Deutscher Filmpreis: Gefängnis-Drama "Vier Minuten" großer Sieger
zuletzt aktualisiert: 04.05.2007 - 21:29Berlin (RPO). Die Filmbranche feierte sich in der Hauptstadt: In Berlin wird zur Stunde der Deutsche Filmpreis verliehen. Monica Bleibtreu erhielt die "Lola" als beste Hauptdarstellerin, Josef Bierbichler als bester Hauptdarsteller. Der favorisierte Streifen "Das Parfum" gewann zwar mehrere Preise, der große Sieger ist aber das Gefängnis-Drama "Vier Minuten" von Chris Kraus.
Die berührende Beziehungsgeschichte über eine junge, verurteilte Mörderin und eine alte Klavierlehrerin gewann die begehrte Trophäe am Freitagabend in Berlin in der Königskategorie "Bester Film". Darüber hinaus wurde Monica Bleibtreu für ihre Rolle in diesem Film als verbissene Musikpädagogin als beste Schauspielerin mit einer Lola ausgezeichnet.
Zum besten Schauspieler wählte die Deutsche Filmakademie Josef Bierbichler für seine Rolle in dem Film "Winterreise". Tom Tykwers als Mitfavorit gehandelte Romanverfilmung "Das Parfum" über einen Frauenmörder musste dagegen mit Preisen in fünf Nebenkategorien und dem Filmpreis in Silber vorlieb nehmen. Die Produktion nach dem gleichnamigen Roman von Patrick Süskind gewann die Lola für Kamera, Schnitt, Szenenbild, Kostümbild und Tongestaltung.
Einen weiteren Filmpreis in Silber erhielt der Film "Wer früher stirbt ist länger tot" von Marcus Rosenmüller. Er konnte sich zudem über die Lola für die beste Regie, die schönste Filmmusik und das beste Drehbuch freuen.
Insgesamt wurde der mit 2,845 Millionen Euro dotierte Filmpreis in 15 Sparten vergeben. Die rund 2.000 Gäste im Palais am Funkturm erlebten einen gut aufgelegten Moderator Michael "Bully" Herbig.
Der Regisseur des Siegerfilms, Kraus, freute sich: Mit den beiden Produzentinnen Meike und Alexandra Kordes könnte er noch zehn weitere Filme machen, rief er. Hauptdarstellerin Bleibtreu hatte doppelt Grund zum Strahlen. Sie habe heute nämlich auch Geburtstag, ihren 63. Prompt erhoben sich die Gäste und gaben ein Geburtstagsständchen zum Besten.
Ein emotionaler Höhepunkt war die Verleihung des Ehrenpreises an Armin Mueller-Stahl. Wenn man eine solche Auszeichnung fürs Lebenswerk erhalte, frage man sich, ob man sie wirklich verdient habe, erklärte er. Wenn er auf sein Leben und die Rollen zurückblicke, dann stelle er fest, dass es immer mehr Menschen nicht mehr gebe.
Beste Nebendarsteller wurden Devid Striesow ("Die Fälscher") und Hannah Herzsprung ("Das wahre Leben"), die auch als beste Schauspielerin als Verbrecherin in "Vier Minuten" nominiert war.
Kulturstaatsminister lobt deutschen Film
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) lobte den deutschen Film. "Er ist weltweit geachtet, und er feiert immer neue, überraschende Erfolge." Kritik an der Auswahl der Nominierten wies er zurück. Das seit 2005 praktizierte System, nach dem die Mitglieder der Deutschen Filmakademie auswählen und nicht mehr ein unabhängiges Gremium, habe sich bewährt.
Die Nominierungen wurden zum dritten Mal von der Deutschen Filmakademie vorgenommen. Die Preisträger wurden dann in geheimer Abstimmung von den 860 Akademie-Mitgliedern gewählt. Dieses Wahlverfahren rief Kritik bei Regisseuren wie Hans Weingartner, Andres Veiel und Fatih Akin hervor. So erklärte Weingartner, selbst Akademie-Mitglied, das "Massenabstimmungsverfahren" mache es "radikalen, künstlerisch innovativen Filmen extrem schwer".
Unter den 2000 Gästen bei der Gala waren unter anderen Otto Sander, Maria Schrader, Uschi Glas und Senta Berger. Darüber hinaus schritten Vorjahressieger und Oscar-Gewinner Florian Henckel von Donnersmarck, Jürgen Vogel und Esther Schweins über den roten Teppich.
Im vergangenen Jahr war das mittlerweile auch mit einem Oscar ausgezeichnete Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" von Donnersmarck der große Gewinner.
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