Berlinale 2006: George Clooney verzaubert Berlin
zuletzt aktualisiert: 10.02.2006 - 16:29Berlin (rpo). Er sorgte im Vorfeld für mehr Gesprächsstoff als die Berlinale selbst: George Clooney. Der Hollywoodstar ist an die Spree gekommen, um am Freitag seinen Film "Syriana" vorzustellen. Bei dem Polit-Thriller agierte Clooney nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Produzent. In Berlin sprach Clooney auch über seine Oscar-Aussichten.
Clooney hat sich als wahrer Diät-Künstler erwiesen und innerhalb kurzer Zeit die für den Film "Syriana" angefutterten 35 Pfund wieder abgenommen. Sein Erfolgsrezept beschrieb der 44-jährige am Freitag nach Vorführung des Polit-Thrillers auf der Berlinale so: "Also mit vielen Drogen, Kokain - nein Spaß beiseite, weniger essen, Diät machen, viel Gymnastik und Sport." Mit dem Abnehmen habe er es sehr eilig gehabt.
In dem vielschichtigen Film spielt Clooney einen fülligen CIA-Agenten, der Machenschaften der internationalen Ölindustrie aufdeckt. Für das Zunehmen habe er sogar nur 30 Tage Zeit gehabt. "Das war ein Ding", sagte Clooney, der für viele als schönster Mann Hollywoods gilt. Der auf der Berlinale mit Spannung erwartete Film wurde von der internationalen Presse freundlich aufgenommen.
Clooney betonte, es sei ihm ein Anliegen, politische Filme wie "Good Night And Good Luck" und "Syriana" zu drehen. "So lange ich die Chance habe, Druck zu machen, muss ich die nutzen", sagte er. Allerdings habe er keine großen Hoffnungen, damit etwas zu bewirken. Aber er gebe die Hoffnung natürlich auch nicht auf. Eigentlich sei er schon immer ein sehr politischer Mensch gewesen. "Meine Mutter war Bürgermeisterin, mein Vater kandidierte für den Kongress", sagte er. Politik sei somit in seiner Familie immer ein Thema gewesen.
Die US-Gesellschaft habe sich in den letzten Jahren enorm verändert. In den 60er und 70er Jahren seien viele Menschen politisch und sozial engagiert gewesen, in der Bürgerrechtsbewegung, es sei die Hippie-Zeit gewesen. "Heutzutage sitzen die Menschen am Tisch und sprechen über Politik." Das spiegele sich in dem neuen Film wieder.
Er glaube nicht, dass der oscar-nominierte Film von Stephen Gaghan, in dem auch Matt Damon mitspielt, bei der Verleihung am 5. März eine der begehrten Trophäen gewinnen werde. Solche Filme hätten keine Chancen. Für den Film, für den die Dreharbeiten vor zwei Jahren begannen, sei schon die Nominierung sehr wertvoll. "Es ist gut, wenn viele Leute ihn sehen."
Clooney präsentierte sich auf der Pressekonferenz gewohnt schlagfertig und charmant. Journalistinnen aus China und Italien fragte er, ob sie ihm ihre Länder zeigen würden. Einem dänischen Journalisten zeigte er ein weißes Blatt und meinte in Anspielung auf den Karikaturen-Streit: "Die habe ich gerade zufällig gemalt." Auf die Frage, was er als nächstes mache, antwortete er: "Nach der Pressekonferenz möchte ich erst einmal ins Schlafzimmer gehen und etwas essen."
Clooney sagte, er wolle nicht in Schubladen gesteckt werden. Man könne als Schauspieler immer nur hoffen, dass das Publikum mehr Positives als Negatives sehe. "Das ist mein Ziel. Und immer ausreichend zu trinken."
Was sonst noch geschah...
Im Wettbewerb gezeigt wurden am Freitag die Filme "En Soap" aus Dänemark von Pernille Fischer Christensen mit Trine Dyrholm und David Dencik in den Hauptrollen sowie "Slumming" von Regisseur Michael Glawogger. In der Hauptrolle dieses österreichischen Festivalbeitrags ist August Diehl zu erleben.
Auch für kleine Zuschauer sind die 56. Internationalen Filmfestspiele Berlin jetzt zugänglich. Schauspieler Armin Rhode eröffnete das 29. Kinderfilmfest der Berlinale. Danach wurde in Anwesenheit des Regisseurs Peter Cataneo und der jungen Hauptdarsteller der britische Eröffnungsfilm "Opal Dream" gezeigt. Im Mittelpunkt steht das Mädchen Kellyanne, das sich in einem australischen Bergwerksort eine Fantasiewelt aufbaut und sein imaginäre Freunde hat. Zudem eröffneten weitere Berlinale-Reihen wie Panorama und Perspektive Deutsches Kino.
Rhode spielt die Titelrolle des "Räuber Hotzenplotz" im gleichnamigen Kinderfilm von Gernot Roll. Die Verfilmung des Kinderbuchklassikers von Otfried Preußler wird am 12. Februar ihre Uraufführung erleben. Kurz nach dem Kinderfilmfest wurde auch der Jugendfilmwettbewerb "14plus" gestartet. Hier sollte Schauspielerin Johanna Wokalek, der diesjährige deutsche "Shooting Star", grünes Licht geben.
Zuvor war bereits der European Film Market durch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eröffnet worden. Der Filmmarkt sei in diesem Jahr erheblich gewachsen, betonte die Regierungschefin nach Gesprächen mit Vertretern der Filmbranche. "Dieser Erfolg des wirtschaftlichen Standbeins der Berlinale zeigt, dass sich die deutsche Filmwirtschaft auf dem richtigen Weg befindet", fügte sie hinzu. Dafür seien auch die viel versprechenden deutschen Beiträge im Wettbewerb der Berlinale ein Beweis.
Kulturstaatsminister Michael Neumann (CDU) betonte, durch internationale Koproduktionen, die auf großen Messen wie dem European Film Market angebahnt würden, werde die deutsche Filmwirtschaft wettbewerbsfähiger. Es müssten allerdings mehr Anreize für private Investoren geschaffen werden. "Wir führen derzeit intensive Gespräche mit der Filmbranche und Finanzexperten, um die Rahmenbedingungen für die deutsche Filmwirtschaft zu verbessern", sagte Neumann.
Die Bundesregierung fördert den Filmmarkt in diesem Jahr mit 1,2 Millionen Euro. Insgesamt finanziert der Bund die Berlinale mit 7,5 Millionen Euro.
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