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Kinostart von "Girl on the Train"
Das Unglück fährt mit

Girl on the Train mit Emily Blunt im Kino: Verfilmung des Bestsellers
Jeden Tag fährt Rachel (Emily Blunt) mit dem Zug in die Stadt - und jeden Tag beobachtet sie das Leben durch die Fensterscheibe. FOTO: dpa, his jhe
Düsseldorf. Die Verfilmung des Bestsellers "Girl On The Train" erzählt von einer alkoholkranken Pendlerin und einer fatalen Wissenslücke. Von Martin Schwickert

Jeden Morgen nimmt Rachel (Emily Blunt) den Vorortzug, der die Pendler dem Hudson River folgend hinein nach Manhattan bringt. Wie eine Perlenkette reihen sich entlang der Gleise die schmucken Eigenheime aneinander. Rachel war auch einmal Teil dieser Vorstadtidylle. Sie hatte einen Job in der Stadt, ein Haus am Fluss, einen Ehemann, und sie hätte auch gerne Kinder gehabt. Als klar war, dass sie keine bekommen konnte, fing sie an zu trinken. So viel, dass sie am Morgen nicht mehr wusste, was sie am Abend zuvor gesagt und getan hatte.

Heute wohnt ihr Mann mit einer anderen Frau in dem Haus am Fluss. Tom (Justin Theroux) und Anna (Rebecca Ferguson) haben zusammen ein Baby und leben das Leben, das Rachel gerne gelebt hätte. Wenn der Zug am Haus vorbeirollt, versucht sie wegzusehen, aber es gelingt ihr nur selten, die Augen abzuwenden. Jeden Tag unterzieht sie sich diesem masochistischen Ritual, während sie Wodka aus einem Wasserbecher nuckelt.

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Aber die Fahrt bietet auch erfreuliche Anblicke. Ein paar Häuser weiter lebt ein junges, verliebtes Paar, dessen scheinbar harmonisches Treiben Rachel voyeuristischen Trost spendet. Aber als sie glaubt, die junge, schöne Megan (Haley Bennett) mit einem anderen Mann auf dem Balkon gesehen zu haben, steigt sie sturztrunken aus dem Zug, um die untreue Ehefrau von der Zerstörung ihres Glücks abzuhalten.

Wenige Stunden später wacht Rachel in der Nähe eines Tunnels mit einer Wunde am Kopf auf und kann sich an nichts mehr erinnern. Einige Tage danach beginnt die Polizei nach der vermissten Megan zu suchen.

Angestaute Erwartungen nicht erfüllt

Als Vorstadt-Thriller um drei Frauenfiguren legt Tom Taylor seinen Film "Girl On The Train" nach dem Bestseller-Roman von Paula Hawkins an. Neben Rückblenden in die Vorgeschichte der Charaktere wechselt auch immer wieder die Erzählperspektive zwischen den Frauen hin und her, während die Hintergründe und immer neue Facetten des potenziellen Verbrechens sukzessive enthüllt werden.

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Diese sehr ambitionierte Form der Narration zieht das Forschungsinteresse des Publikums anfangs erfolgreich auf sich, verliert sich aber zunehmend in einem überkonstruierten Handlungsgefüge hin zu einem finalen Auflösungs-Showdown, der die angestauten Erwartungen nicht zu erfüllen vermag. Der Versuch, hier ein Hitchcocksches Labyrinth aus Voyeurismus, Begehren, Projektion und offener wie latenter Gewalt zu entwerfen, führt nur in eine leere Thriller-Pose, aber nicht in wirkliche Suspense.

Starke Protagonistin

Die Stärken des Films liegen nicht in den eitlen Plotstrukturen, sondern in den schauspielerischen Leistungen. Emily Blunt gräbt sich tief in die Rolle der trunksüchtigen Voyeurin, die im Selbstmitleid zu versinken droht, aber auch Rebecca Ferguson ("Mission Impossible") als wehrhafte Eheglücksverteidigerin und Haley Bennett ("Die glorreichen Sieben") im Lebenskrisenmodus sind vollkommen überzeugend.

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Ihrem Einsatz ist es zu verdanken, dass im Streben der Frauenfiguren nach Familienidylle auch deren Verlorenheit in diesen konventionellen Glückskonzepten zum Vorschein kommt. Hier liegt der eigentliche interessante Subtext des Filmes, der jedoch in übertriebenen Plotverrenkungen und einer allzu vordergründigen Schlusswendung fast vollständig untergeht.

Girl On The Train, USA 2016 - Regie: Tate Taylor, mit Emily Blunt, Justin Theroux, Luke Evans, 112 Minuten

Quelle: RP
 
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