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Bereits zweiter Filmpreis für Dardenne: Goldene Palme für "L'enfant" aus Belgien

zuletzt aktualisiert: 22.05.2005 - 08:12

Cannes (rpo). Die Goldene Palme geht in diesem Jahr nach Belgien. Die Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne haben die Jury mit ihrem Werk "L'enfant" ("Das Kind") überzeugt. Damit gehören die beiden zu den wenigen, die den Preis bereits zweimal einheimsen konnten. Namhafte Anwärter auf die Palme gingen beim 58. Festival an der Riviera hingegen leer aus.

Jean-Pierre und Luc Dardenne freuten sich über die Film-Trophäe.  Foto: AFP, AFP
Jean-Pierre und Luc Dardenne freuten sich über die Film-Trophäe. Foto: AFP, AFP

Der als Favorit gehandelte "Broken Flowers" von US-Regisseur Jim Jarmusch erhielt einen Grand Prix der Jury; dieser gilt als zweiter Preis. Hollywoodstar Tommy Lee Jones triumphierte mit seiner ersten Regiearbeit "The Three Burials of Melquiades Estrada", die zwei Preise gewann. Der deutsche Beitrag "Don't Come Knocking" von Wim Wenders ging komplett leer aus.

Die Regisseursbrüder Dardenne nahmen die Goldene Palme aus den Händen der Oscar-Preisträger Morgan Freeman und Hilary Swank entgegen. Den Preis widmeten sie der französischen Journalistin Florence Aubenas und deren mit ihr im Irak verschleppten Chauffeur Hussein Hanun. Bereits 1999 hatten Luc und Jean-Pierre Dardenne den Hauptpreis des Festivals an der Côte d'Azur erhalten - damals für "Rosetta". Auch ihr neuester Film "L'enfant" übt ätzende Gesellschaftskritik. Er handelt von einem jungen Paar aus bescheidensten Verhältnissen, dessen Leben durch die Geburt eines Kindes völlig über den Haufen geworfen wird.

Jarmusch hatte im Vorfeld als Top-Favorit für die Goldene Palme gegolten. In seinem mit dem Grand Prix ausgezeichneten Film "Broken Flowers" gibt "Lost in Translation"-Star Bill Murray den eingefleischten Junggesellen Don Johnston, der nach 19 Jahren erfährt, dass er mit einer von zahlreichen früheren Liebschaften einen Sohn hat und sich daraufhin auf die Suche nach seiner Familie begibt. Johnstons Ex-Freundinnen werden unter anderem von Jessica Lange und Sharon Stone gespielt. Hollywoodstar Tommy Lee Jones erhielt für seinen Film "The Three Burials of Melquiades Estrada" den Preis als bester Darsteller. Außerdem wurde der Film für das beste Drehbuch ausgezeichnet.

Der Österreicher Michael Haneke gewann mit dem in Frankreich produzierten Film "Caché" den Regiepreis. "Caché" hatte als Frankreichs ernsthafte Hoffnung auf die erste Goldene Palme seit fast 20 Jahren gegolten. Mitfavorit David Cronenberg aus Kanada ("A History of Violence") ging dagegen ebenso völlig leer aus wie die früheren Palme-Sieger Wim Wenders aus Deutschland, Lars Von Trier aus Dänemark ("Manderlay") und Gus Van Sant ("Last Days"). Alle vier wurden auch bei der Preis-Gala nicht gesichtet. Wenders hatte 1984 mit "Paris, Texas" die letzte Goldene Palme nach Deutschland geholt. Wie diesmal bei "Don't Come Knocking" hatte er damals mit dem US-Dramatiker Sam Shepard gearbeitet. Bei der Uraufführung am Donnerstag hatte der 59-jährige Wenders seinen jüngsten Film als eines seiner gelungensten Werke bezeichnet.

Die Israelin Hanna Laslo erhielt die Auszeichnung als beste Darstellerin für ihre Rolle in "Free Zone" von Amos Gitai. In ihrer kurzen Dankesrede rief die in ihrer Heimat vor allem als Komikerin bekannte Laslo Israelis und Palästinenser zum Dialog auf, "um die Probleme zu regeln". Das Festival von Cannes sollte am Sonntagabend mit einer Gala-Vorführung von "L'enfant" zu Ende gehen. Dazu wurde die gesamte Jury erwartet. Unter den insgesamt neun Juroren waren der deutsche Berlinale-Sieger Fatih Akin sowie die mexikanische Schauspielerin Salma Hayek.

Seit nunmehr 30 Jahren wird der Hauptpreis beim bedeutendsten Kinofest ununterbrochen vergeben. Die Gewinner seit 1975 zusammen:

1975: "Chroniques des anneés de braise" von Mohamed Lakhdar Hamina (Algerien)

1976: "Taxi Driver" von Martin Scorsese (USA)

1977: "Mein Vater, mein Herr" von Paolo und Vittori Taviani (Italien)

1978: "Der Holzschuhbaum" von Ermanno Olmi (Italien)

1979: "Die Blechtrommel" von Volker Schlöndorff (Deutschland)

und "Apocalypse Now" von Francis Ford Coppola (USA)

1980: "Kagemusha" von Akira Kurosawa (Japan)

und "Hinter dem Rampenlicht" von Bob Fosse (USA)

1981: "Der Mann aus Eisen" von Andrzej Wajda (Polen)

1982: "Vermisst" von Constantin Costa-Gavras (USA)

und "Yol - Der Weg" von Yilmay Güney (Türkei)

1983: "Die Ballade von Narayama" von Shohei Imamura (Japan)

1984: "Paris, Texas" von Wim Wenders (Deutschland)

1985: "Papa ist auf Dienstreise" von Emir Kusturica (Jugoslawien)

1986: "Mission" von Roland Joffe (Großbritannien)

1987: "Die Sonne Satans" von Maurice Pialat (Frankreich)

1988: "Pelle der Eroberer" von Bille August (Dänemark)

1989: "Sex, Lügen und Videos" von Steven Soderbergh (USA)

1990: "Wild at Heart" von David Lynch (USA)

1991: "Barton Fink" von Joel und Ethan Coen (USA)

1992: "Die besten Absichten" von Bille August (Dänemark)

1993: "Das Piano" von Jane Campion (Neuseeland)

und "Lebewohl meine Konkubine" von Chen Kaige (China)

1994: "Pulp Fiction" von Quentin Tarantino (USA)

1995: "Underground" von Emir Kusturica (Jugoslawien)

1996: "Lügen und Geheimnisse" von Mike Leigh (Großbritannien)

1997: "Der Aal" von Shohei Imamura (Japan)

und "Der süße Geschmack der Kirschen" von Abbas Kiarostami (Iran)

1998: "Die Ewigkeit eines Tages" von Theo Angelopoulos (Griechenland)

1999: "Rosetta" von Luc und Jean-Pierre Dardenne (Belgien)

2000: "Dancer in the Dark" von Lars von Trier (Dänemark)

2001: "Das Zimmer des Sohnes" von Nanni Moretti (Italien)

2002: "Der Pianist" von Roman Polanski (Polen/Frankreich)

2003: "Elephant" von Gus Van Sant (USA)

2004: "Fahrenheit 9/11" von Michael Moore (USA)

2005: "L'enfant" von Luc und Jean-Pierre Dardenne (Belgien)

Quelle: afp

 
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