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Wenders geht leer aus: Goldene Palme für belgische Brüder

zuletzt aktualisiert: 21.05.2005 - 21:32

Cannes (rpo). Bei den Filmfestspielen von Cannes haben Luc und Jean-Pierre Dardenne sensationell ihre zweite Goldene Palme gewonnen. Die Regisseursbrüder aus Belgien nahmen den Hauptpreis für ihren neuesten Film "L'enfant" am Samstag aus den Händen der Oscar-Preisträger Morgan Freeman und Hilary Swank entgegen.

Jean-Pierre und Luc Dardenne freuten sich über die Film-Trophäe.  Foto: AFP, AFP
Jean-Pierre und Luc Dardenne freuten sich über die Film-Trophäe. Foto: AFP, AFP

Die Festival-Jury unter dem Vorsitz des serbischen Regisseurs Emir Kusturica verlieh den belgischen Filmemachern Luc und Jean-Pierre Dardenne am Samstagabend für "L'enfant" ihre zweite Goldene Palme nach 1999. Der als Favorit gehandelte "Broken Flowers" von US-Regisseur Jim Jarmusch erhielt einen Grand Prix der Jury; dieser gilt als zweiter Preis. Hollywoodstar Tommy Lee Jones triumphierte mit seiner ersten Regiearbeit "The Three Burials of Melquiades Estrada", die zwei Preise gewann. Der deutsche Beitrag "Don't Come Knocking" von Wim Wenders ging komplett leer aus.

Die Regisseursbrüder Dardenne nahmen die Goldene Palme aus den Händen der Oscar-Preisträger Morgan Freeman und Hilary Swank entgegen. Den Preis widmeten sie der französischen Journalistin Florence Aubenas und deren mit ihr im Irak verschleppten Chauffeur Hussein Hanun. Bereits 1999 hatten Luc und Jean-Pierre Dardenne den Hauptpreis des Festivals an der Côte d'Azur erhalten - damals für "Rosetta". Auch ihr neuester Film "L'enfant" übt ätzende Gesellschaftskritik. Er handelt von einem jungen Paar aus bescheidensten Verhältnissen, dessen Leben durch die Geburt eines Kindes völlig über den Haufen geworfen wird.

Jarmusch hatte im Vorfeld als Top-Favorit für die Goldene Palme gegolten. In seinem mit dem Grand Prix ausgezeichneten Film "Broken Flowers" gibt "Lost in Translation"-Star Bill Murray den eingefleischten Junggesellen Don Johnston, der nach 19 Jahren erfährt, dass er mit einer von zahlreichen früheren Liebschaften einen Sohn hat und sich daraufhin auf die Suche nach seiner Familie begibt. Johnstons Ex-Freundinnen werden unter anderem von Jessica Lange und Sharon Stone gespielt. Hollywoodstar Tommy Lee Jones erhielt für seinen Film "The Three Burials of Melquiades Estrada" den Preis als bester Darsteller. Außerdem wurde der Film für das beste Drehbuch ausgezeichnet.

Der Österreicher Michael Haneke gewann mit dem in Frankreich produzierten Film "Caché" den Regiepreis. "Caché" hatte als Frankreichs ernsthafte Hoffnung auf die erste Goldene Palme seit fast 20 Jahren gegolten. Mitfavorit David Cronenberg aus Kanada ("A History of Violence") ging dagegen ebenso völlig leer aus wie die früheren Palme-Sieger Wim Wenders aus Deutschland, Lars Von Trier aus Dänemark ("Manderlay") und Gus Van Sant ("Last Days"). Alle vier wurden auch bei der Preis-Gala nicht gesichtet. Wenders hatte 1984 mit "Paris, Texas" die letzte Goldene Palme nach Deutschland geholt. Wie diesmal bei "Don't Come Knocking" hatte er damals mit dem US-Dramatiker Sam Shepard gearbeitet. Bei der Uraufführung am Donnerstag hatte der 59-jährige Wenders seinen jüngsten Film als eines seiner gelungensten Werke bezeichnet.

Die Israelin Hanna Laslo erhielt die Auszeichnung als beste Darstellerin für ihre Rolle in "Free Zone" von Amos Gitai. In ihrer kurzen Dankesrede rief die in ihrer Heimat vor allem als Komikerin bekannte Laslo Israelis und Palästinenser zum Dialog auf, "um die Probleme zu regeln". Das Festival von Cannes sollte am Sonntagabend mit einer Gala-Vorführung von "L'enfant" zu Ende gehen. Dazu wurde die gesamte Jury erwartet. Unter den insgesamt neun Juroren waren der deutsche Berlinale-Sieger Fatih Akin sowie die mexikanische Schauspielerin Salma Hayek.


Die wichtigsten Auszeichnungen:

Goldene Palme: "L'enfant" von Luc und Jean-Pierre Dardenne (Belgien)

Grand Prix der Jury: "Broken Flowers" von Jim Jarmusch (USA)

Beste Schauspielerin: Hanna Laslo für ihre Rolle in "Free Zone" von Amos Gitai (Israel)

Bester Schauspieler: Tommy Lee Jones für seine Rolle in "The Three Burials of Melquiades Estrada" (USA)

Beste Regie: Michael Haneke (Österreich) für "Caché" (Frankreich)

Bestes Drehbuch: Guillermo Arriaga (Mexiko) für "The Three Burials of Melquiades Estrada" von Tommy Lee Jones (USA)

Preis der Jury: "Shanghai Dreams" von Wang Xiaoshuai (China)

Goldene Palme für den besten Kurzfilm: "Podorozhni" von Igor Strembitski (Ukraine)

Goldene Kamera für den beste Erstlingsfilm: "Me and You and Everyone We Know" von Miranda July (USA) sowie "Das verlassene Land" von Vimukthi Jayasundara (Sri Lanka)

Preis der Internationalen Filmkritik: "Caché" von Michael Haneke (Frankreich)

Preis der Ökumenischen Jury: "Caché" von Michael Haneke (Frankreich)

Quelle: afp

 
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