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Interview zum Horrorthriller "Creep": Franka Potente drehte mit Ratten

zuletzt aktualisiert: 10.03.2005 - 08:41

Berlin (rpo). Franka Potente erlebt in "Creep" einen Alptraum. Sie ist in einem Londoner U-Bahnhof eingeschlossen. Sie irrt durch das unterirdische Bahnsystem und muss sich dort mit einer möderischen Kreatur sowie Ratten herumschlagen. Die Dreharbeiten waren für die 30-Jährige auch nicht gerade angenehm, wie die Schauspielerin in einem Interview verrät.

Frage: Sind Sie nach "Creep" noch mal U-Bahn gefahren?
Potente: Ich bin auch schon vorher nie U-Bahn gefahren. Ich nehme in Berlin Auto und Fahrrad und laufe sehr viel oder lasse mich ganz frech von Freunden abholen. Ich mag diese klaustrophobische Situation in der U-Bahn nicht. Und ich finde es eklig, wenn man dort irgendwo anfasst, wo hunderttausend Leute schon angefasst haben - genauso wie bei Einkaufswagen.

Und wie waren dann die Dreharbeiten in der Londoner U-Bahn? 
Ätzend! In London waren wir etwa sieben Wochen in der U-Bahn. Wir haben um 5 Uhr angefangen. Weil das im Oktober, November war, ist man im Dunkeln, vollgepackt wie eine Antarktisexpedition, etwa 800 Stufen runter in ein unbenutztes Tunnelsystem. Um 20 Uhr sind wir wieder hochgekommen, und da war es dann auch schon dunkel. Ich hatte deshalb totale Schlafstörungen. Außerdem haben wir alle dagegen gekämpft, auf diesem zugigen U-Bahn-Bahnhof krank zu werden.

Waren die Dreharbeiten in Köln ähnlich anstrengend? 
Das war dann anders. In Köln hatten wir eine Studiosituation, auch wenn das im Film nicht so aussieht. Dort war eher blöd, dass ich plötzlich wegen meines Blinddarms ins Krankenhaus gekommen bin und danach in die Wasserkäfige musste.

Nach der Blinddarm-OP? 
Ich habe mich natürlich ein, zwei Wochen ausgeruht, aber man ist ja trotzdem ein bisschen klapprig ... und dann das Wasser mit den stinkenden Ratten, die sich ständig an mich klammern wollten. Aber das sind Sachen, die man vorher weiß - da reißt man sich zusammen. Ich habe diese Disziplin jetzt in zehn Jahren auch einfach gelernt. Ich regele das lieber vorher im Vertrag - zum Beispiel, dass das Wasser, in dem ich zehn Stunden stehen muss, 28 Grad hat.

Mit "Creep" haben Sie als ersten Film seit Ihrem Wegzug aus den USA einen ziemlich speziellen Streifen gemacht... 
Natürlich möchte man Publikum haben, aber es muss erst mal mir gefallen, sonst kann ich nicht überzeugend sein. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass der Film ein richtiger Hit wird. Das weiß man natürlich vorher nicht. Private geografische Entscheidungen und Drehentscheidungen kann man nie koordinieren. Es war eher so, dass ich auf dem Weg zurück nach Berlin war und dazwischen London war. Wenn es ein tolles deutsches Projekt gegeben hätte, hätte ich das auch gemacht, aber das war in dem Moment nicht so.

Sind sie mittlerweile vollständig in Berlin angekommen? 
Ja, ich habe sogar das Gefühl, ich war irgendwie gar nicht weg. Ich bin ja auch schon wieder ein dreiviertel Jahr hier. Ich hatte nie vor, Berlin den Rücken zu kehren. Das Tolle an meinem Beruf ist ja, dass ich ihn überall ausüben kann. Auch wenn ich jetzt in Berlin lebe, heißt das nicht, dass ich keine Filme mehr in Amerika machen kann.

Was ist mit dem Film über Che Guevara in der Regie von Steven Soderbergh, in dem Sie die Rolle der Deutschen Tamara Bunker spielen sollen?
Ich hoffe, dass das irgendwann im Sommer losgeht. Aber sonst mache ich auch etwas anderes, ich warte jetzt nicht mehr ewig.

Und was kommt als Nächstes? 
Ich habe gerade einen Kurzfilm geschrieben, bei dem ich im Frühjahr Regie führen will. Das ist ein Stummfilm, der 1918 spielt. Im Mai drehe ich mit Oskar Roehler "Elementarteilchen", die Houellebecq-Verfilmung, zusammen mit Moritz Bleibtreu. Außerdem schreibe ich mit einem Freund eine Kurzgeschichtensammlung - ein fiktiver Briefwechsel zwischen Los Angeles und Berlin.

Quelle: afp

 
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