Nominierungen: Geht "Brokeback Mountain" als Oscar-Favorit ins Rennen?
zuletzt aktualisiert: 30.01.2006 - 15:00Bonn (rpo). In Hollywood ist zittern angesagt. Am Dienstag werden von der Filmakademie in Los Angeles die Norminierungen für die 78. Oscar-Verleihung am 5. März bekannt gegeben. Als Favorit gilt der Westernfilm "Brokeback Mountain" von Regisseur Ang Lee. Das Drama mit zwei homosexuellen Cowboys hat sich bei den meisten Abstimmungen der amerikanischen Filmfachverbände durchgesetzt.
Der Film hatte schon den Goldenen Löwen auf dem Festival in Venedig und zuletzt bei der Verleihung der Golden Globes vier Trophäen gewonnen, darunter die für das beste Drama. Die Globes, die von der Vereinigung der Auslandspresse in Hollywood vergeben werden, gelten als wichtigste Gradmesser für die Oscar-Chancen.
Allerdings hat "Brokeback Mountain", der am 9. März in die deutschen Kinos kommt, nicht gerade überlegen gewonnen: Er war zwar sieben Mal nominiert, siegte aber nur vier Mal. Das ist nur ein Globe mehr als die Filmbiographie "Walk the Line" über das Leben des Country-Sängers Johnny Cash, die drei Golden Globes holte, darunter die Auszeichnung in der Kategorie Musical/Comedy. Sie verkürzte damit zugleich den Abstand auf "Brokeback Mountain". Außerdem errangen die beiden Hauptdarsteller Joaquin Phoenix und Resse Witherspoon in ihren Kategorien Globes, während das ihren jungen Kollegen in "Brokeback Mountain", Heath Ledger und Jake Gyllenhaal, nicht gelang.
Mittlerweile sind einige zuvor hoch gehandelte Filme etwas in den Hintergrund getreten, so etwa Michael Bennetts Filmporträt "Capote" mit Philip Seymour Hoffman als schwuler Schriftsteller Truman Copote. Das gilt auch für George Clooneys Politdrama "Good Night, and Good Luck" über die Auseinandersetzung mit verbissenen amerikanischen Kommunistenjäger in den fünfziger Jahren. Kaum mehr als Außenseiterchancen kann sich "L.A. Crash", das Regiedebüt von Drehbuchautor Paul Haggis ausrechnen - sein Film über den alltäglichen Rassismus in einer US-Metropole ist zumindest in den deutschen Kinos sang- und klanglos untergegangen.
Bei der Abwägung der Oscar-Chancen ist allerdings zu bedenken, dass allzu große Vorschusslorbeeren auch schaden können, weil die Academy-Mitglieder sich womöglich von den Urteil der Kritiker-, Produzenten-, Autoren- und Regieverbände zu stark gegängelt fühlen. Außerdem gelten die Mitglieder als konservativer als die Auslandsjournalisten, so dass ein Film mit expliziter Schwulen-Thematik es schwerer haben könnte als ein sexuell unproblematischer Film.
Auffällig ist in diesem Jahr, dass Blockbuster und Großproduktionen wie "Die Chroniken von Narnia", "King Kong", "Die Geisha", der vierte "Harry Potter" oder auch Steven Spielbergs "München" kaum in den einschlägigen Preislisten genannt werden. Auch bei den Golden Globes setzten sich fast nur mäßig budgetierte "Independent-Filme", die von unabhängigen Produktionsfirmen außerhalb der großen Studios realisiert wurden.
Gute Aussichten für "Sophie Scholl"
Bleibt noch der Blick auf den deutschen Film. Für den Oscar für den besten nicht englischsprachigen Film haben diesmal 58 Länder Kandidaten eingereicht, eine Rekordbeteiligung. Deutscher Kandidat ist das Widerstandsdrama "Sophie Scholl" von Marc Rothemund. Dessen Aussichten sind gar nicht so übel, nimmt man die beiden Vorjahre zum Vergleich: 2004 schaffte Oliver Hirschbiegels Hitler-Film "Der Untergang" den Sprung unter die letzten fünf und 2003 holte Caroline Link mit "Nirgendwo in Afrika" sogar einen Oscar für Deutschland.
Und wenn "Sophie Scholl" durchfallen sollte, dann kann die deutsche Filmbranche immerhin noch mit den Franzosen mitfiebern: Frankreich hat nämlich die französisch-deutsche Koproduktion "Merry Christmas" mit der deutschen Schauspielerin Diane Krüger ins Oscar-Rennen entsandt.
Moderiert wird die Gala am 5. März von US-Komiker Jon Stuart.
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