Ehrenpreis und Ovationen für Mario Adorf: "Gegen die Wand" gewinnt fünf Filmpreise in Gold
zuletzt aktualisiert: 19.06.2004 - 09:29Berlin (rpo). Erst der Triumph bei der Berlinale und jetzt das: Beim Deutschen Filmpreis 2004 war Fatih Akins "Gegen die Wand" erneut der große Sieger und holte gleich fünf "Lolas".
Das Beziehungsdrama gewann bei der 54. Verleihung des höchstdotierten nationalen Kulturpreises am Freitagabend in Berlin fünf goldene "Lolas". Der Streifen erhielt nicht nur den mit bis zu 500 000 Euro verbundenen Filmpreis in Gold als bester Spielfilm. Der türkischstämmige Hamburger Filmemacher setzte sich auch in der Kategorie Regie durch.
Die "Gegen die Wand"-Protagonisten Sibel Kekilli und Birol Ünel wurden von der Jury als beste Hauptdarsteller gekürt. Für die Kameraarbeit in dem Streifen wurde Rainer Klausmann ebenfalls mit einem Filmpreis in Gold ausgezeichnet. Zu der Gala im Tempodrom waren rund 2000 Gäste geladen, darunter viel Prominenz aus Film und Fernsehen.
Kekilli, die wegen ihrer Pornovergangenheit in die Schlagzeilen geraten war, war bei der Verleihung zu Tränen gerührt. In Richtung ihrer Kritiker sagte die 24-Jährige: "Nur gewöhnliche Menschen haben großes Vergnügen an den Fehlern anderer Menschen." Regisseur Akin warnte seine Heimatstadt vor einer Kürzung der Mittel für die Filmförderung.
"Gegen die Wand", der bei der diesjährigen Berlinale den Goldenen Bären gewonnen hatte, zeichnet eine raue Liebes- und Eifersuchtsgeschichte innerhalb der zweiten türkischen Einwanderergeneration in Deutschland. Die 20-jährige Sibel (Kekilli) überredet den doppelt so alten Alkoholiker Cahit Tomruk (Ünel) zu einer Scheinheirat, um ihrem überkommenen Traditionen verhaftetem Elternhaus zu entfliehen.
Schauspieler Mario Adorf nahm unter Standing Ovations den Ehrenpreis für herausragende Verdienste um den deutschen Film entgegen. Auch wenn er sich über die Auszeichnung sehr freue, wolle er sie nicht "als etwas Abschließendes begreifen", sagte der 73-Jährige: "Ich würde mich freuen, auch mal wieder einen ganz normalen Filmpreis zu bekommen".
Filmpreise in Silber in der Kategorie Spielfilm und eine Prämie bis 400 000 Euro gingen an "Kroko" von Sylke Enders und "Das Wunder von Bern" von Sönke Wortmann. Der Fußball-Film ist auch Gewinner des undotierten Publikumspreises "Deutscher Kinofilm des Jahres", und Hauptdarsteller Peter Lohmeyer wurde von den Zuschauern zum Schauspieler des Jahres gewählt.
Der beste ausländische Streifen ist "Lost in translation" von Oscar-Preisträgerin Sofia Coppola. Zwei Filmpreise in Gold gingen an "Herr Lehmann" von Leander Haußmann: Detlev Buck setzte sich bei den Nebendarstellern durch, und der Autor des gleichnamigen Kultbuches, Sven Regener, in der Kategorie verfilmtes Drehbuch. Eine goldene "Lola" ging auch an Aelrun Goettes Dokumentation "Die Kinder sind tot".
Die Auszeichnungen wurde in 18 Kategorien vergeben. Der Deutsche Filmpreis ist mit einer Gesamtprämie von fast 2,9 Millionen Euro ausgestattet. Ab 2005 soll die Anfang September 2003 gegründete Deutsche Filmakademie den Preis ausrichten. Nach der Gala feierte die Filmprominenz bei kühlen Temperaturen noch eine Party unter freiem Himmel.
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