bei Familienfeiern „Best of“ Shows?
Nein, wir sitzen ganz normal zusammen und reden über alles mögliche. Ich stell mich doch nicht hin und fange plötzlich an, Gedichte aufzusagen. Naja, ab und zu vielleicht. (zitiert) „Schadet Blasmusik aus Bremen - oder gibt’s dafür Tantiemen? Kann in der Nase bohren lähmen - oder führt es zu Ekzemen? Muss ich mich für Durchfall schämen - oder mir den Arsch eincremen?“
Was machen Sie, wenn Sie sich zurückziehen wollen?
Dann nehme ich die Gitarre zur Hand und schaue mir einen schönen Sonnenuntergang an. Gitarre spielen ist für mich wie Yoga. Ich spiele und träume so vor mich hin. Manchmal kommt sogar was dabei raus.
Spielen Sie Ihrer Frau auch etwas vor?
Ja, das mache ich oft. Damit kann man bei Frauen großen Eindruck schinden (grinst). Wenn meine Frau zum Beispiel ein Lied im Radio hört, das ihr gefällt, übe ich es heimlich ein und überrasche sie damit, wenn sie abends nach Hause kommt. Kürzlich habe ich für sie „You are always on my mind“ am Klavier gespielt, weil sie das Lied irgendwo gehört hatte. Sie ist regelrecht dahingeschmolzen.
Millionen von Frauen werden Ihre Gattin nun beneiden.
Naja, man muss sich halt ein bisschen Mühe geben. Aber zum Liebesglück gehören ja immer zwei. Wenn meine Frau fremd gehen würde, dann stünde ich mit der Gitarre in der Hand hinter der Tür. Die Gitarre ist ja schließlich ein Schlaginstrument (lacht)!
Ihre Frau und Sie haben beide volle Terminkalender – wie oft sehen Sie sich eigentlich?
Wir sehen uns selten und bleiben ewig zusammen. Weil wir uns immer viel zu erzählen haben. Ist doch praktisch, oder? Wir sind ja schon 12 Jahre zusammen. Die Silberhochzeit ist also in Sicht.
Wie schwer ist es, eine Beziehung im Rampenlicht zu führen?
Die Zeitungen dichten uns ja immer wieder gerne Trennungsgerüchte an. Ich weiß gar nicht, wie die darauf kommen. Wenn ich morgens aufwache, frage ich meine Frau als erstes: „Schatz, sind wir noch zusammen?“, und sie sagt: „Schau doch mal in der Bunten nach“. „Oh, da steht wir haben uns getrennt!“. „Was machst du in meinem Bett?“ „Wieso duzen Sie mich eigentlich?“
Sie nehmen das Gazettengeplauder also mit Humor?
Ich verfolge das, was in den Zeitungen steht, nicht so intensiv. Natürlich bekomme ich das ein oder andere mit, aber meistens amüsiert es mich einfach nur. Ich bin froh, wenn mein Name richtig geschrieben wird, der Rest stört mich nicht.
Die BILD-Zeitung arrangierte kürzlich ein Wiedersehen mit Ihrer ersten große Liebe. Wie kam es dazu?
Ich war darüber selbst erstaunt. Plötzlich hatte die BILD die Dame ausfindig gemacht und hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, sie wiederzusehen. Ich fand das eine nette Geschichte. Wir waren zusammen, als ich 22 Jahre alt war. Sie war 19. Ich habe sie damals gemalt, das war mein erstes Werk während meines Kunststudiums.
In diesem Zusammenhang erzählten Sie auch, dass Sie sexuell ein Spätzünder waren.
Ich komme aus Ostfriesland – ist doch klar, dass ich da ein Spätzünder bin. Wir wurden zu Hause einfach nicht so früh aufgeklärt. Zumindest nicht vor dem 40. Geburtstag. Meine Mutter war eine fromme Frau. Wenn ich sie zu sexuellen Themen befragte, sagte sie immer: „Das ist noch nichts für dich“. Als ich irgendwann einer Frau einen Knutschfleck machte, dachte ich panisch, die kriegt jetzt ein Kind von mir. Inzwischen weiß ich aber, wie es geht: Man muss zwei Knutschflecke machen.
Kommen wir noch mal zu den „7 Zwergen“ zurück: Wird es weitere Fortsetzungen geben?
Wenn Teil 2 gut ankommt, kann ich mir durchaus eine Trilogie vorstellen. Der nächste Teil heißt dann „Rumpelstilzchens Rache“ oder „Bubi ist James Blond – Du lachst nur einmal“.
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